Agent Zukunft (1) Die Belohnung
Das Universum breitet sich doch nur aus, damit noch all die Ideen von der Zukunft darin Platz finden.

von Emma Braslavsky

Dramaturgie und Regie: Emma Braslavsky
Musik: Alexander Magerl
dingsbums productions 2011
65 Min.



Trailer:




Agent Zukunft: Alexander Magerl
Daypira: Emma Braslavsky
Oberst: Noam Braslavsky
Eine 250erin: Isabel Cole
Ein 250er: Sebastian Schote


Rainer Wiedemann, ein geschei(ter)ter Wirtschaftsjournalist mit Renommeé, Alkoholproblemen und spärlichen sozialen Bindungen, wird eines Morgens abgeholt. In einem geheimen Trainingslager unterbreitet man ihm ein lukratives Angebot, das er nicht abschlagen kann: Gegen stattliche Honorare schicken sie ihn als Agent auf die Reise, um all die nicht realisierten Zukunftsmodelle der Menschen auf neue Profitmöglichkeiten abzuklopfen. Eigentlich ein Traumjob, wäre Agent Zukunft nicht …

In der ersten Folge wird Agent Zukunft, geradeso ausgenüchtert und mit einem hochtechnokratischen Fragenkatalog bewaffnet, ins Jahr 2200 zum Venus-Projekt (www.thevenusproject.com) der Zeitgeist-Bewegung geschickt, in eine Welt ohne Geld und mit einer neuen geografischen Wirklichkeit. Dort trifft er auf Daypira, eine Frau mit einem IQ von 250, die dazu Anhängerin einer Partisanenbewegung ist. Mit Entsetzen erkennt er: Die wichtigste Frage wurde nicht gestellt.


Emma Braslavsky: Geboren 1971 in Erfurt. Mit dem Schreiben begann sie in dem Jahr, das titelgebend für Orwells große Utopie wurde. Seit 1999 arbeitet sie als freie Autorin und Ausstellungskuratorin. 2007 erschien ihr tragikomischer Debütroman "Aus dem Sinn", der mit zwei Literaturpreisen ausgezeichnet wurde und für viel Aufsehen sorgte. Darauf folgte 2008 der zweite Roman "Das Blaue vom Himmel über dem Atlantik", eine Reihe von Erzählungen, Hörstücke und philosophische Essays zu aktueller Kunst.

Alexander Magerl: Geboren 1982 in Erfurt. Schon als Kind verrückt nach Gitarre, Bass, Schlagzeug und Klavier und nach einigen Jahren Studium Audio Engineering und Komposition hat er bereits als junger Songwriter und Leadsänger mehrjährige Studio-, Band- und Kompositionserfahrung.


Zugegeben zunächst haben Titel, Genre, Cover und die Tatsache, dass hier ein neues, unbekanntes Label für die Produktion verantwortlich ist, nicht gerade mein Interesse geweckt. Das änderte sich dann schon deutlich, als der Namen der Autorin, Sprecherin und Regisseurin Emma Braslavsky zu lesen war. Das ließ doch schon mal ahnen, dass hier mehr dahinter steckt, als ein übliches, engagiertes Fanhörspielprojekt.

Tatsächlich ist "Agent Zukunft" ein Hörspiel, wie man es nur selten auf dem Markt findet. So schert es sich wenig um die gängigen Klischees und erzählt seine Geschichte auf eine ganz eigene Art.

Der Plot um Agent Zukunft ist nur die Folie, um eine Vision, die aus dem existierenden Venus-Projekt resultiert, vor- und der heutigen Wirklichkeit gegenüberzustellen. Dass geschieht dann recht originell, da man die Geschichte nicht nur mit viel Augenzwinkern erzählt, sondern sie auch noch quasi als Musical abbildet. Es wird tatsächlich ungewöhnlich viel gesungen. Auch wenn keiner der Titel Aussicht auf eine TopTen-Platzierung hat, unterhalten diese eingestreuten Tracks aber recht gut und lockern das Ganze auf.

Getragen wird das Stück hauptsächlich von den beiden Machern, Emma Braslavsky und Alexander Magerl, die zwar keine ausgewiesenen Sprecher sind, aber als solche hier doch einen mehr als soliden Einstand geben.



Agent Zukunft ist ein tiefsinniges und dennoch sehr unterhaltsames Hörspiel, das man eher auf den Radiosendeplätzen, auf denen sich junge Hörspielmacher austoben, vermutet würde, als auf dem Hörspielmarkt. Ich kann nur hoffen, dass sich die Käufer vom ersten Eindruck, den Cover, Genre und Titel vermitteln, nicht blenden lassen und diejenigen zugreifen, die sich beim Hörspielhören auch mal auf ungewöhnliche Wege einlassen können und sich nicht nur im Vorbeigehen unterhalten lassen wollen.


Meine Wertung: + + +



Erhältlich als Download und CD bei:
dingsbums productions
 
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