| Das Geisterhaus Hörspiel in 6 Teilen nach dem gleichnamigen Roman von Isabel Allende ![]() Aus dem Spanischen von Anneliese Botond Musik: Pierre Oser Bearbeitung und Regie: Walter Adler ![]() SWR 2010 568 Min. Teil 1: Die Drei Marien Teil 2: Die Zeit der Geister Teil 3: Die Liebenden Teil 4: Die Brüder Teil 5: Die Zeit des Niedergangs Teil 6: Die Stunde der Wahrheit Hörprobe: Erzähler: Ulrich Matthes ![]() Esteban Trueba 1: Manfred Zapatka ![]() Esteban Trueba 2: Hans Michael Rehberg ![]() Férula Trueba: Susanne Lothar ![]() Alba: Lavinia Wilson ![]() Severo del Valle: Rüdiger Vogler Nivea del Valle: Corinna Kirchhoff Clara del Valle: Jana Köpke Rosa del Valle: Effi Rabsilber Nana: Irm Hermann Doktor Cuevas: Bernhard Baier Pedro Segundo Garcia: Christian Redl Tránsito Soto: Odine Johne Pater Restrepo: Andreas Grothgar Severo del Valle: Rüdiger Vogler ![]() Nivea del Valle: Corinna Kirchhoff Ester: Heidemarie Rohweder Clara: Angela Winkler ![]() Jaime: Sylvester Groth ![]() Nicolas: Andreas Pietschmann Blanca: Lena Stolze ![]() Graf de Satigny: Jaques Bachelier Pedro Tercero Garcia: Werner Wölbern Pater Antonio: Felix von Manteuffel Miguel: Sebastian Blomberg ![]() u.v.a. Bilder: SWR/Peter A. Schmidt »Das Geisterhaus« ist der Debütroman der chilenischen Schriftstellerin Isabel Allende, mit dem ihr – nachdem bereits in den 70er-Jahren Theaterstücke von ihr aufgeführt wurden – auf Anhieb ein Welterfolg gelang. Das 1982 erschienene Werk (Originaltitel: »La casa de los espíritus«) erschien 1984 in deutscher Sprache und begründete auch hierzulande die Erfolgsgeschichte der Autorin. Der dänische Regisseur und Oscarpreisträger Bille August verfilmte schließlich 1993 den internationalen Bestseller in Starbesetzung (Meryl Streep, Glenn Close, Winona Ryder, Jeremy Irons, Antonio Banderas u. a.). Nun ermöglicht eine groß angelegte 6-teilige Hörspielfassung die Wiederbegegnung mit einer Familiensaga, die im Chile der 1920er-Jahre bis hin zu den Jahren der Militärdiktatur in den 1970er-Jahren spielt. Eine Familiengeschichte, die stark autobiografische und exakte historische Bezüge aufweist. Mit Allendes Fabulierlust, die alles Erfahrbare, alles Erlebbare, alles Wahrnehmbare noch bunter, noch grotesker, noch bizarrer, komischer und trauriger werden lässt, als es auch bei einer schlichten, realistischen Beschreibung ohnehin schon wäre, enthält dieses Werk alle Ingredienzien, die es zu einem Fest fürs Ohr machen. Über vier Generationen hinweg wird die wahrlich alle Höhen und Tiefen, Himmel und Höllen durchquerende Geschichte des chilenischen Patriarchen Esteban Trueba und seiner nicht nur hell- und weitsichtigen, sondern in jeder Richtung mit übersinnlichen Fähigkeiten ausgestatteten Frau Clara aufgerollt. Die Geschichten ihrer Kinder und Kindeskinder, auch die ihrer Freunde und Anverwandten, aber auch die ihrer Gegner samt deren jeweiligen Familien und Freunden, werden in ihrer persönlichen, schicksalhaften Eingebundenheit in die wechselhafte und leidvolle politische und kulturelle Geschichte Chiles erzählend nachvollzogen. Immer scheint mit und hinter den handelnden Personen die Geschichte Chiles auf: vom konservativen Großgrundbesitzerland in den 20ern des letzten Jahrhunderts, über den Sieg der sozialistischen Linken und die kurze Zeitspanne eines linken, demokratischen Chile unter Salvador Allende (eines weitläufigen Onkels der Autorin) bis hin zum Militärputsch und der damit installierten, gnadenlos inhumanen Militärdiktatur Chiles unter Pinochet. Isabel Allende, geboren 1942 in Lima/Peru, lebt als Schriftstellerin in San Rafael/USA. Sie kehrte nach der Trennung ihrer Eltern mit ihrer Mutter und den Geschwistern Pancho und Juan aus Peru nach Chile zurück. Ihr Vater, Tomás Allende, war chilenischer Diplomat und Cousin des Präsidenten der chilenischen linken Volksfrontregierung Salvador Allende. Den größten Teil ihrer Kindheit verbrachte Isabel Allende mit den Geschwistern bei ihrer Mutter und dem Großvater in Chile. Seit ihrem 11. Lebensjahr, nach einer erneuten Heirat ihrer Mutter mit einem chilenischen Diplomaten, wurde Allende in peruanischen, libanesischen und dann wieder chilenischen Privatschulen erzogen. Von 1959-1965 arbeitete sie als Fernsehjournalistin für die FAO (die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der UN) und moderierte eine wöchentliche Fernsehsendung zur Kampagne gegen den Hunger in der Welt. Zunehmend entwickelte sich Allende zu einer engagierten Journalistin und Frauenrechtlerin. Sie war Mitbegründerin der ersten feministischen chilenischen Zeitschrift »Paula«, schrieb für die linke Volksfrontregierung ihres Onkels Salvador Allende, gab eine Kinderzeitschrift (»Mampato«) heraus und schrieb Reportagen und Beiträge für Filmzeitschriften und viele Fernsehsender. Dabei moderierte sie weiterhin die beliebte chilenische Fernsehsendung »Conversando con Isabel Allende« (Gespräch mit Isabel Allende). Daneben erschienen Kindergeschichten und zahlreiche Kurzgeschichten. 