Der Marquis schreibt einen unerhörten Brief

von Javier Tomeo

Regie: Otto Düben
Bearbeiter: Friederike Roth
SDR 1992
59 Min.


Der Marquis: Rolf Boysen
Sein Diener Bautista: Klaus Herm


Ein seit zwanzig Jahren auf seinem Schloss zurückgezogen lebender Marquis schreibt einen „unerhörten Brief“, um den Kontakt zur Außenwelt wieder aufzunehmen. Dieser Brief ist gerichtet an einen in der Nachbarschaft ansässigen Grafen - der Versuch der Kontaktaufnahme des lange verstummten Einzelnen mit der Außenwelt bleibt somit im begrenzten Rahmen. Recht kurios jedoch wird die Sache durch den Umstand, dass der Marquis seinen Diener Bautista, der zum Überbringer erkoren wurde, unermüdlich mit allen Eventualitäten, Hindernissen und Schwierigkeiten, die eine angemessene Briefübergabe beeinträchtigen könnten, vertraut macht. Pedantisch und ausführlich werden für jeden möglicherweise eintretenden Fall die angemessenen Reaktionen erörtert - bis schließlich der Anlass selbst, also die Briefübergabe, gänzlich aus den Augen verloren wird. Die Formalitäten werden zum Inhalt. Die Innenwelt versteckt sich aufs Neue.


Javier Tomeo, geboren 1932 in Quicena (Aragon), studierte und lebt bis heute in Barcelona, wo er bei einem großen Schreibmaschinenkonzern beschäftigt ist. Er schreibt seit dreißig Jahren und ist derzeit der meistübersetzte spanische Gegenwartsautor. 1990 hatte sein Stück „Mütter und Söhne“ großen Erfolg an der Berliner Schaubühne. 1991 erschien die „Taubenstadt“.

Zur Startseite