| Die Ballade vom traurigen Café von Carson McCullers Aus dem Amerikanischen von Elisabeth Schnack Bearbeitung und Regie: Simona Ryser Komposition: Philipp Schaufelberger SR 2007 78 Min. Mit Martin Engler, Till Kretzschmar, Katja Reinke, Pia Podgornik, Jens Bohnsack, Joachim Hall u.a. Eine trostlose kleine Stadt im amerikanischen Süden. Miss Amelia ist jung, wohlhabend und eine hart gesottene Geschäftsfrau, die keinen Schluck Whisky verschenkt. Dass ihre Ehe nach der Hochzeitsnacht zu Ende war, wundert niemanden. Doch eines Abends steht der verwahrloste Bucklige Lymon vor der Tür, behauptet, Miss Amelias Vetter zu sein und zieht gleich bei ihr ein. Durch Lymons Geselligkeit wird ihr Laden zum Café, dem wichtigsten Treffpunkt der Stadt. Was Lymon und Miss Amelia verbindet, weiß niemand so genau, Tatsache ist, dass Amelia glücklich zu sein scheint. Doch dann kehrt der enttäuschte Ehemann zurück.... Carson McCullers (1917-67), US-amerikanische Schriftstellerin. Werke u.a. Das Herz ist ein einsamer Jäger (1940, verfilmt 1968), Das Mädchen Frankie (1946, verfilmt 1953), Die Ballade vom traurigen Café (1951, verfilmt 1990), Uhr ohne Zeiger (1961). Bemerkungen: Carson McCullers schildert in der "Ballade vom traurigen Café" eine schwermütige Dreiecksgeschichte, in der die unnahbahre Amelie, ihr verstoßener Ehemann Marvin und der bucklinge Lymon die Hauptfiguren sind. Amelie hat ihren Ehemann schon am Tage der Hochzeit von sich gewiesen, so dass dieser nach zehn Tagen die Flucht ergriffen und eine Verbrecherkarriere begonnen hat. Von da an lebt Amelie allein - bis der bucklige Lymon vor ihrer Tür steht, der bei ihr Aufnahme findet. Die beiden etablieren ein Café, das zum zentralen Punkt des Ortes wird. Alles läuft gut, bis Marvin aus dem Gefängnis entlassen wird und zurückkehrt. Die Produktion kann die düstere Atmosphäre über die Gesamtspielzeit gut tragen. Problem ist, dass man hier wieder eine Pseudo-Hörspielinszenierung geboten bekommt, die letztlich nur eine Lesung mit mehreren Erzählern ist. Das ist zwar ein nettes Stilmittel, um einen Text etwas aufzulockern, wer allerdings ein Hörspiel als Pendant zum Schauspiel erwartet, der dürfte hier ordentlich enttäuscht werden. In der gelungenen Atmosphäre, die hauptsächlich der Musik Philipp Schaufelbergers geschuldet ist, hätte eine Dialoginszenierung sicherlich gut funktioniert, wenngleich man zugeben muss, dass die Geschichte hierfür auch nur bedingt geeignet ist, beziehungsweise man den Stoff deutlicher bearbeiten hätte müssen, um hieraus ein "echtes" Hörspiel zu formen. Eine gute Geschichte, die sich in dieser Werktreue allerdings kaum als Hörspiel zu realisieren ist. Insofern erwartet den Hörer hier eher eine Art der inszenierten Lesung, in der die Geschichte von mehreren Erzählern vorgetragen wird. Meine Wertung: + / - |
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