Bei uns in Auschwitz

Nach der gleichnamigen Erzählung von Tadeusz Borowski
Aus dem Polnischen von Friedrich Griese

Soundrecording, Bearbeitung und Regie: Kai Grehn
rbb/RB 2008
55 Min.


Tadeusz: Vincent Leittersdorf
Maria: Patrycia Ziolkowska
Abramek: Otto Mellies
Witek: Andres Schmidt
Häftling 27 000:Sven Plathe
u. a.



Zwölf Häftlinge aus Auschwitz-Birkenau werden im drei Kilometer entfernten Stammlager zu Krankenpflegern ausgebildet. Unter ihnen Tadeusz, eigentlich Literaturstudent. Er soll lernen, wie man steril eine Blinddarmoperation durchführt und Phlegmonen behandelt, um seine Mithäftlinge zu heilen und die Sterblichkeit im Lager zu senken. Alltag in Auschwitz. In den Briefen an seine Freundin Maria, die im Frauenlager in Birkenau verblieben ist, berichtet Tadeusz von diesem Alltag. Er schreibt über den Blick aus dem Fenster, von dem aus man das „Kremo“ nicht sieht. Über Boxkämpfe und Orchesterkonzerte, über den Kampf um die Habseligkeiten der neu angekommenen Häftlinge, über das Lagerbordell und über den Tauschhandel. In seinen Briefen hält er Zwiesprache mit der Geliebten und nutzt die Sprache als Möglichkeit, in dem Wahnsinn des Lageralltags seelisch zu überleben. „… verlier nicht den Mut, wenn es Dir schlecht geht. Denn von diesem Lager, dieser Zeit des Betruges werden wir vielleicht einmal den Lebenden Bericht erstatten und die Toten verteidigen müssen.“

Für seine Inszenierung begab sich Kai Grehn auf  Soundrecherchen in die Gedenkstätten Auschwitz und Auschwitz-Birkenau.


Bemerkungen:

Die Schilderungen Borowskis gehören zu den wichtigsten literarischen Zeugnissen des Holocaust. Er erzählt mit großer Nüchternheit über die Schrecken und lässt diese damit besonders eindringlich wirken. Gerade die unterdrückte Emotionalität machen das Stück einzigartig und verleihen dem Text eine erschreckende Wahrhaftigkeit.

Die Umsetzung kann mich hingegen nur bedingt überzeugen. Man bricht den Monolog auf, was allerdings nicht dazu führt, dass hier zusätzliche interessante Aspekte der Inszenierung hörbar werden. Auch die Mühe, Original-Geräusche aus dem Lager Auschwitz aufzunehmen und zu verwenden, verpufft. Das würde vielleicht mit Bildern funktionieren, als reine Klänge fehlt sowohl die Aussagekraft, auch der Bezug zum Text lässt sich nur bedingt herstellen. 


Ein Hörspiel, das den bewegenden Inhalt leider nicht adäquat transportieren kann. Es genügt für ein "gut", aber man hat den Eindruck, dass hier deutlich mehr möglich gewesen wäre.


Meine Wertung: + + + 


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