Briefe aus New York

Von Edith Anderson

Musik: Tilo Müller-Medek
Regie: Günther Rücker
Rundfunk der DDR 1974
57 Min.


Mit: Inge Keller, Ingeborg Nass, Hans Teuscher, Wilfried Ortmann, Marion van de Kamp, Fred Düren, Jessy Rameik u.a.

Als eine Mittlerin zwischen den einstigen Ost-West-Blöcken erweist sich die US-amerikanisch-deutsche Autorin Edith Anderson im Rückblick. Nach dem Zweiten Weltkrieg folgte sie ihrem Mann nach Deutschland, in die Sowjetisch Besetzte Zone. In der DDR wurde sie unter anderem mit dem Amerikabuch »Der Beobachter sieht nichts. Ein Tagebuch zweier Welten« bekannt. In ihrem Hörspiel »Briefe aus New York« nimmt die Protagonistin Irene Shell, die vor 20 Jahren aus den USA nach Ostdeutschland auswanderte, ein Schiff nach New York. Denn: »Die Liebe zu Amerika versiegt nicht, sie quält.« Ein Jahr möchte sie in der alten Heimat leben. Sie macht sich auf die Suche nach einem Job und erzählt in Briefen an ihren Mann von den Begegnungen mit früheren Freunden, von unseriösen Arbeitsagenturen und dem rauen Alltag in der Metropole. 1974 im Rundfunk der DDR mit akustischer Kapitalismuskritik produziert, erinnert dieses Hörspiel an den Blick von Ost nach West, der bei Edith Anderson frei von ideologischer Verhärtung war.

Edith Anderson, (1915–1999) geboren in den USA, gestorben in Ost-Berlin, USamerikanisch-deutsche Journalistin, Schriftstellerin und Übersetzerin. Sie folgte 1946 ihrem Mann Max Schroeder, dem späteren Cheflektor des Aufbau Verlags, von New York nach Ost-Berlin. Als immigrierte Kommunistin setzte sie sich dort kritisch mit dem sozialistischen Kulturleben und ihrer eigenen Vergangenheit auseinander. Sie veröffentlichte u. a. die Romane »Gelbes Licht« (1956), »Leckerbissen für Dr. Faustus« (1966), »Der Beobachter sieht nichts. Ein Tagebuch zweier Welten« (1972) und die Autobiografie »Leben im Exil«.


 
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