| Der Fall Karassek Von Holger Böhme Regie: Ulrich Lampen rbb 2010 55 Min Jochen: Wolfram Koch Irina: Deborah Kaufmann Mandy: Sandra Hüller Arzt: Gerd Wameling Egon: Christoph Gawenda Polizist: Dieter Montag Nachbar: Jörg Gudzuhn Kindergärtnerin: Bärbel Röhl Vater: Hermann Beyer „In der Nachbarschaft ist ein junger Mann aus dem Fenster gefallen. Er ist tot. Es heißt, sein Bruder, ein bekannter Neonazi, hätte ihn hinausgeworfen.“ Nun sitzt der beschuldigte Karl Karassek in Untersuchungshaft, während die Polizei gewissenhaft Freunde und Bekannte der Brüder befragt. Nach und nach entwickelt Holger Böhme in seinem neuen Hörspiel so ein facettenreiches Bild von Leben und Umfeld der Geschwister Karassek. Was genau an jenem Abend des Fenstersturzes passiert ist, erfährt man am Ende allerdings nicht von der Polizei … Bemerkungen: Holger Böhme arbeitet ein Verbrechen auf. Durch die Aussage von Bekannten und Zeugen erhält dieses nach und nach ein Motiv und die Geschichte an sich ein Gesamtbild. Überraschendes tritt hier allerdings nicht zu Tage. Das lässt zum einen dieses Hörspiel objektiv und glaubwürdig wirken, nimmt aber gleichzeitig ein wenig das Interessante aus dem Fall. Wenig von dem, was hier geschildert wird, ist wirklich neu. Das Ausmaß des Stammtischniveaus, das in vielen steckt, ist eigentlich ein ebenso wenig unbekannter Faktor, wie die Maschenschaften in rechtsextremen Kreisen, sich als "solide" zu verkaufen. Natürlich schadet es nicht, dieses vor Ohren geführt zu bekommen, die Wirkung dürfte allerdings bei den Hörern, die den Weg zu diesem Hörspiel finden, eher gering sein - da man dort vermutlich eher offene Türen einrennt. Die Darstellung beschränkt sich auf die Aussagen der einzelnen Personen aus dem Umfeld von Täter und Opfer. Es ist eine Aneinanderreihung von Monologen, der Darstellung der eigenen Person und deren Blick auf die Situation. Das ist zwar eine gute Methode, die Motivlage aufzubauen, mir persönlich aber letztlich zu monoton - die sich ergebenden Erkenntnisse wiegen den Verlust des Hörinteresses nicht auf. Leider ist "Der Fall Karassek" in Form und Inhalt etwas zu blass, als ich mir bei der guten Themenwahl erhofft hätte. Die Geschichte hat zwar Substanz, aber es fehlt irgendwie der entscheidende Kniff, der diese Produktion aus der Durchschnittlichkeit hervorholt. Es bleibt das hohle Gefühl, dass man aus diesem Stoff mehr hätte herausholen können. Meine Wertung: + |
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