Der Waldspaziergang

von Karl-Heinz Bölling

Musik: Christoph Grund
Regie: Christiane Ohaus
RB / DLR Kultur 2009
51 Min.


Mit: Dietmar Bär, Klaus Herm, Sabine Orléans, Katharina Matz


Waldspaziergänger, zumal in einem deutschen Mischwald, gelten an und für sich als unverdächtig. Sie suchen im und unterm Gehölz Erholung und Entspannung vom Alltag. Dazu verhilft das Einatmen von guter Luft, das Lauschen vielstimmigen Vogelgezwitschers, das Wandern auf friedvollen Wegen in besinnlicher Stille. Ein Waldspaziergang kann aber auch tödlich enden - zumal in einem Hörspiel von Karl-Heinz Bölling: Der genervte Sohn Martin streckt seinen nölenden, alten Vater Karl mit mehreren Schüssen einfach nieder. Martin wurde sein schönes, neues Auto vom Waldparkplatz gestohlen. So etwas macht Frust, miese Laune. Dass sein Auto dann doch wieder auftaucht ? ganz von alleine vorfährt, gewaschen und gestaubsaugt ? ist nur eine von vielen Merkwürdigkeiten in diesem Hörspiel, die nicht wirklich zu verstehen sind ? zumindest nicht rational. Auf der Spielebene allerdings ergeben sie schon einen Sinn, eben einen Böllingschen, und der ist gespickt mit großer Freude am Grotesken und Absurden, stets versehen mit einer unverwechselbaren Prise Alltagskomik. So nimmt es nicht Wunder, dass der Vater am Ende der Geschichte, obwohl tödlich getroffen, zu singen beginnt: herzzerreißend schön ? einfach unsterblich.


Bemerkungen:

Böllings Hörspiele sind sicherlich nicht das, was man "massenkompatibel" nennen würde. Immer etwas zu schräg, immer sehr grotesk - da bildet auch "Der Waldspaziergang" keine Ausnahme. Das entsprechende Humorverständnis wird nicht jeder mitbringen - auch ich tue mich mit dieser Art Hörspiel schon schwer. Es gibt sicherlich hörenswerte Szenen, insgesamt war es mir aber dann doch zu wenig. Immerhin finden sich ein paar nette Ideen, wie den singenden, aber toten Vater, die auch nachhaltig im Gedächtnis bleiben.

Bei der Besetzung besticht insbesondere Klaus Herm, der als "Vater" eine wirklich gute Leistung bietet. Deutlich unter meine Erwartungen blieb Dietmar Bär, der hier recht blass und farblos wirkt. Er vermittelt nur wenig der Spielfreude, die dieses Stück gebraucht hätte.

Die Umsetzung passt sich dem Inhalt an. Eine moderne, verkünstelte Kulisse mit Klang- und Musikfetzen und - im wahrsten Sinne des Wortes - angesagten Waldgeräuschen, machen die Geschichte zusätzlich noch etwas spröde und sperrig.

Insgesamt bot mir diese Produktion in allen Bereichen etwas zu wenig, als dass ich sie im positiven Bereich sähe, ein guter Klaus Herm allein reicht noch nicht...

Meine Wertung: -



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