| Der Jäger ist die Beute Von Tim Staffel Komposition: Alexandra Holtsch Regie: der Autor WDR 2010 105 Min. Mit Nina Kronjäger, Jule Böwe, Bruno Cathomas, André Schimanski, Trystan Pütter, Silke Buchholz, Daniel Krauss, Anneliese Kleinschmidt Moira, ehemaliges Tennis-Wunderkind, hat sich von allen zurückgezogen und lebt von Gelegenheitsjobs. Als sie der Vorstellung verfällt, die von ihr bewunderte Schriftstellerin Melanie wolle eine Beziehung mit ihr eingehen, verfolgt Moira sie solange mit Liebeserklärungen in Form von Briefen, Anrufen und Geschenken, bis Melanie die Polizei einschaltet. Doch der Stalkingbeauftragte Enno stellt sich als Ex-Freund Melanies heraus. Der ist wenig begeistert, der Frau wiederzubegegnen, die seinen Heiratsantrag abgelehnt hat. Sein Kollege Torge hat andere Probleme. Als er Moira als Tatverdächtige identifiziert, erwacht ein verdrängtes Trauma zum Leben. In diesem Großstadtthriller glaubt jeder ein Recht auf einen anderen zu haben, egal ob der sein Gefühl erwidert oder nicht. Alle Mittel sind erlaubt. Es spielt keine Rolle, welchen physischen oder psychischen Schaden die Opfer nehmen, entscheidend ist die eigene Bedürfnisbefriedigung. Doch die Jäger ahnen nicht, dass sie selbst längst Beute sind. Tim Staffel lebt in Berlin, ist Autor und Regisseur. Zuletzt erschien sein Roman „Jesús und Muhammed“. Für das jozi:art lab, Johannesburg, arbeitete er 2009 zwei Monate lang mit Jugendlichen in Südafrikas größtem Township Soweto an einem Theaterprojekt. Jüngste Uraufführung: „Man braucht keinen Reiseführer für ein Dorf, das man sieht“ (Hebbel-am-Ufer Berlin, November 2009). Bemerkungen: Tim Staffel erzählt eine per se sehr interessante Geschichte über die Grenzen von Beziehungen, in dem vier Personen in einem dichten Geflecht zueinander stehen oder finden. Dies verpackt er in einen Krimi, der allerdings mehr als Folie dient und nicht unbedingt dem Genre gerecht wird. Denn hier sitzen die Prioritäten anders. Leider gelingt es dieser Geschichte nur schwerlich, den Hörer zu binden und ihn in das Geflecht hineinfinden zu lassen. Man schafft es leider nicht, den Plot so zu präsentieren, dass die wichtigen Aspekte in den Vordergrund rücken. Man verliert in den Dialogen ein wenig den roten Faden. Hier hätte man im Skript schon deutlicher werden müssen. Die Umsetzung ist in diesem Punkt nicht zu beanstanden, man versucht, die Dialoge in den Fokus zu rücken und etabliert keine unnötigen Soundeskapaden, die vom Wesentlichen ablenken. Die Musikstücke sind zwar etwas extravagant in der Darstellung, allerdings übertönen sie nichts - sind zwar auffällig, aber nicht aufdringlich. Die schauspielerische Leistung hat mir gut gefallen. Alle Beteiligten geben sich Mühe, die Figuren in all ihren Widersprüchen lebendig zu machen. Dies gelingt, soweit es die Dialoge zulassen. Tim Staffels "Der Jäger ist die Beute" ist ein Stück mit guter und durchdachter Grundidee, die meines Erachtens sich allerdings zu sehr in den Dialogen verliert. Gerade bei einer solch umfangreichen Produktion, hätte ich mir etwas mehr Struktur gewünscht. Meine Wertung: + + |
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