Die Frau mit der Bankenkrise

Von Michael Stauffer

Realisation der Autor
WDR 2010
53 Min.



Die Frau mit der Bankenkrise/Die Frau und die Elster/Die Frau Monolog/Die Frau sucht den Crash: Vanessa Stern
Die Frau Narrativ: Stefanie Frauwallner
Anlageberater/Demonstrant: Christian Ahlers
Kommentare: Urs Jucker
Demonstrant/im Chor: Richie Heller
Stimme der Börse/im Chor: Gregor Sander
Mann der Frau mit der Bankenkrise/im Chor: Michael Stauffer
Unbeschränkt haftender Teilhaber, Wegelin & Co. Privatbankiers/er selber: Dr. Konrad Hummler


Die Banken wanken, Aktien verlieren an Wert, die Gesellschaft an Orientierung. Mit dem Zusammenbruch ihres Depots gerät die Frau mit den Aktien in eine persönliche Krise. Sie sucht nach Wegen zu verstehen, was geschieht. Hartnäckig probiert sie, der Abstraktheit der Geschehnisse mit kreativen Mitteln beizukommen: Sie findet Reime für die Kursentwicklung, versucht an der Börse das Geräusch abstürzender Kurse aufzunehmen, klebt ihre Kontoauszüge zu einem Teppich zusammen. Ehemann und Anlageberater sind hilflos oder suchen erst gar nicht nach Lösungen. Nur mit der Elster, die seit einiger Zeit ihr Fensterbrett besucht, versteht sie sich gut. Derweil werden die Börsennachrichten immer apokalyptischer.

In seinem neuen Hörspiel untersucht Michael Stauffer ernsthaft und spielerisch die Bankenkrise, ihre Auslöser, Auswirkungen und Auswege.

Michael Stauffer, geboren 1972, Autor und Musiker, lebt und arbeitet in Biel/Schweiz. Er schreibt, inszeniert und produziert Hörspiele und veröffentlicht Prosa. Für den WDR entstand zuletzt  „Gut gemacht - noch mehr gemacht - nichts mehr gemacht“ (2008).


Bemerkungen:

Auch das Hörspielprogramm des WDR bleibt nicht von der Finanzkrise verschont. Sie gehört zu den zentralen Themen der Spielzeiten 2009 und 2010. Es ist sicherlich richtig und wichtig, dass sich aktuelle Themen eben auch in diesem Medium wiederfinden und in unterschiedlichen Versionen beleuchtet werden. Andererseits kann es natürlich schnell passieren, dass der Hörer bis zur Ursendung schon des Themas überdrüssig ist, beziehungsweise die Produktion schon von sich aus nichts Neues zu erzählen weiß.

In "Die Frau mit der Bankenkrise" ist das zumindest so nicht der Fall. Man nutzt einen sehr reellen Ausgangspunkt: Eine Frau hat ein Aktiondepot geerbt, dies aber jahrelang nicht beachtet. Durch den Börsenkollaps ist der Wert allerdings rapide gefallen und jetzt bekommt der Verlust plötzlich eine immense Bedeutung und entwickelt sich zur persönlichen Krise. Mit recht originellen Methoden versucht sie nun, diese zu bewältigen.
Autor Michael Stauffer hält Gesellschaft und der Finanzbranche schön den Spiegel vor. Besonders gut gelingt ihm das Abbild bzw. die Persiflage der unsäglichen Börsenmetaphern und Merksprüchen und der Hilflosigkeit der Bankbediensteten und Börsenspekulanten.

Der interessante Inhalt verliert ein wenig durch eine etwas zu bemüht wirkende Inszenierung. Die Geschichte hätte geradliniger und in weniger Ebenen erzählt werden dürfen. Zumal die schauspielerische Leistung zum Teil zwar in den Funktionen stimmig ist, aber im Gesamtgefüge hier und da doch ein wenig sperrig wirkt. Insbesondere die Einwürfe des Narrativs, gespielt von Stefanie Frauwallner, unterbricht mir den Hörfluss zu stark.

Eine gute Idee, einige schöne und unterhaltsame Szene, aber auch viel Sperriges in der Inszenierung.

Meine Wertung: + +

 
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