| Anna Karenina |
| |
Autor: |
Leo Tolstoi |
| |
Produktion: |
WDR/HR 1968 - der hörverlag |
| |
Regie: |
Ludwig Cremer |
| |
Bearbeitung: |
Palma |
| |
Musik: |
Hans Martin Majewski |
| |
Länge: |
268 Min. |
| |
|
 |
Mitwirkende: |
Erzähler: Walter-Andreas Schwarz
Anna Karenina: Johanna von Koczian
Fürst
Stephan Arkadjewitsch Oblonski, genannt Stiwa: Rudolf Melichar
Konstantin
Dmitrijewitsch Ljewin: Paul Albert Krumm
Prinzessin Kitty Schtscherbazkaja:
Marianne Mosa
Fürst Schtscherbazkaji: Alois Garg
Graf Alexej Kirillowitsch
Wronski: Hansjörg Felmy
Gräfin Wronskaja, dessen Mutter: Ilde
Overhoff
Gräfin Nordston: Marianne Kehlau
Nikolaj Schtscherbazkij, Kittys
Vater: Bodo Primus
Prinzessin Golizyn: Elfriede Rückert
u.a.
|
Inhalt: |
"Alle glücklichen Familien gleichen einander, jede unglückliche Familie ist auf
ihre besondere Art unglücklich", lautet der erste Satz in Tolstois berühmtem
Roman. Zu Beginn der Handlung, im Juni 1870, führt die Familie Karenin ein
geordnetes, zufriedenes Leben. Die Katastrophe bahnt sich an, als die schöne,
warmherzige Anna Karenina, die ihren zwanzig Jahre älteren Mann achtet und ihren
kleinen Sohn anbetet, dem männlich kraftvollen Offizier Graf Vronskij
leidenschaftlich verfällt. Zwischen der ersten, schicksalhaften Begegnung auf
einem Moskauer Bahnhof und Annas Selbstmord unter den Rädern eines
Eisenbahnwagens liegen die Stationen ihres durch tragische Verstrickung
heraufbeschworenen Leidensweges. Das Verhängnis nimmt seinen Lauf, als Anna
erkennt, dass sie das Los einer Ausgestoßenen auf sich nehmen muss. Mit
pessimistischem Scharfblick hat Tolstoi das Brüchige der kulturellen und
moralischen Ordnung einer ganzen Gesellschaft festgehalten. |
Bemerkungen: |
Tolstois zweites großes Werk neben "Krieg und Frieden" in ein vergleichsweise
kurzes Hörspiel zu fassen, ist ein schier unmögliches Unterfangen. Auch in
dieser Fassung gelingt es nur bedingt. Zwar genügt es, die wesentlichen Züge der
Geschichte darzustellen, Tolstois großartige Kunst, seine Figuren in
detailreichen Facetten punktgenau zu beschreiben, bleibt allerdings etwas auf
der Strecke. Zum Teil hat man es punktuell zumindest retten können, so dass der
Hörer zumindest ein Gespür dafür bekommt, welche Klasse der Roman hat.
Die Umsetzung in ein Radiohörspiel kommt im für Produktionsjahr und
Genre angemessenen, eher schlichten Gewand daher. Geräusche und Musik sind auf
das notwendige Minimum reduziert. Das Hauptaugenmerk liegt hier auf dem Text. Um
möglichst viel der Vorlage ins Hörspiel zu übertragen, hat man dem Erzähler
einen breiten Raum gelassen. Das macht das Hören zwar etwas schwergängiger, da
aufkommende Dialoge immer wieder unterbrochen werden, andererseits fällt es
aufgrund der Fülle der Informationen auch leichter der Handlung zu folgen, was
gerade am Anfang, bis man sich an die diversen Namenskonstellationen gewöhnt
hat, sehr hilfreich ist.
Als Sprecher liefern große Namen auch große
Leistungen ab: Johanna von Koczian glänzt neben Hansjörg Felmy in der
Titelrolle. Auch Erzähler Walter-Andreas Schwarz kann gefallen, wenngleich sein
Part, aufgrund der vielen Einschübe in die Dialoge, etwas undankbar
ist.
Das Hörspiel bietet vielleicht keinen Ersatz für die
Originalvorlage, aber es zeigt zumindest welche Qualität in dieser Geschichte
enthalten ist. Auch wenn oder gerade weil, man sich hier nur weitestgehend auf
den Hauptplot konzentriert, kann die Geschichte den Hörer recht gut und
ansprechend unterhalten.
|
|