Die Geldmacher von Harlem

nach dem gleichnamigen Kriminalroman von Chester Himes

aus dem amerikanischen Englisch von Manfred Görgens

Hörspielbearbeitung und Regie: Martin Heindel
Komposition: Carsten Meyer
SWR 2009
55 Min.

Erzähler: Martin Semmelrogge
Jackson: Oliver Stritzel
Imabelle: Sandra Schwittau
Goldy: Tilo Schmitz
Hank: Michael Stange
Jodie: Michael Tregor
Slim: Herbert Schäfer
Gus Parsons: Gottfried Beifuß
Grave Digger Jones: Udo Schenk
Coffin Ed Johnson: Bernhard Schütz
Hosea Exodus Clay: Berthold Toetzke
Margie: Barbara Romaner
Big Kathy: Joachim Jung
Zimmerwirtin: Kathrin Ackermann
Taxifahrer / Sergeant: Ferdinand Dörfler
Mädchen: Rebecca Szerda
Nutte 1 / Jeannie: Elisabeth Hoppe
Nutte 2 / Carol: Stephanie Schönfeld
Farbiger Bruder / Barkeeper: Berth Wesselmann
Exboxer / Gepäckträger: Andreas Szerda
Treuer Ehegatte: Ronald Spiess
Detective: Sven Prietz
Polizeifunk / Joe Simpson: Bodo Primus


Kaum zu glauben, dass es in Harlem so vertrauensselige und tollpatschige Kerle gibt wie Jackson: Er verliert nicht nur einen Koffer voller Gold und seine große Liebe Imabelle, sondern auch noch die Leiche seines Bruders.

Wie kann es nur so weit kommen? Eigentlich geschieht alles nur aus Liebe: Zuerst sitzt Jackson einer Bande von vermeintlichen Geldfälschern auf, dann verschwindet Imabelle samt Geld und Goldkoffer, und auf der Suche nach ihr gerät Jackson in die Hände einer Mörderbande. Da braucht er eigentlich nur noch den Leichenwagen seines Chefs zu klauen, und die Tragödie nimmt lustig ihren Lauf.

Mit diesem Roman begann Chester Himes seine Serie von „Harlem-Thrillern“. Hier lässt er das erste Mal die knallharten schwarzen Cops Grave Digger und Coffin Ed auftreten, die ein unschuldiges Lamm wie Jackson
gnadenlos ins Visier nehmen.


Die Linken hassten meine Geschichten, die Rechten hassten sie, die Juden und die Schwarzen hassten sie ... Ich glaube, was die Amerikaner am meisten hassten, war die Tatsache, dass ich der Wahrheit zu nahe kam.


Chester Himes
geboren am 29. Juli 1909 in Jefferson City/Missouri. 1927 kam er als schwarzer Student an die Ohio State University, musste das Studium jedoch wegen krimineller Delikte abbrechen. 1928 verübte er einen bewaffneten Raubüberfall und wurde zu 20 Jahren Haft verurteilt. Schon im Gefängnis schrieb er Kurzgeschichten, 1936 wurde er vorzeitig entlassen. 1940 zog Chester Himes nach Kalifornien und arbeitete in der Werftindustrie. Seine Erfahrungen in der Arbeitswelt, mit Rassismus, den Gewerkschaften und kommunistischen Aktivitäten schlugen sich in seinen ersten Romanen nieder. Von verschiedenen Seiten erntete er jedoch herbe Kritik. Himes fühlte sich in den USA missverstanden. Seine erste Ehe scheiterte. 1953 ging er nach Frankreich. Er hatte kein Geld, konnte kaum Französisch und bewegte sich unsicher durch die Literaturszene. Marcel Duhamel, der beim französischen Verlag Gallimard die renommierte „série noir“ herausgab, überredete Himes 1957 zu seinem „Harlem Zyklus“, obwohl Himes Harlem nicht besonders gut kannte. 1958 gewann „A Rage in Harlem“ (Die Geldmacher von Harlem) als erster Titel eines englischsprachigen Autors den „Grand Prix de la Littérature Policière“. Nun wurde Himes in Europa als Kult-Autor gefeiert. In den USA hingegen konnte er sich überhaupt nicht durchsetzen. Nur aus einem einzigen seiner zahlreichen Krimis, „Cotton Comes to Harlem“, wurde ein (nicht allzu erfolgreicher) Kinofilm. Mit seiner zweiten Frau, die er 1978 heiratete, lebte Chester Himes bis zu seinem Tod 1984 in Spanien.

 
Bemerkungen:

Zum 100. Geburtstag von Chester Himes hat SWR dessen erstem "Harlem"-Roman ein hörbares Gewand verliehen. Die Umsetzung greift diese Geschichte an sich gut auf und schafft die nötige derbe Atmosphäre. Hier stimmt Geräusch- und Musikkulisse wirklich sehr gut.

Auch die Besetzung der Sprecher kann sich hören lassen. Eine solche Geschichte darf - in diesem Fall muss sie es sogar - mit prägnanten Stimmen etwas klischeehaft besetzt werden. Sprecher wie Schmitz, Semmelrogge oder Schenk, passen einfach sehr gut hier in diesem Plot. Sehr hörenswert ist hier Martin Semmelrogge, der hier eine sehr stimmige Performance als Erzähler abliefert.

Die Geschichte hat allerdings das Problem, dass man zuviel Geschichte in die Spielzeit presst. Wobei es weniger der Plot ist, als die unüberschaubare Vielzahl der Figuren, die hier für Verwirrung sorgen und so das Hörspiel viel komplizierter machen, als die Geschichte eigentlich ist. Hier hätte man in der Bearbeitung deutlich aussortieren müssen.


"Die Geldmacher von Harlem" ist eine interessante, derbe, aber vor allem unterhaltsame Geschichte. Leider überfordert die Bearbeitung die Spielzeit deutlich. Die auftretenden Figuren hätten für einen Zweiteiler ausgereicht, die Spielzeit von 54 Minuten ist hiermit doch etwas überfordert.
 
Meine Wertung: +
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