Birding Babylon

Hörspiel nach dem Tagebuch von Jonathan Trouern-Trend
aus dem amerikanischen Englisch von Robin Detje

Hörspielbearbeitung: Marcel Beyer
Regie: Iris Drögekamp
SWR/NDR 2009
77 Min.



mit Michael Rotschofp, Ben Saad Slaheddine, Mark Rossmann, Aljoscha Stadelmann, Jonas Fürstenau, Isabella Bartdorff


Mark Rossmann, Devid Striesow und Slaheddine Ben Saad (v.l.n.r)
Bild: SWR/Peter A. Schmidt
Bild: SWR/Peter A. Schmidt


Als Jonathan Trouern-Trend, Mitglied einer US-amerikanischen Sanitätseinheit, studierter Biologe und seit seiner Jugend leidenschaftlicher Vogelbeobachter, im Februar 2004 in den Irak abkommandiert wird, beschließt er, ein jedermann zugängliches Internet-Tagebuch zu führen, das über die fremde Tier- und Pflanzenwelt Auskunft geben soll. Die Einträge in »Birding Babylon« werden zu Lebenszeichen eines Naturforschers in Uniform. Wann immer er neben seinen Armeeeinsätzen Zeit findet, beobachtet er Vögel; nahe Bagdad, in Mosul, am Tigris und in den Ruinen von Babylon, bunt gefiederte Eisvögel und Turmfalken in Schutthaufen. Und die oft nur kurzen, während der knappen dienstfreien Minuten notierten Einträge haben in ihrer Beharrlichkeit, Präzision und Ruhe etwas Bestürzendes, und »wir begreifen, dass für den Autor in der Auseinandersetzung mit der Natur eine existentielle Notwendigkeit liegt; ... Die kontinuierliche Naturbeobachtung wird als zivilisatorischer Akt erkennbar, während ringsum die Grenze zwischen Zivilisation und Barbarei verwischt.« (Marcel Beyer)

Birding Babylon zeigt ein Land im Krieg, wie wir es nie kennen gelernt haben. Gegen Ende seiner Einsatzzeit notiert Trouern-Trend zusammenfassend: »Ich hoffe, ich werde eines Tages in den Irak zurückkehren, nur mit Fernglas und Kamera bewaffnet … Vielleicht werde ich mit einem irakischen Freund die Wüste abfahren, die Flusstäler, die Marschen und die Berge, auf der Suche nach Vögeln, die ich noch nicht gesehen habe. Wir werden darüber sprechen, wie herrlich es ist, ohne Zäune zu leben und dorthin zu gehen, wo die Vögel sind …Wie nah oder fern diese Zukunft auch sein mag, ich weiß, die Vögel werden warten.«

Jonathan Trouern-Trend
geboren 1968 in Boston/Massachusets, studierte an der University of Connecticut Biologie. Als Nationalgardist und First Class Sergeant diente er im 118. Medizinischen Feldversorgungsbataillon der Amerikanischen Armee im Irak. Heute arbeitet er für das Rote Kreuz und lebt mit seiner Familie in Marlborough/Connecticut.


Bemekrungen:

Der Autor schreibt mit Fokus auf die Ornothologie beinahe beiläufig über den Krieg am Golf. Immer wieder finden sich einzelne Sequenzen eingebettet in die Betrachtungen zur Vogelwelt des Irak. An der klaren wissenschaftlichen Aufarbeitung wirken die militärischen Anteile nahezu grotesk. Dennoch bleibt mir die Aussage hier etwas zu unkonkret. Dazu kommt, das sich über die lange Spieldauer kaum neue Aspekte ergeben. Es wirkt wie so oft: Eine gute Grundidee, die (zu) weit ausgewalzt wird.

Bei der Darstellung hält man das Format des Tagebuchs ein, fügt diesen aber kurze Spielsequenzen und Geräusche bei, die das Vorgetragene verdeutlichen sollen. Dennoch handelt es sich hier nicht um ein Hörspiel im klassischen Sinne - akustisch aufgearbeitete Lesung trifft es eher.

Als "Ich-Erzähler" fungiert Michael Rotschopf, der die einzelnen Passagen zum Teil mit einer gelungenen Mischung aus Leidenschaft und wissenschaftlicher Gradlinigkeit vorträgt - Eine gute Leistung.

Ein Hörspiel, das einen Krieg auf ungewöhnliche Weise beschreibt. Kein flammender Appell, aber eine begreifbare Gegenüberstellung zwei unterschiedlichster Welten. Allerdings reicht dieser Aspekt nur bedingt, um die Spieldauer durchweg interessant zu machen. Hier hätte es durchaus auch ein wenig dichter sein dürfen.

Meine Wertung: + +
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