Der Brandner Kaspar schaut ins Paradies
von Joseph Maria Lutz

Komposition: Winfried Zillig
Regie: Alois Johannes Lippl
BR 1954
82 Min.


Mit Wastl Witt, Elise Aulinger, Roider Jackl, Willy Rösner, Rudolf Vogel, Alfred Pongratz, Marianne Brandt u.a.


Das Hörspiel basiert auf Franz von Kobells 1871 erschienener Erzählung "Die G'schicht vom Brandner Kasper", die wiederum ein altes Märchenmotiv aufgreift. Darin wird von einem Ritter erzählt, der es wagt, mit dem Tod um sein Leben zu würfeln – und dabei gewinnt. Bei Kobell wurde aus dem mittelalterlichen Schreckbild des Todes der menschelnde Boandlkramer, der mit sich reden lässt und aus dem Ritter der bayerische Bauer und Büchsenmacher Kasper Brandner. Schauplatz der Handlung ist das Tegernseer Tal. Aus diesem Stoff hat Joseph Maria Lutz sein durch Bühne und Film bekanntes Volksstück Der Brandner Kaspar schaut ins Paradies gestaltet. Die Hauptakteure, der Kaspar und der als Boandlkramer verkleidete Tod, sind als altbayerische Figuren gezeichnet, die ihre Bauernschläue dazu benutzen, sich auf liebenswürdige Weise gegenseitig zu betrügen.

Joseph Maria Lutz (1893-1972), Erzähler, Dramatiker und Lyriker aus Pfaffenhofen. Verfasser des neuen Textes der bayerischen Nationalhymne (1949). Weitere BR-Hörspiele u.a. Birnbaum und Hollerstauden (1951), Der grüne Hut (1971).


Bemerkungen:

Der "Brandner Kasper" hat schon fast 150 Jahre auf dem Rücken und dennoch wirkt der Plot noch immer höchst originell. Trotz allen (oder gerade wegen der?) Massen an volkstümlichen Kitsch und Klischee, die hier einfließen, bleibt das Stück obendrein sehr unterhaltsam. Aber diese Hörspielfassung hat mich dann doch nicht ganz so beeindruckt, wie andere Umsetzungen, weil man dann doch hier ein wenig zu seicht geworden ist und die kleinen Kanten des Stückes etwas glattgehobelt und den Plot leicht begradigt hat. Damit verschenkt man etwas der Klasse, die der Geschichte innewohnt.
So kommt das Gerangel zwischen dem Kasper und dem Boandlkramer etwas kurz und auch den tragischen Ereignissen, die das Leben des Protagonisten begleiten, fehlt etwas Tiefe.

Das ist etwas schade, denn die Geschichte hätte eigentlich das Zeug für die Höchstwertung gehabt - so bleibt es inhaltlich ein "gut" - nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Natürlich kommt ein solches bayerisches Volksstück in einer entsprechenden Mundartfassung daher - Hochdeutsch spricht hier nur der Boandlkramer mit dem Petrus (Warum auch immer). Ein Ohr für den Dialekt sollte man schon mitbringen, sonst hält sich der Unterhaltungswert doch eher in Grenzen.


Meine Wertung: + + +

 
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