Die Kameliendame
  Autor: Alexandre Dumas fils
  Produktion: BR 1963
  Regie: Heinz-Günter Stamm
  Musik: Heinz Brüning
  Länge: 99 Min.

Mitwirkende:

Marguerite Gauthier: Joana Maria Gorvin
Armand Duval: Klausjürgen Wussow
Duval Père: Eberhard Müller-Elmau
Baron von Varville: Horst Tappert
Saint Gaudens: Heini Göbel
Graf von Giray: Werner Hessenland
Gaston: Reinhard Glemnitz
Gustave: Horst Sachtleben
Prudence Duvernoy: Lina Carstens
Olympia: Helen Vita
Nanine: Christa Berndl
u.a.


Inhalt:

Die schöne, hochherzige Kurtisane Marguerite liebt Armand, einen vornehmen jungen Mann, so sehr, daß sie für ihn ihr leichtes Leben aufgibt. Als ihr aber sein Vater vorhält, sie stehe Armands Glück im Wege und schädige das Ansehen der ganzen Familie, verläßt sie den Geliebten und kehrt in ihr altes Milieu zurück. Willig erträgt sie außer dem Trennungsschmerz auch Armands Verachtung, der ihre wahren Motive erst erfährt, als Marguerite, die lungenkrank ist, schon im Sterben liegt.

Bereits der 1848 erschienene Roman war ein großer Erfolg, doch die vier Jahre später stattfindende Premiere der dramatisierten Version gehörte zu den aufsehenerregendsten französischen Bühnenereignissen des 19. Jahrhunderts. Die "Kameliendame" ist das erste und langlebigste aus der Reihe der naturalistischen Sittendramen, die im Dienste der bürgerlichen Moral über die Bühne zogen: Eine grenzenlos liebende Sünderin revoltiert nicht gegen die Regeln der Gesellschaft, sondern opfert sich ihnen heroisch auf.
Bemerkungen:
"Die Kameliendame" ist ein gut gelungenes Sittengemälde, das einen interessanten - wenn natürlich auch begrenzten und der fiktion unterworfenen - Blick auf das gesellschaftliche Gefüge im Frankreich des 19. Jahrhundert wirft.

Es ist auch eine ergreifende und tragische Liebesgeschichte, aber entscheidender ist deren Kampf gegen die Moral, bzw. besser Doppelmoral jener Zeit.

In der Hörspielumsetzung des BR aus dem Jahr 1963 wirkt allerdings die Romanze deutlich stärker, als es in der Vorlage der Fall ist. Die im Buch vorhandene Oberflächlichkeit der Liebesbeziehung zwischen Armand und Marguerite, bleibt hier durch die Dichte der Bearbeitung etwas außen vor. Damit verstärkt sich hier ein wenig der dramatische Aspekt, was aber dem Unterhaltungswert zu Gute kommt.

Die Umsetzung setzt den Fokus auf eine bühnennahe Gestaltung. Das räumliche Spiel und die Interaktionen stehen deutlich im Vordergrund. Gerade im Vergleich zum heute eher gängigen Verfahren, Sprecher einzeln aufzunehmen, ist dieses gemeinsame Einsprechen auch in einer recht großen Gruppe ungewöhnlich, schafft aber eine sehr vorstellbare Kulisse.

Dazu gestaltet man den Hintergrund mit einigen wenigen Geräuschen aus. Dabei geht es eher spartanisch zu, gerade das, was die Handlung vorgibt, ist auch zu hören.

Als Musikeinlagen gibt es ein paar wenige klassische Stücke, die zwischen den Szenen als Trenner fungieren. Dazu sind ein paar Lieder in die Handlung verwoben.


Natürlich merkt man dieser Produktion ein wenig den Staub an, den sie in den Archiven des BR angesetzt hat. Dafür gibt es aber gute schauspielerische Leistungen und eine gute geraffte Darstellung des Stückes.

 

 
meine Wertung: + + +

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