Atemschaukel

Nach dem gleichnamigen Roman von Herta Müller
Herta Müller - hier bei der Lesung von "Atemschaukel" in der WDR-Sendung Gutenbergs Welt, Bild: WDR/dpa/Anspach
Herta Müller bei der Lesung von "Atemschaukel" in der WDR-Sendung Gutenbergs Welt, Bild: WDR/dpa/Anspach


Hörspielbearbeitung und Regie: Kai Grehn
Kai Grehn, Bild: NDR/Franziska Hauser

NDR 2010
85 Min.




Mit Alexander Fehling, Vadim Glowna, Lars Rudolph, Anton Levit, Maria Kwiatkowski, Otto Mellies, Bernd Stegemann, Uli Plessmann, Sebastian Urzendowsky, Annemone Haase, Dagmar Manzel, Tilla Kratochwil und Marko E. Weigert


Dagmar Manzel als Loni Mich, Russin, Marko E. Weigert als Zither-Lommer und Uli Plessmann als Rasierer, Bild: NDR/Franziska Hauser
Dagmar Manzel als Loni Mich, Russin, Marko E. Weigert als Zither-Lommer und Uli Plessmann als Rasierer

Vadim Glowna als Der alte Leopold Auberg, Bild: NDR/Franziska Hauser
Vadim Glowna als Der alte Leopold Auberg

Tilla Kratochwil als Trudi Pelikan, Bild: NDR/Franziska Hauser
Tilla Kratochwil als Trudi Pelikan

Uli Plessmann als Rasierer und Sebastian Urzendowsky als Albert Gion, Bild: NDR/Franziska Hauser
Uli Plessmann als Rasierer und Sebastian Urzendowsky als Albert Gion, Bild: NDR/Franziska Hauser

Bilder: NDR/Franziska Hauser


Rumänien 1945: Der Zweite Weltkrieg ist zu Ende. Die deutsche Bevölkerung lebt in Angst. "Es war 3 Uhr in der Nacht zum 15. Januar 1945, als die Patrouille mich holte. Die Kälte zog an, es waren – 15° C." So beginnt der Bericht des 17-jährigen Leopold über seine Deportation in ein Lager nach Russland. Anhand seines Lebens erzählt Herta Müller vom Schicksal der deutschen Bevölkerung in Siebenbürgen. Im Januar 1945 wurden auf Anweisung Stalins alle arbeitsfähigen Männer und Frauen deutscher Herkunft zwischen 17 und 45 Jahren, die in Rumänien lebten, in sowjetische Arbeitslager deportiert. Viele kamen dabei ums Leben.

Was Leopold während seiner fünfjährigen Haft erlebt, erinnert an Berichte aus deutschen Konzentrationslagern oder an die Beschreibungen Alexander Solschenizyns in "Der Archipel Gulag". Leopold erzählt vom Hunger, der Kälte, dem Grauen sowie von seinen Überlebenstechniken vor allem durch die Sprache und die Kraft der Imagination. Den Stoff für ihren jüngsten Roman (2009) hatte die Autorin zusammen mit dem rumäniendeutschen Lyriker und Büchner- Preisträger Oskar Pastior konzipiert, der 2006 verstarb.
Die Autorin

Herta Müller, 1953 in Nitzkydorf/Rumänien geboren, lebt seit 1987 als Schriftstellerin in Berlin. 1984 erschien in der Bundesrepublik in unzensierter Form ihr erstes Buch "Niederungen". 1989 - 2001 Gastprofessuren in England, Amerika, der Schweiz und Deutschland. 2009 erhielt Herta Müller mit dem "Nobelpreis für Literatur" die weltweit bedeutendste literarische Auszeichnung.  Die Autorin zeichne - so die Stockholmer Akademie in ihrer Begründung zur Preisvergabe - "mittels Verdichtung der Poesie und Sachlichkeit der Prosa Landschaften der Heimatlosigkeit".

Bereits vor der Verleihung des "Literaturnobelpreises 2009" hatte Herta Müller zahlreiche Auszeichnungen erhalten, unter anderem den "Kleist-Preis", den "Joseph-Breitbach-Preis", den "Würth-Preis für Europäische Literatur", den "Walter-Hasenclever-Literaturpreis" und den "Franz- Werfel-Menschenrechtspreis 2009 ". Seit 1995 ist sie Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung.


Bemerkungen:

Herta Müllers ausgezeichnetes Werk gibt es, neben der reinen Lesung, auch als Hörspielfassung. Der NDR hat Kai Grehn mit der Umsetzung des Stoffes beauftragt - eine Aufgabe, die er sehr werkgetreu löst. Es gelingt ihm hervorragend, die Stimmung, das Grauen und auch das Fesselnde der Vorlage in die Hörfassung zu transportieren.
Allerdings bedingt dies auch, dass man hier nicht ein Hörspiel im klassischen Sinne erhält, das durchgehend auf eine Dialogbearbeitung setzt. Hier mischt man diese in Erzählstrecken, was der Umsetzung eher den Hauch einer inszenierten Lesung gibt.

Der Bearbeitung gelingt es so, viel der Sprache Herta Müllers in den Text zu retten und trotzdem auch einige Bereiche in der Kulisse und über die Art der Inszenierung zu transportieren.

Herta Müllers Stück bewegt, es fasziniert in seiner klaren und schnörkellosen Darstellung. Der Umsetzung gelingt es, mehr als eine bloße Wiedergabe der Vorlage zu sein, sie schafft eine Eigenständigkeit, ohne sich vor das Werk selbst stellen zu wollen.

Meine Wertung: + + + +

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