Das Haus

von Mark Z. Danielewski
© WDR/dpa/Frank May
© WDR/dpa/Frank May

aus dem Amerikanischen von Christa Schuenke
Bearbeitung: Thomas Böhm
Regie: Claudia Johanna Leist / Jörg Schlüter / Martin Zylka

Bild: WDR / S. Anneck
Die Regisseure für die drei Versionen des "Hauses" Claudia Johanna Leist, Jörg Schlüter und Martin Zylka (r)

WDR 2009
54 Min.



Ab Septemer 2010 auf DVD (DAV)




Zampano: Roberto Ciulli
Johnny Truant: Tom Schilling
Vorleserin/Beatrice: Camilla Renschke
Ansager: Andreas Grothgar
Thumper: Anna Thalbach
Lude: Nic Romm
Mutter: Therese Dürrenberger
Dr. Draines (Psychiater): Rainer Homann
Raymond: Matthias Redlhammer
Navidson: Wolfram Koch
Tom: Fabian Gerhardt
Karen: Sascha Icks
Holloway: Christian Redl
Jed: Marlon Kittel
Wax: Florian Seigerschmidt
Reston: Markus Scheumann
u. v. a.;


Bild: WDR/S. Anneck
Der Erzähler: Roberto Ciulli, als "Zampano"

Bild: WDR/S. Anneck
In den dunklen Gängen des Hauses (aufgenommen während der Produktion in einem alten Bunker) befreit Navidson (Wolfram Koch) Karen (Sascha Icks).

Bild: WDR / S. Anneck
In den dunklen Gängen des Hauses befreit Navidson (Wolfram Koch) seinen Freund Reston (Markus Scheumann)

Bild: WDR / S. Anneck
Wax (li. Florian Seigerschmidt) und Jed (Marlon Kittel), erkunden das "Haus"

Bild: WDR / S. Anneck
Anna Thalbach /Thumper), Tom Schilling (Johnny Truant) und Nic Romm (Lude)

Bilder: WDR/S. Anneck


Zum Making-of-Video


Das Haus-Gewinnspiel Zur Veröffentlichung verlost die Hörspiel-Gemeinschaft e. V. 20 Exemplare der DVD "Das Haus".

Dazu einfach bis zum 31.10.2010 eine Mail an kontakt@hoerspiel-gemeinschaft.de mit dem Betreff "Das Haus - Gewinnspiel" schicken.


Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.


Im Haus der Familie Navidson im amerikanischen Wisconsin tauchte Anfang Juni 1990 der Zugang zu einem schier endlosen Höhlensystem auf. Bei der Erkundung dieses Systems, das zuweilen als „Zugang zur Hölle“ interpretiert wurde, starben drei Menschen. Die Ereignisse der Expeditionen sind vielfach belegt. Für Aufsehen sorgte der vom Pulitzer-Preisträger Will Navidson selbst angefertigte Dokumentarfilm „The Navidson Record“, der nur kurz in den amerikanischen Kinos zu sehen war. Dann verschwanden alle Kopien. Im Nachlass des mysteriösen Amateur-Cinematologen „Zampano“ fanden sich Dokumente und Aufzeichnungen, die das unheimliche Phänomen im Hause Navidson analysieren und den Film detailliert rekonstruieren. Es gehört zu der tragischen Wirkungsgeschichte dieses Materials, dass ein zufälliger Finder namens Johnny Truant darüber seine psychische Gesundheit verlor.

Mark Z. Danielewski, geboren 1966 als Sohn des polnischen Filmregisseurs Tad Danielewski, lebt in Los Angeles. Mit seinem Debütroman „House of Leaves“ (2005), an dem er über zehn Jahre gearbeitet hat, schuf er das erste Kultbuch des 21. Jahrhunderts, das für Bret Easton Ellis „auf erhabene Weise unheimlich“, für Diedrich Diederichsen die postmoderne Konstruktion des „begehbaren Buchs“ ist.


Nachtrag aus der Pressemitteilung des WDR vom 6.1.2010:

WDR-Produktion „Das Haus“ zum Hörspiel des Monats gekürt

Die Akademie der Darstellenden Künste hat die WDR-Produktion „Das Haus“ von Mark Z. Danielewski in Bearbeitung von Thomas Böhm zum „Hörspiel des Monats Dezember 2009“ gewählt. Das Hörspiel wurde am 10. Dezember 2009 parallel in drei Hörfunkprogrammen (1LIVE, WDR 3, WDR 5) aus drei unterschiedlichen Perspektiven gesendet. Regie führten Claudia Johanna Leist, Jörg Schlüter und Martin Zylka, die Redaktion hatte Martina Müller-Wallraf (WDR 3).

