Der Tod in
Rom
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Autor: |
Wolfgang Koeppen |
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Produktion: |
hr / SWR / WDR 2009 |
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Regie:
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Leonhard Koppelmann |
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Musik: |
Hermann Kretzschmar |
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Dauer: |
160 Min. |
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Mitwirkende: |
Erzähler: Wolfgang Pregler
Siegfried: Sebastian Plomberg
Judejahn: Thomas Thieme
Adolf: Markus Meyer
Kürenberg: Felix von Manteuffel
Ilse: Nina Petri
Eva: Susanne Barth
Pfaffrath: Peter Fitz
Anna: Regine Vergeen
Austerlitz: Heinrich Giskes
u. a.
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Inhalt: |
Italien und Rom gelten seit Goethe als
Fluchtpunkte deutscher Künstlerseelen, dem heimischen Muff zu
entfliehen und humanistisch-antike Tradition mit enthemmter
Sexualität unter heiterer Sonne zu vereinen. Bei Wolfgang
Koeppen wird Rom zur Kulisse einer tödlichen
Gespensterséance: Hier treffen sich Anfang der 50er Jahre,
im vollsten Glanze der Aufbauphase unter Adenauer, die Zweige einer
deutschen Familie. Ihre Abkömmlinge sind als Opfer,
Mitläufer und Täter tief verstrickt in die Zeit des
Faschismus. Und die damals gerufenen Geister gestatten gerade in der
ewigen Stadt keinen Neubeginn.
Koeppen entwirft auch hier einen Querschnitt deutscher
Seelenlandschaft: Der junge homosexuelle Komponist Siegfried Pfaffrath
reist nach Rom zur Uraufführung seiner Symphonie, die die
Tradition der "entarteten" Musik von Arnold Schönbergs
Zwölftonreihen fortführt. In Rom lebt untergetaucht
Siegfrieds Onkel Gottlieb Judejahn, der es, aus kleinen
Verhältnissen stammend, zum SS-General gebracht hatte und in
Nürnberg in Abwesenheit zum Tode verurteilt wurde. Das Konzert
führt die Familie zusammen: Siegfried, Judejahn und dessen
Sohn, einen Priesterseminaristen, sowie Siegfrieds Eltern, die als
Mitläufer die Vorteile der Nazidiktatur zu nutzen wussten.
Jetzt ist der Vater Oberbürgermeister des
Provinzstädtchens, aus dem Laura als Tochter des
jüdischen Kaufhausbesitzers vertrieben wurde. Und Laura ist
die Frau des Dirigenten von Siegfrieds Symphonie.
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Bemerkungen:
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Auch diese Geschichte
Wolfgang Koeppens erzählt wieder eines der eher unliebsamen
Themen, die so gar nicht in die oft gloriefizierte Zeit des Aufbaus der
Bundesrepublik passen. Auch hier sind es wieder die nicht restlos
aufgearbeiteten Bezüge ins Dritte Reich, die hier im Mittelpunkt
stehen.
Es personifiziert sich in der Figur des Judejahn, der hier
glänzend von Thomas Thieme interpretiert wird. Ihm gelingt es, der
Bösartigkeit der Figur allein schon mittels der Stimmfarbe
Ausdruck zu verleihen.
Das verdrängt fast die guten Leistungen des restlichen Ensembles aus dem Blickfeld.
Leonhard Koppelmann hat den Roman für den Funk bearbeitet und
inszeniert. Es ist ihm gelungen, die Atmosphäre der Vorlage
einzufangen und zu transportieren. Unterstützt wird dies durch die
permanent unterlegte Musik Hermann Kretschmars. Allerdings gibt diese
Art der Untermaltung dem Stück diesen oft kritisierten
künstlerischen Touch, auf den manche Hörer im Hörspiel
gerne verzichten würden. Allerdings muss man hier zugestehen, dass
es hier - auch aufgrund der besonderen Darstellungsform - sehr passend
ist.
Die Umsetzung wirkt mehr wie eine inszenierte Lesung. Die
Erzähltexte werden meist nur von einzelnen Sätzen der Figuren
unterbrochen. Echte Dialoge sind eher selten. Das macht das
Hörspiel etwas werkgetreuer, läuft aber ein wenig dem
Hörfluss zuwider.
Die Produktion überzeugt in punkto Inhalt und Sprecherleistung.
Allerdings ist die Darstellung schon eher speziell und wird wohl nicht
jeden Hörer ansprechen. Wer sich auf diese Produktion jedoch
einlassen kann, der wird mit 160 Minuten einer sehr düsteren und
packenden Geschichte belohnt.
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