Das Treibhaus
Autor: Wolfgang Koeppen
Produktion: hr / SWR / WDR 2009
Regie:
Walter Adler
Musik: NN
Dauer: 98 Min.

Mitwirkende:

Erzähler: Axel Milberg
© SWR/Kluge
Regisseur Walter Adler und Axel Milberg

Keetenheuve: Rüdiger Vogler
© SWR/Kluge


Elke: Valerie Koch
Korodin: Chajim Königshofen
Mergentheim: Volker Kraeft
Knurrewahn: Jürgen Holtz
Frost-Forrestier: Christian Redl
Gerad: Gitte Reppin
Lena: Effi Rabsilber
u. a.

Fotos: © SWR/Kluge

Inhalt:

Felix Keetenheuve wird nicht glücklich. Der Bundestagsabgeordnete war schon "geschlagen, als er anfing", so erfährt man aus Wolfgang Koeppens 1953 erschienenem Roman, der den Mittelteil seiner gerühmten Nachkriegstrilogie bildet. Die Hörspielfassung greift die Stimmen auf, die Koeppen virtuos einsetzt: Die innere Stimme des Protagonisten, die aufblitzenden Gedankenfetzen, die meist eng an der Hauptfigur orientierten Schilderungen eines Erzählers, die Stimmen, die sich szenisch fassen lassen. Sie alle beschreiben die hoffnungslose Opposition eines kompromisslosen, linksliberal geprägten Intellektuellen und lethargischen Träumers, der alles zerdenkt und vieles durchschaut, aber kaum in der Lage ist, tätig einzugreifen. Eine tragische Figur, die sich gegen die Wiederaufrüstungspläne wendet, gegen den neuen Nationalismus, gegen die Restauration alter Verhältnisse. Nicht einmal in der eigenen Partei, der SPD, findet Keetenheuve Unterstützung. Und auch privat bleibt Felix Keetenheuve glücklos. Er verliert seine junge Frau, die er vernachlässigt für einen Politik-Betrieb, der ihm im Grunde zuwider ist.
Bemerkungen:
Ein großes Projekt haben da hr, SWR und WDR angestoßen. In diesen drei Romanen erzählt Koeppen von den Gründerjahren der Bundesrepublik. Schonungslos, aber mit kunstfertiger Sprache schuf er besondere - nicht ganz unumstrittene - Blickwinkel.

 "Das Treibhaus" erzählt von dem Wandel von der politischen Wirklichkeit der ersten demokratischen Jahre. Vom Scheitern des Protagonisten Keetenheuve, dessen politischer Anspruch an sich und die junge Demokratie deutlich von der Wirklichkeit abweicht. Koeppen erzählt eine düstere Geschichte, die die Tristesse der Hoffnungslosigkeit stets mitschwingen lässt.

Die Umsetzung folgt dem Stil des Romans und gibt sich so ein wenig spröde. Der hohe Erzählanteil lässt viel der Sprache Koeppens einfließen und bleibt so der Vorlage recht treu. Axel Milberg trägt dies mit einer sehr passenden Emotionslosigkeit vor. Auch die kurzen Dialogszenen werden eher sehr sachlich dargeboten. Das Ganze wächst zu einem homogenen Gesamtbild und damit zu einer gelungenen Umsetzung der Vorlage.

Walter Adler hat hier eine gute Mischung aus Vorlagentreue und eigenständigem Hörwerk gefunden die allerdings inhaltlich als auch darstellerisch polarisieren wird.

Diese Produktion wird eher nur den Kreis der Hörer ansprechen, die ein gewisses Interesse an Koeppens Werk, oder zumindest an der bundesdeutschen Frühgeschichte mitbringen. Alleine drängt sich diese Produktion nicht auf. Dafür ist sie inhaltlich und in der Darstellung zu düster, fast spröde.

Wer sich darauf einlassen kann, bekommt aber eine erstklassige Umsetzung des Werkes.

    

Meine Wertung: + + + +
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