In der Jurybegründung der Akademie der Darstellenden Künste heißt es unter anderem: „[…] Die drei beteiligten Regisseure und die Komponisten (Andreas Bick, Thom Kubli, Rainer Quade) entwickeln eine akustische Ästhetik für alles, was da lockt und droht. […] Das experimentelle Spiel spiegelt manche existentielle Herausforderung. So wird auch der Hörer zum Abenteurer, der im akustischen Labyrinth nach versprengten Stücken eines roten Fadens jagt.“



Bemerkungen:

Der WDR ist immer für ein Hörspielereignis gut. Auch im Jahr 2009 gibt man dem Medium neue Impulse, beispielsweise mit der Mammutproduktion "Die Tore der Welt" oder dem 13teiligen Hörspiel "13", das in je 13 Minuten über die Zahl 13 erzählte. Jetzt setzt man mit dem ersten Simultanhörspiel überhaupt, eine neue Duftmarke in Sachen Hörspielinnovation.

Bearbeiter Thomas Böhm hat es nicht nur geschafft, den Autor Mark Z. Danielewski zur ersten medialen Umsetzung seines Romans zu überreden, ihm gelang es auch, aus dem extrem über Format und Optik wirkenden Buchs, drei brauchbare Hörspielskript zu adaptieren. Die einzelnen Fassungen erzählen die Geschichte aus unterschiedlichen Perspektiven. Die von 1Live ausgestrahlte Fassung enthält kommentiertes Filmmaterial aus dem legendären "Navidson-Record", WDR 3  sendet Aufzeichnungen und Hintergrundwissen von Zampano und der auf WDR 5 ausgestrahlte Part basiert auf dem Bericht des in Los Angeles lebenden Aushilfsarbeiters Johnny Truant.

Diese drei Stränge sind dem Buch entlehnt, jede Fassung bringt andere Aspekte, enthält nicht aber nur unterschiedliche Blickwinkel, sondern auch ganz eigene Szenen und Schilderungen. Jedes dieser Hörspiele kann für sich alleine stehen, wirkt aber erst richtig im Gesamtzusammenhang. Die Hörspiele sind natürlich inhaltlich, aber auch formal verknüpft, zentrale Szenen finden sich in allen drei Fassungen wieder.

Die Geschichte erinnert in der vorgelegten Form an moderne, clevere Horrorfilme. Der Plot um das Haus mit seinen sich verschiebenden Räumen, dem eisigen Labyrinth, wird hier sehr glaubwürdig geschildert, da man diese Erzählung in eine Art Dokumentation einbindet. Das erinnert ein wenig an das grundsätzliche Format von "Blair Witch Projekt", auch wenn die Handlung hier nicht ganz so eingängig ist.

Die Inszenierung ist erstklassig. Alle drei Fassungen sind atmosphärisch extrem dicht und mit Soundeffekten und permanenten Unterlegungen bespickt, so dass die bedrohliche Kulisse des Hörspiels stets vorhanden ist. Die Dialoge sind sehr dynamisch eingesprochen, es macht sich bezahlt, dass man hier in adäquaten Kulissen die Sprecher wirklich hat Spielen lassen. Die Leistungen sind entsprechend glaubwürdig und gelungen. Gewöhnungsbedürftig ist eigentlich nur der der Part von Roberto Ciulli. Er erzählt als "Zampano" die Geschichte, was sich dem Hörer allerdings erst im Laufe der Zeit erschließt.

Das einzige Problem, das sich hier wirklich stellen kann, ist die Frage, ob es tatsächlich möglich ist, das Hörspiel während der Sendung zu verfolgen, in dem man - wie vorgesehen - zwischen den einzelnen Fassungen hin- und herschaltet. Die Gefahr besteht, dass man trotz des abgestimmten Timings der einzelnen Hörspiele, den roten Faden verliert. Auch wenn die Handlung parallel verläuft, die Komplexität der Geschichte macht es dem Hörer diesbezüglich nicht ganz so einfach. Ein wenig schade ist es zudem, dass man auf diese Art 2/3 des Hörspiels einfach verpasst.

Aber dennoch: Versuch macht klug! Und so möchte ich diese erstklassige(n) Produktion(en) an des Hörers Herz legen. Dieses besondere Radioereignis sollte man nicht verpassen!


Meine Wertung: + + + + +



   
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