| Dame vor Spiegel Von Günther Rücker Auge in Auge mit sich selbst prüft eine Schauspielerin ihr Äußeres, blickt nach innen und weit zurück. Ängste, Erfolge, verdrängte Erinnerungen. Ihr Selbstgespräch ist zunächst eine Auseinandersetzung mit dem Regisseur, der sie durch eine gedankenlose Bemerkung verletzt und verstört hat. Das „böse Wort“, vielleicht nur einem Moment der Gereiztheit entsprungen, wäre von dickhäutigeren Naturen leicht wegzustecken oder zu kontern gewesen. Bei ihr setzt es Erinnerungen, Vorstellungen, Beobachtungen in Gang, löst Bilder, Vergangenes wie Gegenwärtiges, verarbeitende Assoziationen aus, die alle in der Frage münden: Wie gehen wir miteinander um? Wie gefährdet sind Kraft und Arbeitsfähigkeit eines Menschen? Woher kommen die Kälte, Gleichgültigkeit und Aggressivität, die uns heute überall umgeben, ja tödlich bedrohen. Ihre Fragen sind Forderungen an sich und die anderen. Ihre Verletzbarkeit ist keine Schwäche. Sie kommt aus der Sehnsucht nach Freundlichkeit, menschlicher Nähe und Achtung voreinander. Mit Jutta Wachowiak Komposition: Karl-Ernst Sasse Regie: der Autor Rundfunk der DDR 1982 Günther Rücker, (1924 bis 2008) war Schriftsteller, Dramatiker und Regisseur. Mit Filmen, wie „Der Fall Gleiwitz“ (1961), „Der Dritte“ (1972) und „Die Verlobte“ gehörte er zu den wichtigsten Autoren der Defa. Auch in seinen Hörspielen (u. a. „Die Grünsteinvariante“) thematisierte er die deutsche Geschichte des 20. Jahrhunderts und menschliche Schicksale in den Widersprüchen der Gegenwart. Für „Dame vor Spiegel“ erhielt er den Autorenpreis der Kritiker (DDR). |
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