Die Minute

Kriminalhörspiel von Eva Maria Mudrich

Regie: Harald Koerner
SWF 1980
57 Min.


Rolf Kassner: Dieter Borsche
Marion Kassner: Marianne Mosa
Günter Heferich: Christoph Quest
Vater Heferich: Wolfgang Reinsch
Peter Persch: Stefan Behrens
Richter: Helmut Wöstmann
Frau Münzbecher: Margarete Salbach


Der wohlhabende Unternehmer Kassner erhält unangemeldeten Besuch. Günter Helfrich, der Sohn seines vor mehreren Jahren wegen Unterschlagung entlassenen Buchhalters, ist in die Wohnung eingedrungen und bedroht Kassner mit einer Pistole. Es geht ihm weder um Geld, noch um die Erfüllung irgendwelcher Forderungen. Helfrich will Kassner töten, um, wie er sagt, die menschliche Ordnung wieder herzustellen. Ein Verrückter? Was hat er Kassner überhaupt vorzuwerfen? Wieso versucht er es mit Selbstjustiz? Seltsamerweise bleibt der Bedrohte ruhig, als ob er nichts zu verlieren hätte. Und aus der Minute, die Helfrich ihm vor dem Tod geben wollte, wird eine knappe Stunde.

Eva Maria Mudrich
(1927-2006) geboren in Berlin. Ab 1970 schrieb sie vorwiegend Hörspiele. Sie gehört zu den wenigen deutschsprachigen Autorinnen, die sich mit dem Science-Fiction-Hörspiel befassten, das in den achtziger Jahren besonders vom Süddeutschen Rundfunk gepflegt wurde. Für „Sommernachtstraum“ erhielt sie 1993 den Kurd-Laßwitz-Preis. Sie starb 2006 in Saarbrücken.


Bemerkungen:

Eva Maria Mudrich gehört zu den Autoren, die mich zum Fan von Radiohörspielen gemacht haben. Ihr "Vogel im Käfig" gehört seit Jahren zu meinen absoluten Lieblingshörspielen und auch andere Produktionen aus ihrer Feder kann ich jedem nur empfehlen. Insofern war die Erwartungshaltung bei "Die Minute" entsprechend groß.

Auch hier gibt es den typischen Kampf zwischen zwei unterschiedlichen Gegnern, der bei Mudrich so oft den Plot trägt, auch hier wird das Stück größtenteils von nur zwei Figuren, Rolf Kassner und Günter Helfrich, getragen. Letzterer macht den Unternehmer Kassner für sein verpfuschtes Leben verantwortlich, das sich ihm im beim Tode seines Kompagnons offenbarte. Er sucht dafür die Rache, doch diese erweist sich als undurchführbar.

Zu Beginn wirkt die Geschichte etwas konstruiert, da die Motive zunächst etwas merkwürdig erscheinen. Erst als sich gegen Ende die Vita beider Konkurrenten offen liegt, wird das Geschehen nachvollziehbarer. Mudrich belässt es nicht dabei, sondern versieht das Stück noch mit einigen Wendungen, die in einem überraschenden Finale enden.

Bei den Sprechern überzeugt Dieter Borsche als Unternehmer ebenso, wie Christoph Quest als Helfrich. Bei Sprecher haben ja eine beeindruckende Vita im Hörspielbereich und agieren hier mit all ihrer Professionalität. Die Nebenrollen kommen meist nur in den kleinen Rückblenden vor, auch hier gibt es an der Ensembleleistung nichts zu meckern.


Auch wenn "Die Minute" nicht ganz mit den besten Produktionen mit Geschichten der Autorin mithalten kann, so scheitert man hier letztlich nur knapp an der Höchstwertung. Die Mudrich-Latte liegt nun mal sehr hoch - insofern kann ich auch dieses Hörspiel bedenkenlos empfehlen - ein hörenswerter Krimi ist es allemal!


Meine Wertung: + + + +

 
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