Anne in Four Winds

Hörspiel von Marc Gruppe nach L. M. Montgomery
Regie: Marc Gruppe und Stephan Bosenius
Titania Medien 2010

Mit:
Lutz Mackensy, Marie Bierstedt, Simon Jäger, Dagmar von Kurmin, Hasso Zorn, Ulrike Möckel, Melanie Pukaß, Axel Malzacher, Marianne Lutz und Andreas Mannkopff u. a.
Folge 17: Ein neues Zuhause

Anne Shirley steckt mitten in den Vorbereitungen für ihre romantische Hochzeit mit Gilbert Blythe im Obstgarten von Green Gables. Es wird leider der letzte Sommer für die beiden in ihrem Heimatort Avonlea sein, denn ein Umzug nach Four Winds steht nach der Hochzeit an. Dort wird Gilbert die Landarzt-Praxis seines Onkels übernehmen…

72 Min.
Folge 18: In guten wie in schlechten Zeiten

Anne und Gilbert freunden sich immer mehr mit ihren neuen Nachbarn in Four Winds an. Miss Cornelia entpuppt sich dabei als grundgute Seele und Captain Jim, der Leuchtturmwärter, als großer Geschichtenerzähler. Nur die Bewohner des Hauses am Bach, die Moores, scheinen sich vor den Neuankömmlingen zu verstecken. Anne wittert ein Geheimnis und liegt damit gar nicht so falsch…

64 Min.
Folge 19: Verwirrung der Gefühle

Annes Freundschaft mit ihrer schönen Nachbarin Leslie Moore ist und bleibt schwierig. Erst ein schwerer Schicksalsschlag bringt die beiden einander endlich näher. Für zusätzliche Aufregung sorgt ein Sommergast: der Schriftsteller Owen Ford. Alle Bewohner des Traumhauses sind begeistert von dem netten jungen Mann, aber nicht nur sie…

62 Min.
Folge 20: Ein neuer Anfang

Eine neuartige Operationsmethode könnte Dick Moore helfen, sein Gedächtnis zurück zu erlangen. Anne ist außer sich vor Zorn als Gilbert ihr davon erzählt. Die Ehe der beiden wird auf eine harte Probe gestellt und auch die Freundschaft mit ihren Nachbarn ist bedroht. Wird Leslie einwilligen ihren Mann operieren zu lassen…?

54 Min.
Bemerkungen: Mit der Vertonung von "Anne in Four Winds" schließt Titania Medien die Serie um Anne Shirley ab, obwohl es noch weitere Buchvorlagen gäbe. Die Wahl, den Schlussstrich an dieser Stelle zu ziehen, ist allerdings nachvollziehbar, da sich hier der Bogen mit der Hochzeit von Anne und der Gründung der eigenen Familie schließt.

Gleich in der ersten Episode dieses Vierteilers steht dann auch die Heirat mit Gilbert Blythe an. Allein die Hochzeit hätte einiges an Potential, das man in einer solchen Serie ausreizen könnte. Diesbezüglich hält man sich ein wenig zurück, hier stehen tatsächlich die Vorbereitungen und das Drumherum mehr im Fokus, als der eigentliche Anlass selbst.

Dafür bringt man aber noch den Umzug nach Four Winds unter und kann zumindest schon mal die interessanten Charaktere vorstellen oder zumindest ansprechen, die die nächsten Episoden beleben werden. Die Figuren bleiben überschaubar und beschränken sich im Wesentlichen auf drei Personen - die merkwürdige Miss Cornelia, der liebenswürdige und erzählfreudige Leuchtturmwärter und Ex-Kapitän Jim und die geheimnisvolle Leslie Moore. Alle drei schieben sich ins Herz von Anne Blithy und damit auch in das der Hörer.  Das geht bei Miss Cornelia und Captain Jim sehr schnell, bei Leslie Moore dauert es, da ihr persönliches Schicksal nur schwer mit dem Glück von Anne vereinbar ist.

Dennoch gibt gerade diese Hürde der ansonsten recht einfach fließenden Geschichte die nötige Tiefe. Eine Wendung nimmt das Ganze erst, als das erste Kind von Anne und Gilbert kurz nach der Geburt stirbt, und sich so erstmals Risse in der heilen Welt einstellen. Dieser Schicksalsschlag sorgt letztlich dafür, dass auch Anne und Leslie beste Freundinnen werden.

Aber auch das Schicksal Leslies, deren Mann, den sie heiraten musste, seit Jahren eine Behinderung hat und nur noch vor sich hinvegetiert, muss natürlich auch noch geklärt werden. Zumal Leslie und Owen Ford plötzlich mehr als Freundschaft verbindet, was die Situation richtig prekär macht. Natürlich findet sich auch ein Happy End, das tatsächlich auch mal ziemlich  überrascht.

Überhaupt badet das Finale in großer Harmonie. Selbst der Todesfall - bei dem selbst der Zeitpunkt sehr vorhersehbar ist - ist so positiv besetzt, dass dadurch bestenfalls nur ein Hauch von Trübsal die Idylle stört. Dieser Abschluss der Serie ist so, wie er für eine Geschichte dieser Art sein muss: Überbordendes Glück, alle Töpfe finden die Deckel...und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute. Das ist fast schon zuviel des Guten - aber wenn eine Reihe so tief im Kitsch baden darf, dann ist es eben Anne.

Zwanzig Folgen in fünf Staffeln - so lange durften die Hörer die Protagonistin von der kleinen Göre bis zur liebenswürdigen Arztgattin und Mutter begleiten. Man litt mit ihr, freute sich mit ihr und hätte ihr sogar auch das ein oder andere Mal motivierend in den Hintern treten können.
Anne ist aufgrund der schönen Geschichte und der stets sehr adäquaten Produktion, sicherlich nicht nur mir ans Herz gewachsen. Nun ist also die letzte Gelegenheit, nochmal alle Beteiligten in den Himmel zu loben. Angefangen bei den Sprechern, die auch über die lange Handlungszeit von 17 Jahren stets den perfekten Ton getroffen haben - allen voran Marie Bierstedt, die uns die Hauptfigur erst so liebenswert gemacht hat.
Viel Lob gebührt auch den Machern, Marc Gruppe und Stephan Bosenius, die den Stoff für das Hörspiel entdeckt haben und denen es gelang, die Serie mit stets gleichbleibend hoher Qualität unterhaltsam zu erzählen.

Die Serie hat es geschafft, auch viele derjenigen zu begeistern, denen der Stoff thematisch per se nicht lag. Das gelingt nicht vielen und daher kann ich  - leider nun zum letzten Mal - diese Hörspiele auch denjenigen empfehlen, die sich hier auf den ersten Blick gar nicht angesprochen fühlen.

Meine Wertung: + + + +

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