Der Kirschgarten
     
Nach Anton Tschechow
Komposition: Heinz Brüning
Bearbeitung und Regie: Rudolf Noelte
BR 1970
95 Min. 
 



Erzähler: Rudolf Noelte
Andrejewna Ranjewskaja: Marianne Hoppe
Anja, ihre Tochter: Cordula Trantow
Warja, ihre Pflegetochter: Luitgard Im
Gajew, Bruder der Ranjewskaja: Karl Maria Schley
sowie Günter Mack, Ernst Jacobi, Bum Krüger, Edda Seippel, Joachim Teege, Regina Lutz, Erwin Faber und Dieter Kirchlechner


Als die Gutsherrin Ranjewskaja nach langer Abwesenheit wieder auf ihr Land zurückkehrt, steht der Kirschgarten in voller Blüte. Überwältigt von seiner Schönheit, schwelgt sie in Erinnerungen an das verschwenderisch-sorglose Leben auf dem Anwesen. Inzwischen ist es hoch verschuldet, soll versteigert werden. Der neureiche Kaufmann Lopachin rät, den Kirschgarten zu roden und das Land als Datschengrundstücke zu verpachten. Ranjewskaja ist empört, unternimmt jedoch nichts, um die drohende Katastrophe abzuwenden. Schließlich wird das Gut von Lopachin ersteigert, die alten Bewohner nehmen Abschied und der Kirschgarten wird gefällt. Der Kirschgarten ist das letzte Stück Tschechows und gilt als die bekannteste Arbeit des Dramatikers.


Bemerkungen:

Tschechow erzählt in einer recht eingängigen Weise von der Lethargie, die eine russische Gutsherrin befällt, die so ungläubig wie handlungsunfähig sich ihrem Schicksal hingibt. Alle Handreichungen, alle Lösungen lässt sie ungenutzt und reisst so, nicht nur sich, sondern auch Familie und Angestellte mit ins Verderben.

Das Hörspiel wird fast ausschließlich von den guten Sprechern getragen, insbesondere Rudolf Noelte als Erzähler und Marianne Hoppe als Gutsherrin drücken dieser Geschichte ihren Stempel auf. Rudolf Noelte kann hier seine eigenen Vorstellungen gut umsetzen, denn er hat sowohl den Text, der deutlich ernster als die Vorlage selbst wirkt, bearbeitet, als auch selbst inszeniert.
In den Kulissen arbeitet man sehr zurückhaltend, es gibt eine dezente Geräuschkulisse, die weniger der bloßen Untermalung dient, sondern stets ihren Sinn hat, um jeweilige Emotionen darzustellen.

"Der Kirschgarten" ist eine stille Produktion, die es nicht leicht hat, denn sie braucht die Breite der Spielzeit um das entscheidende Moment, das Zögerliche, darzustellen. Das drückt aber das Hörinteresse ein wenig. Zum Glück halten sich die Längen soweit in Grenzen, dass von Langeweile keine Rede sein kann.


Meine Wertung: + + +


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