Clara

von Arthur Miller

Aus dem Amerikanischen von Volker Schlöndorff
Regie: Hans Gerd Krogmann
NDR / SWF 1990
53 Min.


Kommissar Fine: Peter Fricke
Albert Kroll: Günter Mack
Tierney, junger Polizist: Sven-Eric Bechtolf
weibliche Stimme, Clara: Katja Teichmann


Albert Kroll erwacht aus seinem Schock. Seine Tochter Clara ist tot. Da liegt ihre Leiche. Entsetzlich zugerichtet. Und die Polizei ist da. Geht in den Räumen herum. Sucht Spuren. Clara ist ermordet worden, sie, die aufopfernde Sozialarbeiterin. Kroll müsste eigentlich wissen, wer der Täter ist. Schliesslich findet er sich am Tatort vor! Aber er kann sich einfach nicht erinnern. Kommissar Fine kämpft gegen die zähe Verdrängung.





Arthur Miller gilt als wichtiger gesellschaftskritischer Dramatiker der neueren Zeit. Seine sozial- und zeitkritischen Dramen wenden sich gegen den so genannten American Way of Life, bei dem der berufliche Erfolg im Mittelpunkt steht. Miller konnte sich auch mit den Mächtigen der Politik anlegen. Die Anspielungen in seinem Stück «Hexenjagd» von 1953 auf Joseph McCarthy und dessen Kommunistenjagd brachten ihm grosse Schwierigkeiten ein. Dessen ungeachtet weigerte er sich, im Juni 1956 Namen ihm bekannter Kommunisten vor einem Untersuchungsausschuss zu nennen und wurde deswegen 1957 zu einer Gefängnisstrafe, einer Geldstrafe und zu Passentzug verurteilt. Das Urteil gegen ihn wurde jedoch 1958 aufgehoben. Arthur Miller war Mitglied der Kommunistischen Partei der USA (CPUSA). Zuletzt hatte er immer wieder Stellung gegen die US-Politik von George W. Bush bezogen. – Im Stück «Clara» von 1986 unterzog Miller seine eigene
Haltung einer kritischen Prüfung.


Arthur Miller, geboren 1915 in New York, Kind einer polnisch-jüdischen Einwandererfamilie, studierte ab 1934 Journalismus, später Anglistik. Er schrieb schon damals Stücke, die in Ann Arbor und Detroit aufgeführt wurden. 1949 erhielt er als 33jähriger bereits den Pulitzerpreis für sein Stück «Tod eines Handlungsreisenden». Millers erste Ehe ging in die Brüche als er Marilyn Monroe kennen lernte, mit der er von 1956 bis 1961 verheiratet war. In dritter Ehe schliesslich war er mit der österreichischen Photographin Inge Morath verheiratet. Miller starb 2005 in Roxbury im US-Bundesstaat Connecticut.


Bemerkungen:

"Clara" ist ein Hörspiel, in dem mühsam ein Verbrechen rekonstruiert wird. Der einzige Zeuge, Albert Kroll, kann sich an den Tathergang nicht genau erinnern.
Weniger diese Tatsache, als der Grund, warum die Erinnerung blockiert ist, steht im zentralen Blickpunkt des Hörspiels. Millers Protagonist wird von einer unbequemen Wahrheit eingeholt. Kroll, der mit großer Toleranz und dem Herz für Randgruppen durchs Leben geht, wird mit einer Wahrheit konfrontiert, die seinem Weltbild extrem entgegensteht.

Das Hörspiel braucht recht lange, um sich aufzubauen. Der Dialog zwischen Kroll und Kommissar Fine springt zwischen der Tat an sich und Krolls Leben immer hin und her. Das ist zwar nötig, um sowohl einer glaubwürdige Verhörsituation, als auch der umfassenden Darstellung der Anschauungen des Protagonisten, gerecht zu werden, ist allerdings für den Hörer zwischendurch immer etwas mühsam, da ein richtiger Spielfluss und -aufbau nicht wirklich in Bewegung kommt. Zu oft tritt die Geschichte auf der Stelle.

Insofern muss der Hörer, trotz guter schauspielerischer Leistungen von Peter Fricke und Günter Mack, ein wenig Durchhaltevermögen mitbringen.

Meine Wertung: + +



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