| Die geschützten Männer Nach dem gleichnamigen Roman von Robert Merle Übersetzung aus dem Französischen: Anna Mudry Komposition: Unicycleman Hörspielbearbeitung: Bert Koß Regie: Stefan Dutt mdr 2004 68 Min. Mit Siemen Rühaak, Leslie Malton, Cornelius Lipp, Andrea Solter, Bianca Nele Rosetz, Barbara Schöne, Eva Weißenborn, Winnie Böwe u. v. a. Eine verheerende Epidemie rafft in den USA die männliche Bevölkerung im zeugungsfähigen Alter dahin. In panischer Angst vor dem Virus lassen viele Männer sich kastrieren. Eine kontrasexuelle Gesellschaft etabliert sich gegen die alte; phallokratische, und fanatisierte Frauenrechtlerinnen reißen die politische wie die ökonomische Macht an sich. Fernab dieser aus den Fugen geratenen Welt, in den Wäldern des Vermont, wird eine kleine Gruppe von Wissenschaftlern als "protected men" in strenger Isolation gehalten, unter ihnen der Neurologe Ralph Martinelli mit seinem elfjährigen Sohn. Im Auftrag eines Pharmakonzerns arbeitet er an der Erforschung eines Serums gegen die tödliche Enzephalitis - rechtlos, als "Phallokrat" verachtet und mit Abhörgeräten rund um die Uhr überwacht. Bis er eines Tages erfährt, dass sein Tod vorprogrammiert ist und das rettende Serum vernichtet werden soll. Aber auch unter seinen eiskalten Bewacherinnen ist entgegen allem Anschein die Liebe nicht tot. Burage, seine ärgste Kontrahentin, erliegt Martinellis italienischem Charme und versucht ihn zu retten. Robert Merle wurde 1908 in Tebessa/Algerien geboren. Nach Schule und Studium in Frankreich sowie mehrjähriger deutscher Kriegsgefangenschaft war er Professor für Anglistik an französischen Hochschulen. Als Autor wurde Merle mit dem zeitgeschichtlichen Roman "Der Tod ist mein Beruf" (1952) international bekannt. 1949 erhielt er den renommierten Prix Goncourt. 2004 starb Merle in Paris. Bemerkungen: Robert Merle hat hier eine interessante und erschreckende Zukunftsvision konstruiert. Die Idee, eine Seuche, die nur potente Männer befällt, als Ausgangspunkt für einen kompletten Gesellschafts- und Politikwandel zu nehmen, wirkt auf den ersten Blick etwas zu abstrakt, in der Art, wie Merle es jedoch erzählt, passt es aber tatsächlich gut zusammen. Dabei beleuchtet er gar nicht soviele Details, was ihn dann auch nicht in Erklärungsnot bringt. Aus der geänderten Situation, einem totalitären Matriachat, entwickelt sich dann eine Untergrundgeschichte, bei der der Protagonist nicht nur Spielball zwischen weiblichen Fronten, sondern auch als "geschützter Mann" ein - im wahrsten Sinne des Wortes - begehrtes Objekt wird. Merles Geschichte ist spannend, hintergründig, aber auch zum Teil etwas ordinär in der Wortwahl. Die Umsetzung wirkt sehr klassisch und erinnert an die beliebten SF-Hörspiele der 60er und 70er Jahre. Die sehr auf das Schauspiel bezogene Produktion wird vom Ich-Erzähler Martinelli begleitet. Siemen Rühaak löst diese Doppelaufgabe sehr konsequent. Er agiert sehr sachlich und nüchtern, was das klassische Protagonistenbild doch stark wiederspiegelt. Im weiteren Ensemble gibt es viele große Stimmen, die mit guten Leistungen überzeugen. Ein absoluter Hinhörer ist allerdings der kleine Auftritt von Barbara Schöne. Das ist so auf den Punkt besetzt, als habe Merle bei der Erschaffung der Figur, ihre Stimme im Ohr gehabt. "Die geschützten Männer" ist ein Hörspiel, das ich insbesondere Fans der "guten alten Radio-SF" unbedingt ans Herz legen möchte. Der mdr hat hier eine sehr interessante Geschichte von Stefan Dutt sehr klassisch inszenieren lassen. Hier darf man gerne einschalten! Meine Wertung: + + + + |
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