| Dienstag von Helmut Krausser Regie: Bernhard Jugel/Helmut Krausser BR 2000 41 Min. Mit Karin Anselm, Christiane Roßbach, Michael Tregor Die Szenerie: Eine Dachwohnung irgendwo. Die dominante Mutter und ihr seelisch verkrüppelter Sohn warten auf die nächste „Anna“ aus der Kontaktanzeigenzeitung. Denn alle Frauen sind „Anna“ und wollen der Mutter den Sprössling stehlen. Was verhindert werden muss. Der rote Wein ist warmgestellt, die Rollläden sind heruntergelassen, das Mordbeil gewetzt. Aber „Anna“ heißt diesmal Elke, fügt sich ganz und gar nicht in das ihr zugedachte Schicksal, und alles kommt anders als gewohnt. Ein bitterböser Kampf beginnt, mit immer neuen, überraschenden Wendungen. Wird Elke, die selbst ein „kleines Damenbeil in der Handtasche trägt”, zerstückelt in Mülltüten landen, wie ihre Vorgängerinnen, oder kann sie den Sohn davon überzeugen, dass es diesmal – endlich – die Mutter erwischen sollte? Alle Akteure argumentieren, ständig in neue Rollen verfallend, um ihr Leben, auch der Sohn, der nie ein eigenes hatte. Die Produktion wurde von der Jury der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste als Hörspiel des Jahres 2000 ausgezeichnet. In der Begründung heißt es: „Szenen einer ins Groteske umgekippten Normalität: Dienstag schafft es auf beispielhafte Weise, eine Geschichte einerseits spannend zu erzählen und sie doch immer wieder mit neuen Wendungen und Reflexions-Ebenen aufzubrechen.“ Helmut Krausser, geb. 1964 in Esslingen. Schriftsteller. 2007/08 Poetikprofessur an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Hörspiele u.a. Denotation Babel (HR/DLR/WDR 1998, Prix Italia), Schmerznovelle (BR 2001), ARD Radio Tatort: Laute und leise weibliche Schreie (HR 2009). Bemerkungen: Das "Hörspiel des Jahres 2000" - 41 Minuten lang fragte ich mich, warum? Zugegeben, der Toleranteste in Sachen Hörspielkunst bin ich sicherlich nicht, aber was bitte ist an dieser Produktion so besonders, dass man sie über alle anderen Produktionen eines Jahres stellen müsste? Ich vernehme hier nur eine - zugegeben nicht uninteressante - Verbalschlacht zwischen drei sehr ordentlich agierenden Sprechern. Das Niveau ist sprachlich hoch, allerdings inhaltlich doch sehr bescheiden. Das ständige Wiederholen sexueller Anzüglichkeiten ist eher platt, zumal wenn hier mit bräsigen Wortspielen á la "Vagina pectoris" im Sinkflug Schützenfestniveau anvisiert wird. Dabei ist die Grundidee des Hörspiels gar nicht so übel, im Gegenteil - der Plot ist sogar richtig originell und bitterböse. Allerdings ist die Art, wie man dies in Worte fasst, doch sehr merkwürdig und kannden Hörspaß schon deutlich nach unten fahren. Immerhin: Es gibt offenbar Hörer, die hier ein - im wahrsten Sinne des Wortes - ausgezeichnetes Hörspiel gehört haben, von mir kann man jedoch keine Empfehlung erwarten. Dazu wurde die gute Grundidee mit zu wenig Ansprechendem präsentiert. Meine Wertung: - |
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