Das blaue, blaue Meer

Von Nis-Momme Stockmann

Regie: Regine Ahrem
rbb 2009
55 Min.

Radio:Tipp


Darko: Milan Peschel
Bild: rbb/Hanna Lippmann

Elle: Jaecki Schwarz
Motte: Chris Pichler
Bild: rbb/Hanna Lippmann

sowie Hüseyin Ekici, Carl Heinz Choynski, Johannes Richard Völkel, Anja Scheffer, Stephan Wolf-Schönburg, Christian Gaul und Dieter Jost


Bilder: rbb/Hanna Lippmann

Eine Wohnsiedlung, Plattenbau, irgendwo am Rande der Stadt. Ein Ort der Perversionen und Verzweiflung. Ein Ort, wo man die Sterne nicht sehen kann. Ein Ort ohne Hoffnung.

Darko ist einer von vielen Verlorenen, die hier leben. Er trägt schwer an einer alten Schuld, über die er nicht hinwegkommt. Um sie irgendwie zu vergessen, säuft er sich tagtäglich das Gehirn aus dem Leib. Vergeblich. Doch dann begegnet er Motte, der Wohnsiedlungsprostituierten, deren Körper mit Narben übersät ist. Und auf einmal ist alles anders. Auf einmal gibt es Hoffnung und die Sehnsucht nach etwas ganz Anderem, etwas, das jenseits der Grenze der Wohnsiedlung liegt: das blaue, blaue Meer.


Nis-Momme Stockmann, 1981 auf Föhr geboren, studierte die Sprache und Kultur Tibets in Hamburg, Medienwissenschaften im dänischen Odense, und machte eine Ausbildung zum Koch, bevor er an der Universität der Künste Berlin den Studiengang „Szenisches Schreiben“ belegte. 2005 gewann er beim internationalen Filmfestival in Odense den 1. Preis für seinen Kurzfilm „Ignorans“. Stockmann schreibt Theaterstücke, Hörspiele, Lyrik und Prosa.


Bemerkungen:

Nis-Momme Stockmann schildert in seinem Stück das Leben aus Sicht von Darko, einem von vielen Heruntergek ommenen bzw. gleich Untengebliebenen in einem maroden Stadtviertel. Sein Leben ist hoffnungslos, zudem trägt er eine Schuld mit sich, mit der er nicht richtig fertig wird. Die Situation treibt ihn zum Selbstmord, der jedoch von Motte verhindert wird. Langsam beginnt zwischen diesen beiden vom Leben Geschundenen ein Stück Liebe, ein Stück Hoffnung zu keimen.

Der Autor schildert die Gedankengänge Darkos und konstruiert daran entlang die Geschichte. Er nimmt dabei wenig Rücksicht auf Gefälligkeit und einen packenden Aufbau, so dass der Hörer schon etwas Atem mitbringen muss, um hier in diese Welt hineinzufinden - und vor allem - auch dort bleiben zu wollen. Erst als sich im Text erste Schleier heben und Strukturen klarer werden, packt er den Hörer und zieht ihn in den Bann.

Bei der Umsetzung hätte ich mir persönlich etwas mehr Flair, ruhig auch etwas mehr Klischee in der Darstellung gewünscht. Die Interpretation der Schauspieler ist doch eine Spur zu klar, zu nüchtern angelegt. Hier hätte man doch ein paar mehr Akzente setzen sollen.
Stimmiger fand ich da schon die Musikuntermalung, die meist aus einem recht einfachen, wiederkehrenden Begleitrhythmus besteht, der schließlich auch am Ende in einen passenden Abschlusssong mündet.


Wer moderne Stücke mit leichtem - in diesem Fall sehr positiven - Hang zum Verkünstelten mag, der sollte sich den durchaus hörenswerten Text von Nis Momme Stockmann anhören, auch wenn die Inszenierung hier nicht in Gänze überzeugt.

Meine Wertung: + + +
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