Pellegrini: Ingo Hülsmann
Anneda: Werner Wölbern
Brianese: Matthias Habich
Roberta: Deborah Kaufmann
Luca / Radiosprecher: Luca Zamperoni
Die Witwe: Angelika Bartsch
Commandante: Matthias Ponnier
Elsa: Caroline Schreiber
Sergio: Michael Wittenborn
Wächter: Axel Häfner
Anwalt: Andreas Grothgar
Verkäuferin: Isabela Archan
Boss: Thomas Balou Martin
Flora: Edda Fischer
Ladeninhaber: Gregor Höppner
Restaurantinhaber: Vittorio Alfieri
Alexia: Alexandra von Schwerin
Luana: Prikko Marie-Luise Cremer
Romo: Ivan Robert
Franzisca: Janina Sachau
Formaggio: Dustin Semmelrogge
Don Agostino: Horst Mendroch
Nena: Helga Uthmann
Nicoletta: Anja Lais
Gäste: Andras Grötzinger, Jochen Langner
Vater: Sigo Lorfeo
Reginie: Chantal Schlicht
Polizist: Andreas Laurenz Maier
Slovenin: Isabel Mascarenhas
Staaatsanwalt: Walter Gontermann
Inhalt:
1977 – das Jahr des deutschen Terrors.
Doch auch Italien erlebte
Ende der 70er-Jahre eine Welle linksextremistischer Gewalt –
es
kam zu einer Serie von Bombenanschlägen,
Entführungen,
Ermordungen. 1977 – Massimo Carlottos zwiespältiger
Held
Giorgio Pellegrini bewegt sich als Mitläufer im
linksterroristischen Untergrund. Als ihm das Pflaster in Italien zu
heiß wird, flüchtet er nach Mittelamerika zu einer
revolutionären Befreiungsarmee. Doch bald hat er die Schnauze
voll
vom Guerillakampf und den linken Idealen. Er kehrt nach Italien
zurück und stellt sich der Justiz – um gegen
Vergünstigungen seine ehemaligen Genossen zu erpressen. Das
erspart ihm die Verurteilung zu lebenslänglicher Haft. Nach
ein
paar Jahren Gefängnis hat er nur noch ein Ziel: ein
respektables
Mitglied der Gesellschaft zu werden. Dass dazu die gleiche
Skrupellosigkeit notwendig ist wie im Untergrund, hat er schnell
gelernt. In der zynischen und korrupten Welt der neuen
Bürgerlichkeit gibt es für Pellegrini nur ein Mittel,
sich
Respekt zu verschaffen: Mord. Von den politischen Idealen seiner Jugend
ist nur noch ein grausames Zerrbild übrig. Mit allem Mitteln
möchte er in die »anständige«
Gesellschaft
zurück, steigt deshalb tiefer ins kriminelle Milieu ein und
kommt
durch einen spektakulären Coup zu sehr viel Geld. Indem er
eine
Reihe von Leuten aus terroristischen, kleinkriminellen,
mafiösen
sowie polizeilichen Kreisen zusammenbringt, strickt er an einem fatalen
Netz; ein letzter Mord, der seiner Verlobten gilt, besiegelt den
Prozess seiner Integration in die bürgerliche Welt.
Massimo Carlotto, geboren 1956 in Padua ist einer der erfolgreichsten
Schriftsteller Italiens. In den Siebzigern zu Unrecht wegen Mordes
verurteilt, floh er aus dem Gefängnis und tauchte fünf Jahre
unter. Er wurde für sechs Jahre inhaftiert und 1993 begnadigt.
Von ihm stammt auf die Vorlage zum Hörspiel "Die dunkle Unermesslichkeit des Todes". Carlotto lebt heute in Sardinien.
Bemerkungen:
Mit "Arrivederci amore
ciao" legt Massimo Carlotto eine Geschichte vor, die vor Derbheit nur
so strotzt. Sein Protagonist Pelligrini ist alles andere als ein
strahlender Held. Charkaterlich und moralisch vollkommen verroht, sucht
er stets seinen eigenen Vorteil zu ziehen. Dabei schreckt er auch vor
den den unmenschlichsten Machenschaften nicht zurück.
Pelligrini erschreckt so mehr, als er imponiert. Dass er, ungeachtet
der Spirale der Gewalt, in die er unaufhörlich sich immer weiter
verstrickt, seine Ziele nicht nur stur verfolgt, sondern sie vor allem
auch erreicht, ist faszinierend und verstörend zu gleich. Dieser
Effekt ist durch das Einfließen der eigenen Geschichte Carlottos
und der sehr glaubhaften Schilderung nochmals größer.
Das Hörspiel überzeugt aber auch wegen seiner sehr
adäquaten Umsetzung. Ingo Hülsmann gibt dem skrupellosen
Pelligrini sowohl in den erzählenden, als auch in den handelnden
Passagen ein sehr greifbares Antlitz. Trotz dessen schier unfassbarem
Verhalten, gelingt es ihm, jede Situation glaubwürdig zu
interpretieren, ohne dass die an den Tag gelegte Coolness aufgesetzt
wirken würde.
Auch im restlichen Ensemble gibt es keine Schwächen. Trotz
großer Anzahl an handelnden Figuren gelingt es, diese stets mit
einem passenden Sprecher zu besetzen. Auch wenn man sich hier kaum am
glänzenden Ingo Hülsmann vorbeispielen kann, können doch
einige Sprecher, wie zum Beispiel Thomas Balou Martin oder Andreas
Grothgar - um nur zwei zu nennen, richtig gute Akzente setzen.
Bei der Inszenierung schont man den Hörer ebensowenig wie beim
Inhalt. Selbst den brutalsten Schilderungen Carlottos schiebt man noch
eine passende Geräuschkulisse hinterher. Die eingesetzte leichte
Musik transportiert ein wenig das regionale Flair, bildet aber auch
einen guten Kontrapunkt zum derben Inhalt.
Ein Hörspiel, das mich von der ersten bis zur letzten Minute
gefesselt hat. Zwar nichts für schwache Nerven und Mägen,
aber eine absolut spannende und kurzweilige Produktion, die ich
jedem Fan von Thrillern härterer Gangart nur empfehlen kann.