Die Legende vom heiligen Trinker
  Autor: Joseph Roth
  Produktion: WDR 1960
Regie: Raoul Wolfgang Schnell
Bearbeitung: Theodor Fischer
  Länge: 56 Min.

Mitwirkende:

Der Trinker: Horst Tappert
Saufkumpan: Siegfried Wischnewski
Boxer: Rolf Boysen
Verkäuferin: Wera Peterson
Tänzerin: Eva Berthold
Frau: Gisela von Collande
Mädchen: Eva-Maria Kox
Herr mit dem Kindergesicht: Heinz Schacht
Herr gesetzten Alters: Kurt Lieck
Erzähler: Eduard Marks
Frank Barufski, Carl Brückel, Manfred Brückner, Karl-Heinz Delow, Curt Faber, Klaus-Dieter Fröhlich, Hans Fuchs, Harry Grüneke, Günter Kirchhoff, Peter Kollek, Fritzleo Liertz, Eugen Lundt, Alwin Joachim Meyer, Wolf Schlamminger, Eberhard Schwab, Willy Walther

Inhalt:

Andreas, der unter den Seinebrücken von Paris nächtigt, begegnet an einem Frühlingsabend des Jahres 1934 das "Wunder" in Gestalt eines älteren, gutgekleideten Herrn, der ihm 200 Francs schenkt und daran die Bedingung knüpft, er solle sie der heiligen Therese von Lisieux in der Kapelle Sainte-Marie des Batignolles zurückgeben. Mit diesem Wunder gerät Andreas in einen Wirbel glücklicher und glückloser Begebenheiten. Seine redliche Absicht, das Geld vollzählig zurückzuerstatten, wird immer wieder von seiner einfältigen Leichtlebigkeit und Achtlosigkeit durchkreuzt. Doch jedes Mal, wenn das Geld zur Neige geht, wird es durch Zufall wieder aufgefüllt. Schließlich aber scheitert sein letzter Versuch, sein Versprechen zu halten. In einem Bistro gegenüber der Kapelle vertrinkt er mit einem Kumpan das Geld. Er bricht zusammen, wird in die Kapelle gebracht und stirbt um Vergebung bittend in den Armen eines fremden Mädchens, das den Namen der Heiligen trägt und in der er in seiner trunkenen Einfalt diese zu erkennen glaubt.


Bemerkungen:

Eine - im wahrsten Sinne des Wortes - wundervolle Geschichte präsentiert Joseph Roth mit seiner "Ballade vom heiligen Trinker". Sein "Andreas" ist kein Held im eigentlichen Sinne - Ein Verlierer, dem am Ende seines Weges immer wieder kleine Wunder begegnen und das, obwohl er immer wieder alle Versprechungen u. ä. bricht. Immer tiefer lässt Roth seinen "Andreas" sinken. Dabei zieht er aber den Hörer nicht mit sich, denn es gelingt, die Tragik des Stückes nicht zu sehr überschwappen zu lassen und mehr das Gefühl einer wohligen Melancholie zu verbreiten.

Die Produktion aus der guten alten Zeit der Radiohörspiele überzeugt mit einem großartigen Horst Tappert in der Titelrolle. Daneben sind Größen wie Siegfried Wischnewski oder auch Rolf Boysen zu hören.

Ein hörenswerter Klassiker der trotz großer Tragik nie ins Schwermütige kippt.

Meine Wertung: + + +




 
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