1973 dann kam es zur Uraufführung eines Theaterstücks in Santiago, ehe sie 1975 ins Exil nach Venezuela ging. Mit Werken wie »Das Geisterhaus «, »Liebe und Schatten« (1984), »Eva Luna« (1987) u. a. zählt Isabel Allende zu den international anerkannten, als »spezifisch lateinamerikanisch« gefeierten Schriftstellerinnen. Walter Adler, geboren 1947, besuchte die Schauspielschule in Bochum und arbeitete dann als Regieassistent beim Hörspiel des Südwestfunks Baden-Baden. Seit 1971 freier Autor und Regisseur, bis heute hat er über 200 Hörspiele inszeniert. Für Centropolis wurde er 1976 mit dem Hörspielpreis der Kriegsblinden ausgezeichnet. Diesen wichtigen deutschen Hörspielpreis erhielt er 1978 noch einmal für die Regie von Frühstücksgespräche in Miami. Walter Adler lebt in Köln und ist Mitglied der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste. Für den Hörverlag inszenierte er zahlreiche Produktionen, u. a. Lolita von Nabokov, Die Schandmaske von Minette Walters, das Fantasy-Epos Otherland von Tad Williams, Wolfgang Koeppens Trilogie des Scheiterns und Karl Mays Orientzyklus. |
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| Bemerkungen: Isabell Allendes Geschichte ist weit mehr als das, was man gemeinhin unter dem Begriff "Familiensaga" versteht. Sie skizziert hier Figuren, die nicht nur der Geschichte als Klischeeträger dienen, sondern sie bindet an Ihnen gesellschaftspolitische Ereignisse an. Sie zieht Verbindungen zwischen einer alten, mystischen und der neuen sehr technischen Welt. In diesem Chile im Umbruch ist die zentrale Figur Esteban Trueba, ein gnadenloser Grundbesitzer, der sein familiäres Trauma in eine Motivation zu wirtschaftlichem und politischem Erfolg wandelt. Seine Schwachstelle sind ein paar wenige Frauen, die einen extremen Einfluss haben können. Darunter auch seine Ehefrau Clara, die eine magische Ader hat, die für den Titel der Geschichte verantwortlich ist. Aus der Ehe entstammen Kinder und Enkel, während im Hintergrund sich die Geschichte Chiles ändert, was immer Einfluss auf die Familie selbst mit sich bringt. Das führt bis zum Militärputsch, der nicht nur das freie Chile, sondern auch nahezu die Familie Trueba untergehen lässt. Die durchweg spannende und interessante Geschichte wird trotz der extremlangen Spielzeit von fast neuneinhalb Stunden zu keiner Minute langweilig. Man braucht zwar ein wenig Zeit um in die ungewöhnliche Geschichte und Erzählweise hineinzufinden, danach lässt es den Hörer aber nicht mehr los. Dafür sorgt auch die sehr gelungene Inszenierung von Walter Adler. Er hat nicht nur die Romanvorlage in ein sehr eingängiges, aber dennoch anspruchsvolles Skript umgesetzt, das die wichtigsten Facetten berücksichtigt. Tragende Stütze der Umsetzung ist das großartige Ensemble. Neben dem mittlerweile zum Standarderzähler gewordenen Ulrich Matthes, ist es vor allem Manfred Zapatka der mit einer erstklassigen Performance diesem Stück seinen Stempel aufdrückt. Obwohl er von der Stimmfarbe vielleicht nicht unbedingt ins Klischee der Rolle passt, gelingt es ihm, der Figur Tiefe und vor allem Glaubwürdigkeit zu verleihen. Gerade weil diese Leistung so erstklassig ist, ist es mir ein Rätsel, warum man diese Rolle nochmals teilt und den alt geworndenen Esteban von Hans Michael Rehberg sprechen lässt. Auch diese Leistung geht zwar in Ordnung, sie ist allerdings eine reine Erzählerrolle, die sicherlich auch Manfred Zapatka gut hätte sprechen können. Durch die Aufteilung reißt man die Figur etwas auseinander. Aus dem weiteren Ensemble sollte man auf jeden Fall auch die erstklassigen Leistungen von Susanne Lothar und Irm Hermann hervorheben. Aufgrund des Umfangs war diese Produktion für den SWR das Hörspielevent des Jahres. Tatsächlich wird die Qualität dieses Hörspiels dieser Sonderstellung durchaus gerecht. Eine erstklassige Geschichte, mit einem sehr gut agierenden Ensemble packend erzählt - ohne Zweifel ein Highlight des Jahres 2010. Meine Wertung: + + + + + |
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