Apocalypse Goa

Von Christian Lerch

Regie: Martin Zylka
WDR 2010
54 Min.



Hypnotisch treiben die pulsierenden Melodien und Rhythmen die Tanzenden am Strand in den nächsten Sonnenaufgang. Seit Jahrzehnten bedeutet eine Reise nach Goa für junge israelische Männer und Frauen das Ende ihres Militärdienstes. Sie versuchen dort mental abzurüsten, unterstützt von LSD, Marihuana und psychoaktiven Pillen.
 
Seit Generationen gehören Gewalt, Terror und Krieg in Israel zum Erwachsenwerden dazu. Bis zu sechsunddreißig Monate müssen Israeli in der Armee verbringen, oft direkt an den Fronten in Gaza oder an der Grenze zum Libanon. Die schrecklichen Erfahrungen des Einsatzes nehmen sie mit nach Goa. Für viele wird der Aufenthalt unter Palmen zum Höllentrip und endet in einer psychiatrischen Klinik vor Ort, betrieben vom israelischen Staat. Ihr Krieg geht im Paradies weiter.

Christian Lerch, 1978 geboren, ist Autor von Features, Musikdokumentationen und Reportagen. Er lebt als Kosmopolit in Wien.


Bemerkungen:

Christian Lerch beschreibt in dieser Collage sehr eindrucksvoll, wie der Krieg die Menschen und ihre Zukunft prägt. So unterschiedlich die Verdrängungs- und Verarbeitungsmechanismen, so gleichförmig sind doch letztlich die Schicksale, die fast immer von traumatischen Ereignissen geprägt sind.
"Apocalypse Goa" ist ein hörenswertes Feature, dass darstellt und nur im Allgemeinen wertet. Über die Spieldauer hinweg kommen immer wieder interessante Aspekte, allerdings hätte man hier für meinen Geschmack sich auf einige Akzente beschränken, und die Produktion so etwas straffen können. Es gelingt in dieser Breite nicht, das Hörinteresse dauerhaft aufrecht zu erhalten, was der Botschaft letztlich mehr schadet, als nützt.

So bleibt es, trotz guter Idee und einigen interessanten Anteilen, doch in der Gesamtheit leider etwas schaler, als es das Thema verdient hätte.

Meine Wertung: + +

 
Zur Startseite