Der Grausame
Von Ulrich Bassenge

Komposition und Regie: der Autor
Ton und Technik: Lars Kurz
Regie-Assistenz: Silvia Petrova
WDR 2011
46 Min.


Mit
Andy Milligan : Lars Rudolph
Hal: Tobias Schormann
Candy: Stephanie Schadeweg
Mishkin / Cino: Wolfgang Pregler
Buddy (O-Ton): Buddy Giovinazzo
Schwuchtel / Priester: Carsten Golbeck
Stricher / Mishkin jr.: Tim Schwarzmaier
Dealerin: Silvia Petrova
Imbiss-Verkäufer: Ulrich Bassenge

Filmstars: Claris: Kathrin Ackermann: Markus Fisher. Wolfgang Pregler
Off-Sprecher: Donald Arthur
An- und Absage: Stefan Wilkening

Musiker: Wolfgang Roth, Georg Karger, Albert Ginthör, Ulrich Bassenge


Milligan ist schwul. Und Sadist. Ein Sohn der 42. Straße in New York. Und er will um jeden Preis Filme machen. Wenn ihm Mishkin 10 000 Dollar gibt, dreht er dafür drei Filme. Auf den unbelichteten Enden weggeworfener Filmreste. Seine Schauspieler holt Milligan aus dem Theater oder gleich von der Straße. Mit Wackelkamera und schlechtem Licht lotet er dysfunktionale Familienverhältnisse aus. „Wenn Sie ein Milligan-Fan sind, gibt es keine Hoffnung für Sie“, schreibt ein Kritiker. „Für die anderen auch nicht“, sagt Milligan und blickt in eine düstere Zukunft, die nun unsere Gegenwart ist: „Noch 40 Jahre, dann wird es sowieso keine Filme mehr geben. Aber alles wird genauso aussehen und die Leute werden keinen Unterschied erkennen. Die Kinos werden wie Schuhschachteln sein. Porno ist überall.“ „Der Grausame“ eröffnet ein queeres Universum jenseits der Vorstellungskraft.

Ulrich Bassenge, geboren 1956, lebt als Autor, Komponist, Regisseur und Musiker in Niederbayern. Er schrieb Filmmusiken (u. a. „Die Macht der Bilder - Leni Riefenstahl“) und produziert Hörspiele („Morbus sacer“, WDR 2006; „Walk of Fame“, WDR 2007; „Im Wald da sind die Räuber“, DRS 2009).


Bemerkungen:

Ulrich Bassenge begibt sich, wie schon in "Walk of Fame", ins B-Movie Genre. Er erzählt in diesem Hörspiel die Geschichte des Filmemachers Andy Milligan, der mit einfachsten Mitteln und ungewöhnlichen Methoden seine sadistische Ader in seinen Werken auslebt. Wie das Aas die Geier, nähren die Reste, die bei anderen Filmproduktionen abfallen, seine Passion.
Bassenge zeichnet in ausdrucksstarken Szenen den Kosmos Milligans auf. Dabei scheut er auch nicht vor derbster Sprache. Es entsteht ein fast erschreckendes Bild einer cineastischen Antikarriere.

Die Inszenierung ist so eigensinnig, wie prägnant. Das beginnt bei einer gelungenen, breiten Untermalung und geht bis zu einem sehr gut besetzten Ensemble, bei dem man auf herausragende Stimmen setzt. Die Charaktere laden dazu ein, sehr lebendig zu agieren und eine große Bandbreite zu zeigen. Erstklassig ist vor allem die Performance Lars Rudolphs, der der Figur Andy Milligan zu einer fantastischen Präsenz verhilft. Etwas zu überspitzt empfand ich nur die Ausgestaltung der "Schwuchtel"-Rolle durch Charsten Golbeck, hier hätte es gerne etwas weniger "Farbe" sein dürfen.

Sicher nichts für die Freunde gediegener Hörspielunterhaltung, aber ein interessantes Hörspektakel für alle, die ungewöhnliche Geschichten mögen und auch eine vor einer derben Gangart nicht zurückschrecken.

Meine Wertung: + + + +

 
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