Der Blaue Engel
Hörspiel nach Michael Farin
Nach dem Film von Josef von Sternberg
Nach dem Roman "Professor Unrath" von Heinrich Mann
Erzähler - Martin Umbach
Erzählerin - Beate Himmelstoß
Lola - Nadeshda Brennicke
Prof. Dr. Rath - Jens Harzer
Guste - Franziska Ball
Kiepert - Stefan Wilkening
Mazeppa - Burchard Dabinnus
Wirtschafterin - Christiane Blumhoff
Gymnasiast/Angst - Matthias Kelle
Goldstaub - Joans Schmid
Lohmann/Gast - Benedikt Figel
Kellner/Polizist - Thomas Albus
Direktor - Thomas Albus
Kapitän - Tommi Piper
Komposition: Zeitblom
Bearbeitung: Michael Farin
Regie: Bernhard Jugel
Produktion: BR 2008
Moderation: Christina Hänsel
Der Film Der
Blaue Engel (1930) von Josef von Sternberg ist ein Mythos, der Roman
Professor Unrath (1905) von Heinrich Mann ein Hauptwerk der deutschen
Literatur, das Hörspiel der Versuch, die Struktur des
herausragenden Drehbuchs und Films transparent zu machen, indem es
diese aufregende und anrührende Geschichte aus einer vergangenen
Zeit Sequenz für Sequenz erzählt: Prof. Dr. Immanuel Rath,
bärtiger Gymnasialprofessor in einer kleinen Hafenstadt,
erfährt, dass seine Schüler das zwielichtige Lokal "Der Blaue
Engel" frequentieren, angezogen von einer verruchten Sirene namens Lola
Lola, Star einer kleinen Kabarett-Truppe. Von moralischer
Entrüstung getrieben und nicht ohne sexuelle Neugier wagt sich der
Professor in die Lasterhöhle. Statt dort aber dem jugendlichen
Treiben ein Ende zu machen, verfällt er dem Zauber und Charme Lola
Lolas. Er macht ihr einen Heiratsantrag und muss daraufhin den
Schuldienst quittieren. Es ist der Beginn seines sozialen Abstiegs.
Während die Truppe von Stadt zu Stadt zieht, verfällt Rath
immer mehr. Er wird zum "dummen August", zum Gehilfen des
Zauberkünstlers und verliert jede Selbstachtung. Seine
Demütigung erreicht den Höhepunkt, als die Truppe in den
"Blauen Engel" zurückkehrt, um mit dem einstigen Professor
'Sensation' zu machen. Das gelingt: Die ganze Stadt kommt in die
Vorstellung. Doch das einstmals lustige Kikeri des "dummen August" wird
zum schrecklichen Krähen einer waidwunden Seele. Der
internationale Erfolg des Films war enorm und Marlene Dietrich mit
einem Schlag weltberühmt. "Ihre Lola Lola war ein neues Sexsymbol.
Diese kleinbürgerliche Berliner Nutte mit ihren provozierenden
Beinen und saloppen Manieren legte eine Ungerührtheit an den Tag,
die dazu reizte, das Geheimnis ihres abgebrühten Egoismus und ihre
Kaltschnäuzigkeit zu ergründen" (Siegfried Kracauer). Die
Lieder aus diesem frühen, deutsch und englisch zugleich gedrehten
Tonfilm gingen um die Welt: "Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe
eingestellt, denn das ist meine Welt und sonst gar nichts." Die
verschleierte Stimme der Dietrich gibt ihrem Sprechgesang eine
ungeheure Laszivität. Und ihre Songs erweisen sich gegenüber
dem Prof. Rath/Emil Jannings zugeordneten deutschen Lied "Üb immer
Treu und Redlichkeit" als stärker. Auch er ist der Liebe und
Erotik Lolas nicht gewachsen. Zumal er es auch nicht als Warnung nimmt,
wenn sie von ihren Liebhabern singt: "Und wenn sie verbrennen, ja
dafür kann ich nicht“, sondern als Schmeichelei. Das ist
sein Verhängnis. Die Nationalsozialisten konnten dieses Obsiegen
einer femme fatale über einen deutschen Lehrer nicht ertragen: Sie
verboten den Film 1933.