Die Geschichten vom Fräulein Pollinger
  
Nach Ödön von Horváth

Bearbeitung: Traugott Kirschke
Regie: Ulrich Heising
BR/SFB 1975
75 Min.
 
Horváth: Herbert Kronlachner
Agnes Pollinger: Helga Anders
Eugen Reithofer: Karl Renar
Kastner: Willy Harlander
sowie Maria Singer, Maria Stadler, Walter Sedlmayr, Rüdiger Hacker, Michael Habeck, Veronika Fitz, Karl Maldek, Hans Stadtmüller und Günther Maria Halmer


„Es war einmal ein Fräulein, das hieß Agnes Pollinger und fiel bei den besseren Herren nirgends besonders auf, denn es hatte nur eine Durchschnittsfigur und ein Durchschnittsgesicht, nicht unangenehm, aber auch nicht hübsch, nur nett. Bis vor ein paar Wochen hatte sie im Kontor einer Kraftwagenvermietung gearbeitet, aber dann wurde sie aus heiterstem Himmel heraus plötzlich arbeitslos infolge der katastrophalen Konjunktur. Fräulein Pollinger blieb trotz allem gutmütig und verschloss sich den Herren nicht.” So beginnen die in München spielenden Geschichten vom Fräulein Pollinger, die der Herausgeber Traugott Krischke nach fragmentarischen Entwürfen Ödön von Horváths adaptierte. Ein Reigen gescheiterter Existenzen, ein Reigen verpatzter Persönlichkeiten oder – wie der Wiener Kritiker Kurt Kahl es formulierte – ein “Bestiarium der deutschen Misere” Ende der Zwanzigerjahre.


Bemerkungen:

Der Vorlage für dieses Hörspiel sind die Fragmente die Ödön von Horváth über die Figur Agnes Pollinger hinterlassen hat. Traugott Krischke hat aus diesen ein Hörspiel geformt, das das Leben dieser Frau, die aufgrund der Wirtschaftskrise und den gesellschaftlichen Gegebenheiten ins Milieu abrutscht und auch irgendwann alle Rückwege ausschlägt.

Das Hörspiel findet nur ein bedingtes Ende, was dem tragischen Unterton, der das Stück begleitet, Rechnung trägt. Gerade die leicht volkstümlich wirkende Erzählweise bildet dazu einen Kontrast, der das Dramatische sogar noch unterstreicht.

Obwohl man hier nur ein einzelnes Schicksal in den Fokus stellt, sind auch die Nebenfiguren von der Zeit geprägt und gebeutelt. So ergibt sich dann auch ein breiteres Bild dieser Epoche.


Die tragische Geschichte im vermeintlich leichten Gewand wird von einem guten Ensemble gespielt, das auch gut und glaubhaft im Dialekt agiert. Hier darf man ohne Reue einschalten.


Meine Wertung: + + +


 
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