| Bloody Mary von Jean Vautrin aus dem Französischen von Marie Luise Knott Bearbeitung und Regie: Matthias Kunkel WDR 1996 52 Min. Mit: Jean Yves Grandvallet: Konstantin Graudus Rose-Mammy: Almut Zilcher Victoire Grandvallet: Christin Marquitan Sam Schneider: Thomas Anzenhofer France Schneider: Jele Brückner Kommissar Bellanger: Wolfgang Forester Maillard: Viktor Neumann Caillevert: Alexander Grill Maxence Reig: Thomas Lang Vogel, Brigadier: Frank Jordan Feuerwehrmann: Josef Tratnik Gendarm: Gregor Höppner Eine Trabantenstadt im Großraum Paris. Jean-Yves Grandvallet, ein 18-jähriger Rekrut aus der Banlieue, läuft Amok. Sein Feldwebel, der brutale Menschenschinder und schwule Sadist Reig, hat ihn bis aufs Messer gereizt. Jean-Yves Grandvallet lockt ihn in die Bahnhofstoilette und jagt ihn in die Luft. Inspektor Schneider wird mit dem Fall beauftragt. Sam Schneider hat ständig Probleme mit Bloody Mary, seiner neurotischen Frau, muss seinen gehassten Chef vertreten und sich zusätzlich noch mit einem lästigen Routinefall herumschlagen. Kollege Caillevert ist ihm auch keine große Unterstützung dabei. Im Gegenteil, er kommt ja nicht einmal mit dem Leben davon. Auch Sam dreht durch. Und Jean-Yves Grandvallet entschärft Granate Nr. 2. Jean Vautrin, geboren 1933 in Pagny-sur-Moselle, war zuerst unter dem Pseudonym Jean Herman als Regisseur tätig und schreibt seit vielen Jahren Krimis. 1980 erhielt er den höchsten französischen Krimipreis, den Prix Mystère de la Critique. Bemerkungen: Es gibt Hörspiele, bei denen möchte man nach fünf Minuten schon wieder aussteigen - "Bloody Mary" gehört dazu. Drei Anläufe habe ich gebraucht, bis die Geschichte mich dann endlich gepackt hat. Ich darf sagen: Das Festbeißen hat sich letztlich gelohnt! Die Geschichte, die Jean Vauttin hier erzählt, ist genauso originell wie derbe und drastisch. Der Autor spielt hier recht gezielt mit überzogenen Details und würzt so den Plot, dass es fast schon zuviel ist. Die Darstellung ist indes schwierig, da man hier auf einen separaten Erzähler verzichtet und der Hörer sich die Geschichte aus den Dialogen erst erschließen muss. Da es hier keine wirklich "normal tickende" Figur gibt, ist das eine wirkliche Herausforderung. Ähnliches gilt für die Sprecher, die es hier nicht wirklich leicht haben, die seltsamenen Charaktere darzustellen. Überzeugen können hier vor allem Konstantin Graudus und Jele Brückner. Matthias Kunkel hat zwar diesen Thriller sehr adäquat umgesetzt, nimmt aber eben nur wenig Rücksicht auf den Hörer. Der weiß leider erst am Ende, dass er gerade einer erstklassigen Geschichte lauschen durfte. Hoffentlich ist das Radio dann noch an.... Die Story hätte zwar eine deutlich bessere Wertung verdient, da es aber die Inszenierung dem Hörer unnötig schwer macht, gibt es einen Wertungspunkt weniger. |
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