Der Besuch des Leibarztes
Hörspiel nach Per Olov Enquist



Bearbeitung: Valerie Stiegele
Regie: Walter Adler
NDR/SWR 2002
156 Min. 


Erzähler: Hans Peter Hallwachs
Struensee: Ulrich Matthes

Bild: SWR/NDR/Cordula Kropke
Christian VII.: Andreas Pietschmann; Bild: SWR/NDR/Cordula Kropke
Guldberg: Felix von Manteuffel

Bild: SWR/NDR/Cordula Kropke
Caroline: Alexandra Henkel; Bild: SWR/NDR/Cordula Kropke
Reverdil: Siegfried W. Kernen
Graf Reventlow: Dietmar Mues
Caterin: Catrin Striebeck
Königinwitwe: Jutta Hoffmann
Graf Rantzau: Hermann Lause
Diderot: Fritz Lichtenhahn
Brandt: Helmut Zhuber
Keith: Friedhelm Ptok
König Friedrich V.: Franz-Josef Steffens
Sprecher: Peter Bieringer
weibl. Stimme: Anne Moll
Pastor: Gerhard Garbers
männl. Stimme: Markus Graf


Als Physikus und Armenarzt von Altona revolutionierte er die Medizin, und in Dänemark hätte er fast eine friedliche politische Revolution zuwege gebracht: Graf Struensee, Aufklärer, Freidenker, Humanist. 1768 beordert man ihn an den dänischen Hof, wo er Christian VII. betreuen soll. Eine unbarmherzig-strafende Erziehung hat aus dem einstigen Kronprinzen einen stammelnden, verstörten Monarchen gemacht. Christian fasst schnell Zutrauen. Während er sich mehr und mehr in seine Innenwelten zurückzieht, überträgt er Struensee fast alle politische Macht. Doch dem Hof, allen voran dem Reaktionär Guldberg, ist der Aufklärer ein Dorn im Auge. Und Struensees - von Christian selbst angezettelte - Liaison mit der Königin macht ihn anfechtbar. Enquist hat aus der ménage à trois zwischen Christian, Struensee und der Königin eine ergreifende Liebesgeschichte komponiert. Darüber hinaus ist sein Roman eine psychologisch ausgefeilte Studie über die Macht und eine Tragödie über die systematische Abrichtung eines Königs zum Instrument höfischer Machtinteressen.

Per Olov Enquist
Per Olov Enquist, 1934 geboren, lebt in Stockholm. Arbeitete als Theater- und Literaturkritiker und zählt zu den bedeutendsten Autoren Schwedens.


Bemerkungen:

Per Olov Enquists "Der Besuch des Leibarzt" dürfte wohl die bekannteste literarische Darstellung des Lebens Struensees sein. Der Plot orientiert sich weitestgehend an den tatsächlichen Gegebenheiten, soweit sie heute bekannt sind; lediglich in Details weicht Enquist ein wenig ab.

Die Vita Struensees ist der beste Beweis dafür, dass das Leben noch die besten Geschichten schreibt - gerade dann, wenn es diese tragischen Schicksale betrifft. Der Plot hat insofern alles, was einen packenden Roman ausmacht - und letztlich auch als i-Tüpfelchen, den realen Hintergrund.

Das Hörspiel wurde von Valerie Stiegele bearbeitet. Mit gut zweieinhalb Stunden Spielzeit hat die Geschichte recht viel Raum, um viel von der Vorlage einfließen zu lassen. Dabei schleichen sich kaum Längen ein, da man die Zeit gut nutzt, um  Geschichte und Charaktere deutlich zu zeichnen.

Die Inszenierung von Walter Adler ist angenehm gradlinig. Man schafft eine gute Kulisse der Handlungszeit und überlässt die dramatischen Aspekte den Akteuren.
Hans Peter Hallwachs ist hier der gewohnt gute Erzähler, desssen besondere und wiedererkennbare Stimmfarbe, diese vom Cast losgelöste und auch sehr oft eingesetzte Funktion gut unterstützt.
Ein besonderes Lob geht an Ulrich Matthes, der mich in anderen Hörspielen schon mal etwas enttäuscht hat. Er gibt der Figur des Struensees eine solch gelungene naiv-geniale Färbung, dass der Charakter richtig gut greifbar wird.
Ebenfalls sehr gut: Alexander Pietschmann als Christian VII. und Felix von Manteuffel als fieser Widersacher Guldberg.


Ein sehr interessantes und spannendes Hörspiel, das ich wirklich nur empfehlen kann. Gerade der reale Hintergrund und die glaubwürdige Darstellung sorgen für ein besonderes Hörerlebnis.

 
Meine Wertung: + + + +

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