Die leuchten in der Nacht

Hörspiel nach dem Theaterstück von Gerhard Meister

Hörspielfassung: Gerhard Meister
Musik: Martin Bezzola
Dramaturgie und Regie: Reto Ott
DRS 2010
52 Min.


Journalistin: Miriam Japp
Mann in der Wohnung: Philippe Graber
Frau aus dem Hubschrauber: Francesca Tappa
Sascha: Herwig Ursin


Im nächsten Frühling jährt er sich zum 25. Mal: der atomare Super-GAU von Tschernobyl. Heute jedoch, glaubt man der Politik, scheint die Atomkraft wieder eine Zukunft zu haben. Noch eine Katastrophe will man sich nicht vorstellen.

«Atomkraftwerke, das sind die 80er, die 70er, das ist tiefstes letztes Jahrtausend mit diesen Nein-Danke-Klebern von besseren Menschen. (…) Das hat doch mit heute nichts zu tun», heisst es im neuesten Stück des Schweizer Dramatikers Gerhard Meister. Darin imaginiert er, nüchtern im Ton, doch beklemmend realistisch, die Zukunft des Landes, nachdem ein Reaktor geplatzt ist. Die Deutschschweiz ist ein verstrahltes Sperrgebiet, das von einer Schutzmauer umgeben ist und von der EU als Endlager genutzt wird. Die Wirtschaftselite hat sich abgesetzt und von der einstmalig blühenden Zivilisation sind nur noch Reste vorhanden. Warlords bekriegen sich und verrohte Menschen hausen in Ruinen wie in Höhlen. In vier ineinander verzahnten Monologen beschreibt der Autor die Apokalypse als Normalfall. Das ist beklemmend, aber auch grotesk. Und manchmal sogar ein klein wenig magisch.

Das Hörspiel basiert auf einer Inszenierung des Aargauer «Theater Marie» (Regie: Nils Torpus).


Gerhard Meister, geboren 1967, ist gegenwärtig einer der produktivsten Dramatiker der Schweiz. Neben zahlreichen Theaterstücken schreibt er regelmässig Hörspiele und steht auch selber auf der Bühne, als Protagonist der erfolgreichen Spoken-Word-Gruppe «Bern ist überall». Gerhard Meister stammt aus dem Emmental und lebt mit seiner Familie in Zürich.


Bemerkungen:

Ein Endzeitszenario, das aufgrund der stets vorhandenen atomaren Risiken zwar immer aktuell ist. Durch Fukuchima wirkt das Thema aber noch ein wenig einprägsamer nach. "Die leuchten in der Nacht" beschreibt die Zeit nach einem GAU aus vier Perspektiven; vier Menschen, die alle auf unterschiedliche Weise von der Lage betroffen sind und mit ihr umgehen müssen. Das Stück ist im ersten Teil sehr eindrücklich, weil sich durch die Beschreibungen der allgemeinen Lage ein vorstellbares Bild ergibt. Mehr und mehr wandern die Figuren aber vom Allgemeinen ab und widmen sich ihrem persönlichen Umgang mit der Situation. Auch, wenn das nichts von der Brisanz des Themas nimmt, verliert das Stück hier aber leicht.

Sieht man es positiv, verschließt sich Meister hier der Effekthascherei und erschafft so eine Geschichte, die mehr auf das einzelne Schicksal fokussiert, um daraus ein Bild der Katastrophe zu machen.

Vielleicht hätte es zu einer besseren Wertung gereicht, wenn man zum Ende hin, dem Stück etwas mehr Dramatik verliehen hätte. So sinkt aber leider das Hörinteresse mehr und mehr dahin und es bleibt der Eindruck eines vielversprechend beginnenden Hörspiels, das diese Erwartungen nicht ganz erfüllen kann. So bleibt es ein hörenswertes Stück, aber leider kein Muss.

Meine Wertung: + +

 
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