Bullivants Match oder Brachvogel im Herbst
Von Edward Boyd

Übersetzung aus dem Englischen: Hubert von Bechtolsheim
Regie: Peter Michel Ladiges
Südwestfunk 1986
142 Min.


Peter Calman: Matthias Ponnier
Magda von Schellenberg: Marianne Mosa
Der alte Hansford: Wolfgang Preiss
Jenny Oliver: Nina Danzeisen
Jesaja Dunsmore: Christian Brückner
Monika Hessenberg, Horst Hildebrand, Rainer Laupichler, Alfred Querbach, Christine Schulz, Klaus Spürkel, Hans-Edgar Stecher, Iris Eick, Alois Garg, Charles Wirths, Gerd Andresen, Michael Thomas, Robert Rathke, Willi Schneider, Hans Wyprächtiger


Schottland hat mehr zu bieten als Loch Lommond und Whisky. Das denkt sich auch Peter Calman. Da dessen Kanzlei eher schleppend läuft, begibt er sich auf neue berufliche Wege und ermittelt im Fall eines verschwundenen Einsiedlers.

Peter Calman ist Anwalt und seit Längerem ohne Klienten. Bald geht in der schottischen Kleinstadt das Gerücht um, dass seine Kanzlei vor der Pleite steht. Also hat Peter Zeit, seiner früheren Freundin und zeitweiligen Geliebten, der kessen Jenny Oliver, bei ihrer Suche nach ihrem alten Freund Tim Leighton zu helfen. Er soll sich angeblich im Spenser-Watson-Memorial-Hospital aufhalten, einer der teuersten Privatkliniken weit und breit. Was könnte Tim, einen armen Einsiedler, der am Strand in einer Höhle hauste und sich vorwiegend von Algen ernährt, in diesen "goldenen Pillenpalast" verschlagen haben?
In der Klinik wird Tim verleugnet, doch zu Hause hat Calman eine mysteriöse Nachricht auf seinem Anrufbeantworter: auf Gälisch.

Schlagartig verändert sich Peter Calmans Finanzlage. Eine gewisse Magda von Schellenberg aus New York hat ihm eine Million Pfund überwiesen, damit er im leer stehenden Nocture-Cottage einen "Tempel des Friedens" einrichtet - zu Ehren zweier Männer, die im Zweiten Weltkrieg Menschlichkeit bewiesen: Magdas Vater und Peters Onkel. Gleichzeitig ist Krankenschwester Nicholson vom Spenser-Watson-Memorial-Hospital, die sich heimlich mit Calman treffen wollte, einem tödlichen Autounfall erlegen.

Zusammen mit seinem alten Freund Sergeant Dunsmore verfolgt Calman die Spur zurück zu der dubiosen Klinik - und zu Tim Leightons Höhle am Strand.

Peter Calman und Sergeant Dunsmore bemerken bei ihrem nächtlichen Ausflug zum Strand, welche unheimliche Dinge dort in der Nähe der Atomkraftanlage vor sich gehen. Männer mit Geigerzählern sperren das Gelände ab, und es kommt zu einem unliebsamen Zusammenprall Calmans mit einem Feind aus alten Tagen: Sergeant Bullivant. Er hatte Peter dereinst bei einem legendären Footballmatch gefoult und für Jahre in den Rollstuhl gebracht. Nun stehen sich Calman und Bullivant wieder als Gegner gegenüber. Wer von ihnen entscheidet diesmal das Match?



Edward Boyd (1904-1990) schrieb zahlreiche Serien für die schottische BBC und Granada Television. 1971 erhielt er den Preis der "Writers' Guild" für die beste Radioserie. Auf Deutsch wurden seine Hörspiel-Dreiteiler zwischen 1969 und 1989 in kongenialer Übersetzung durch Marianne de Barde und Hubert von Bechtolsheim realisiert.


Bemerkungen:

Der SWR (damals noch als SWF) hat in den 70er Jahren einige Kriminalgeschichten von Edward Boyd umgesetzt. Diese Tradition hat man nach einigen Jahren Pause im Jahr 1986 mit diesem Hörspiel wieder aufleben lassen.

Leider kommt "Bullivants Match" nicht ganz an seine Vorgänger heran. Zum einen wirkt die Geschichte etwas konstruiert - die für sich genommen guten und spannenden Elemente sind im Zusammenschluss doch leider etwas sperrig. Dennoch unterhält dieser Krimi über die lange Spielzeit und dürfte - auch wenn es inhaltlich etwas moderner zugeht - Freunde von Philip Odell oder Paul Temple durchaus gefallen.

Das Flair dieser guten, alten und langen Kriminalhörspiele schafft man auch hier zu transportieren. Aber auch die ansonsten gute Umsetzung hat kleine Unschönheiten. Man bekommt hier zwar eine sehr traditionelle Inszenierung geboten, allerdings fehlt hier ein wenig an Lebendigkeit im Schauspiel. Was hier "cool" wirken soll, klingt meist ein wenig behäbig. Dazu kommt, dass man noch viele der zahlreichen humorigen Sprüche in einem recht merkwürdigem Timing bringt, was irgendwie die Pointe verpuffen lässt. Es ist allerdings nicht so, dass die Darstellung den Hörspaß verderben würde, allerdings hat man den Eindruck, dass hier durchaus mehr möglich gewesen wäre.

Das klingt jetzt alles deutlich negativer, als es tatsächlich ist, die Punkte fallen aber im Vergleich zu den richtig guten Vorgängerproduktionen schon etwas auf. Dennoch ist "Bullivants Match" ein unterhaltsamer Krimi, der trotz langer Spielzeit nie langweilig wird.

Meine Wertung: + + +

 
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