Arrivederci Amore Ciao

Nach dem gleichnamigen Roman von Massimo Carlotto
Produktion: WDR/SWR 2007
Bearbeitung: Margareth Obexer
Regie:
Annette Berger
Dauer: 104 Min.


Hörprobe:

Mitwirkende:

Pellegrini: Ingo Hülsmann
Anneda: Werner Wölbern
Brianese: Matthias Habich
Roberta: Deborah Kaufmann
Luca / Radiosprecher: Luca Zamperoni
Die Witwe: Angelika Bartsch
Commandante: Matthias Ponnier
Elsa: Caroline Schreiber
Sergio: Michael Wittenborn
Wächter: Axel Häfner
Anwalt: Andreas Grothgar
Verkäuferin: Isabela Archan
Boss: Thomas Balou Martin
Flora: Edda Fischer
Ladeninhaber: Gregor Höppner
Restaurantinhaber: Vittorio Alfieri
Alexia: Alexandra von Schwerin
Luana: Prikko Marie-Luise Cremer
Romo: Ivan Robert
Franzisca: Janina Sachau
Formaggio: Dustin Semmelrogge
Don Agostino: Horst Mendroch
Nena: Helga Uthmann
Nicoletta: Anja Lais
Gäste: Andras Grötzinger, Jochen Langner
Vater: Sigo Lorfeo
Reginie: Chantal Schlicht
Polizist: Andreas Laurenz Maier
Slovenin: Isabel Mascarenhas
Staaatsanwalt: Walter Gontermann

Inhalt:

1977 – das Jahr des deutschen Terrors. Doch auch Italien erlebte Ende der 70er-Jahre eine Welle linksextremistischer Gewalt – es kam zu einer Serie von Bombenanschlägen, Entführungen, Ermordungen. 1977 – Massimo Carlottos zwiespältiger Held Giorgio Pellegrini bewegt sich als Mitläufer im linksterroristischen Untergrund. Als ihm das Pflaster in Italien zu heiß wird, flüchtet er nach Mittelamerika zu einer revolutionären Befreiungsarmee. Doch bald hat er die Schnauze voll vom Guerillakampf und den linken Idealen. Er kehrt nach Italien zurück und stellt sich der Justiz – um gegen Vergünstigungen seine ehemaligen Genossen zu erpressen. Das erspart ihm die Verurteilung zu lebenslänglicher Haft. Nach ein paar Jahren Gefängnis hat er nur noch ein Ziel: ein respektables Mitglied der Gesellschaft zu werden. Dass dazu die gleiche Skrupellosigkeit notwendig ist wie im Untergrund, hat er schnell gelernt. In der zynischen und korrupten Welt der neuen Bürgerlichkeit gibt es für Pellegrini nur ein Mittel, sich Respekt zu verschaffen: Mord. Von den politischen Idealen seiner Jugend ist nur noch ein grausames Zerrbild übrig. Mit allem Mitteln möchte er in die »anständige« Gesellschaft zurück, steigt deshalb tiefer ins kriminelle Milieu ein und kommt durch einen spektakulären Coup zu sehr viel Geld. Indem er eine Reihe von Leuten aus terroristischen, kleinkriminellen, mafiösen sowie polizeilichen Kreisen zusammenbringt, strickt er an einem fatalen Netz; ein letzter Mord, der seiner Verlobten gilt, besiegelt den Prozess seiner Integration in die bürgerliche Welt.


Massimo Carlotto, geboren 1956 in Padua ist einer der erfolgreichsten Schriftsteller Italiens. In den Siebzigern zu Unrecht wegen Mordes verurteilt, floh er aus dem Gefängnis und tauchte fünf Jahre unter. Er wurde für sechs Jahre inhaftiert und 1993 begnadigt.
Von ihm stammt auf die Vorlage zum Hörspiel "Die dunkle Unermesslichkeit des Todes". Carlotto lebt heute in Sardinien.
 

Bemerkungen:
Mit "Arrivederci amore ciao" legt Massimo Carlotto eine Geschichte vor, die vor Derbheit nur so strotzt. Sein Protagonist Pelligrini ist alles andere als ein strahlender Held. Charkaterlich und moralisch vollkommen verroht, sucht er stets seinen eigenen Vorteil zu ziehen. Dabei schreckt er auch vor den den unmenschlichsten Machenschaften nicht zurück.

Pelligrini erschreckt so mehr, als er imponiert. Dass er, ungeachtet der Spirale der Gewalt, in die er unaufhörlich sich immer weiter verstrickt, seine Ziele nicht nur stur verfolgt, sondern sie vor allem auch erreicht, ist faszinierend und verstörend zu gleich. Dieser Effekt ist durch das Einfließen der eigenen Geschichte Carlottos und der sehr glaubhaften Schilderung nochmals größer.

Das Hörspiel überzeugt aber auch wegen seiner sehr adäquaten Umsetzung. Ingo Hülsmann gibt dem skrupellosen Pelligrini sowohl in den erzählenden, als auch in den handelnden Passagen ein sehr greifbares Antlitz. Trotz dessen schier unfassbarem Verhalten, gelingt es ihm, jede Situation glaubwürdig zu interpretieren, ohne dass die an den Tag gelegte Coolness aufgesetzt wirken würde.

Auch im restlichen Ensemble gibt es keine Schwächen. Trotz großer Anzahl an handelnden Figuren gelingt es, diese stets mit einem passenden Sprecher zu besetzen. Auch wenn man sich hier kaum am glänzenden Ingo Hülsmann vorbeispielen kann, können doch einige Sprecher, wie zum Beispiel Thomas Balou Martin oder Andreas Grothgar - um nur zwei zu nennen, richtig gute Akzente setzen.

Bei der Inszenierung schont man den Hörer ebensowenig wie beim Inhalt. Selbst den brutalsten Schilderungen Carlottos schiebt man noch eine passende Geräuschkulisse hinterher. Die eingesetzte leichte Musik transportiert ein wenig das regionale Flair, bildet aber auch einen guten Kontrapunkt zum derben Inhalt.


Ein Hörspiel, das mich von der ersten bis zur letzten Minute gefesselt hat. Zwar nichts für schwache Nerven und Mägen, aber eine absolut spannende und kurzweilige Produktion, die ich jedem Fan von Thrillern härterer Gangart nur empfehlen kann.


   

Meine Wertung: + + + + +
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