Der Tod in Venedig
Autor: Ulrich Lampen nach Thomas Mann
Produktion: hr / NDR 2009
Regie:
Ulrich Lampen
Musik: Michael Riessler
Dauer: 158 Min.

Mitwirkende:

Erzähler: Ulrich Noethen
Gustav von Aschenbach: Rüdiger Vogler
Salonbesucher / Kritiker: Felix von Manteuffel
Kapitän: Heinrich Giskes
Alter Geck: Heinz Meier
Gondoliere: Oliver Kraushaar
Coiffeuer: Sylvester Groth
Der Spaßmacher: Christian Redl
polnische Stimme: Karina Krawczyk
Ein Alter: Helmut Stange
Manager des Hotels: Peter Fricke
Clerk: Jens Harzer

Inhalt:

Reisen also (1. Teil)
Die Zeit zerfiel (2. Teil)

Der alternde Schriftsteller Gustav von Aschenbach - ausgestattet mit den Gesichtszügen Gustav Mahlers - reist, von Fernweh und Reiselust erfasst, nach Venedig. In der schwül-fiebrigen Atmosphäre der Lagunenstadt löst sich seine bisherige innere Ordnung und Disziplin schrittweise auf. Er begegnet dem polnischen Knaben Tadzio, einem Wesen von apollinischer Schönheit, dem er bald vollständig verfällt. Nach Ausbruch einer Cholera-Epidemie infiziert er sich an frischem Obst und stirbt einsam im Liegestuhl am Meeresstrand.

Bemerkungen:
"Endlich als Hörspiel" - so prangt es auf der Rückseite der CD-Ausgabe des hörverlages. Der hr hat zusammen mit dem NDR diese Produktion in 2009 auf die Beine gestellt, die auch recht zeitnah im Handel erschienen ist.

Regisseur Ulrich Lampen hat die berühmte Novelle Thomas Manns bearbeitet und hörbar gemacht. Dabei konnte er recht viel Raum nutzen und die doch eher kurze Vorlage in mehr als zweieinhalb Stunden Hörspiel packen. Damit entgeht das Werk größeren Kürzungen und kann so recht originalgetreu wiedergegeben werden.

Berühmt ist die Novelle Manns vor allem wegen der autibiografischen Züge, die seit ihrem Erscheinen immer wieder hineininterpretiert werden. Aber auch stilistisch überzeugt das Werk.

Gerade den Stil konnte man aufgrund der Breite des Spielraums sehr gut retten und so bedarf es der Anpassung weitestgehend nur in den Passagen der einzelnen Figuren. Diese werden aber auch sehr behutsam in dieses Stück eingebunden, so dass sich hier der Erzählfluss kaum daran brechen kann.

Das Ensemble ist der Würde des Stückes durchaus angemessen. Ulrich Noethen als Erzähler und Rüdiger Vogler als Aschenbach überzeugen in ihren tragenden Rollen. Aber auch die kleineren Rollen sind nicht nur prominent, sondern auch bestens besetzt.

Ulrich Land rückt hier deutlich den Text in den Mittelpunkt, die Inszenierung ist eher zurückhaltend. Das szenische Spiel ist auf das Notwendigste beschränkt, vermittelt aber trotzdem eine gut nachvollziehbare Kulisse. Das Stück wird plastisch, ohne dass der Rahmen sich übermäßig aufdrängt.


Mit Hörspielfassung von "Der Tod in Venedig" hat Ulrich Land eine sehr gelungene und würdige Umsetzung der literarischen Vorlage geschaffen. Ihm gelingt der Spagat, dass Werk hörbar zu machen, ohne dass es als bloße Lesung mit verteilten Rollen wirkt und dennoch andererseits, die Elemente der Inszenierung nicht den Text überlagern.

Insofern kann ich mich, ob dieser gelungenen Leistung, dem Ausruf "Endlich als Hörspiel" nur anschließen.

 


Meine Wertung: + + + +
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