| Bach von Werner Fritsch Musik: Franz Hummel Regie: Werner Fritsch SWR 2010 54 Minuten Mit Michael Altmann, Brigitte Karner, Peter Simonischek, Jennifer Minetti, Herbert Fritsch, Robert Besta, Angela Winkler, Peter Brombacher, Hans Diehl ![]() Regisseur und Autor Werner Fritsch (li.) und Michael Altmann ![]() Musik: Franz Hummel und Judith Fritsch Bilder: SWR/Monika Maier Dieses Hörspiel umkreist Ereignisse der Familiengeschichte des Autors: Allerheiligen auf Allerseelen 1945 wurden seine Großeltern von ehemaligen KZ-Häftlingen, die sich darauf verlegt hatten, alleinstehende Bauernhöfe zu überfallen, vor den Augen ihrer Kinder ermordet. Der Vater des Autors hat buchstäblich bis zur Stunde seines Todes darunter gelitten. Ihm ist »BACH« gewidmet. Augenblicke deutscher Geschichte am Beispiel eines Bauernhofes mit Sägewerk und Mühle werden erzählt: Vom 1870er Krieg bis zur Gegenwart, dem Sterbebett des Vaters. Aber auch das Schicksal der KZ-Häftlinge, die zu Raubmördern wurden, wird beleuchtet: deren Deportation, die Qualen im Konzentrationslager, die Hinrichtungen. Werner Fritsch, geboren 1960 in Waldsassen/Oberpfalz, lebt als Schriftsteller und Hörspielautor in Hendelmühle und Berlin. 1987 erscheint sein vielbeachteter Roman »Cherubim«. Zu seinen zahlreichen Stücken gehören »Hydra«, »Krieg« und »Wondreber Totentanz« oder auch die Monologe »Sense«, »Jenseits«, »Nico« und »Das Rad des Glücks«, die auf der Bühne, für den Rundfunk oder fürs Kino realisiert wurden. Seine Arbeiten wurden u. a. mit dem Robert-Walser-Preis 1987, dem Hörspielpreis der Kriegsblinden 1993 und dem Else-Lasker-Schüler-Preis 1997 ausgezeichnet. Das Hörspiel »Enigma Emmy Göring« wurde Hörspiel des Jahres 2006 und erhielt den ARD-Hörspielpreis. Bemerkungen: Das Hörspiel von Werner Fritsch erzählt hier seine Familiengeschichte, die am Sterbebett des Vaters resümiert wird. Dieser hat in seiner Jugend den Tod seiner Eltern erleben müssen. Die Täter waren aber auch Opfer - ehemalige KZ-Häftlinge, die den Holocaust überlebt hatten. Alle kommen zu Wort, jede Figur schildert ihre Motive und Erlebnisse. Dies geschieht in sehr ruhig gesetzten Monologen, die ineinander verzahnt sind. Eingebettet sind sie allesamt in das Bild der ländlichen Szenerie des Bauernhofs an einem Bach. Musikalisch wird das sowohl von den Kompositionen Franz Hummels als auch von Variationen alter Vokslieder getragen. Das Spiel der Sprecher ist sehr zurückhaltend, bleibt aber immer sehr emotional und bewegend. Insgesamt ist die Produktion in der Inszenierung stimmig. Der Hörer muss allerdings ein wenig Motivation und Geduld mitbringen, denn es braucht ein wenig, bis die Geschichte greift und man die zurückhaltende Art der Darstellung akzeptiert. Für die Prämissen, die der Autor an das Stück stellt, ist die gewählte Inszenierung jedenfalls stimmig. Meine Wertung: + + + |
||
![]() |
||