Der gute Grund
von Fred Kassak

Regie: Otto Düben
SDR 1989
42 Min.


Lebinag: Karl Michael Vogler
Ledoux: Walter Renneisen
Witwe Gicour: Karin Anselm


Keine Frage: Für Versicherungsdirektor Lebignac ist sein Beruf eine Berufung.

Leidenschaftlich reguliert er Schadensfälle - bloß nie zugunsten der Versicherten, diesem «einzigen Schwachpunkt im Versicherungsgeschäft».

Wäre ja noch schöner, meint der unermüdliche Direktor, wenn die mühevoll eingetriebenen Beiträge gleich wieder ausgezahlt werden müßten. Keinen Deut anders denkt sein neuer Assistent Ledoux, der sich gerne einführen läßt in die Finessen von Vertragsannullierungen.

Da der gelehrige Schüler ein passender Stellvertreter zu sein scheint, glaubt Lebignac, endlich einmal sorglos in den Urlaub fahren zu können. Einen Haken aber hat die Sache: Ledoux lernt seine Lektionen gründlicher, als es seinem Chef lieb sein kann.


Fred Kassak, geboren 1928 in Paris, zählt zu den bekannten französischen Kriminalautoren. Er hat an die zwanzig Romane geschrieben, für «Sonntags beerdigt man nicht», erhielt Kassak 1958 den Großen Preis der Kriminalliteratur Frankreichs.


Bemerkungen:

Die Geschichte, die Fred Kassak hier erzählt, wirkt zunächst sehr unglaubwürdig. Die Art, wie hier die Möglichkeiten geschildert werden, sich um die Auszahlung einer Versicherung zu drücken, ist zunächst noch ganz schlüssig, wird aber im konkreten Fall der Witwe Gicour sehr unglaubwürdig. Es ist durchaus nicht nachzuvollziehen, dass diese fadenscheinigen Gründe immer genügen sollten, um sich vor einer Leistung zu drücken. Zum Glück ist diese Sequenz nur ein Intermezzo, das für den Ledoux und den Hörer als Beispiel dienen soll.

Es hat aber daneben noch die Funktion, des "In-Sicherheit-wiegen", denn das überraschende Finale wäre vielleicht nur halb so wirkungsvoll, hätte es sich an die theoretischen Ausführungen Lebignacs unmittelbar angeschlossen.

Auch wenn die Geschichte hier natürlich auf die Pointe hingebogen wird und so der eigentliche "Krimi" ein wenig leidet, stimmt der Unterhaltungswert - zumal man die Geschichte auch mit drei sehr hörenswerten Schauspielern inszeniert hat. Auch wenn die Sprecher nicht über Gebühr gefordert werden, sorgen sie doch insgesamt für eine sehr gute Darstellung.


Unterhaltungswert, Pointe und die Sprecherleistung stimmen - für einen richtig guten Krimi fehlt es aber deutlich an Authentizität.


Meine Wertung: + +
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