Die Päpstin
von Donna W. Cross



Übersetzung aus dem Amerikanischen: Wolfgang Neuhaus
Hörspielbearbeitung: Friedrich Bestenreiner
Komposition: Steffen Schleiermacher
Regie: Niklaus Walter
MDR 2000
Teil 1: 78 Min.
Teil 2: 75 Min.



Mit: Angelica Domröse, Thomas Holtzmann, Hilmar Thate, Corinna Kirchhoff, Ernst Jacobi, Vadim Glowna, Hellmut Lange, Peter Fricke, Gunter Schoß, Jürgen Thormann, Marlies Reusche, Horst Schönemann und vielen anderen


Rom vor1.000 Jahren, in der Mitte des 9. Jahrhunderts: Die Oberhäupter der Christenheit haben einen neuen Papst gewählt. Doch dieser Johannes Anglicus I. ist in Wahrheit eine Frau. Die nach einer historischen Legende überlieferte Geschichte der Johanna von Ingelheim, die im Jahre 853 den Papstthron besteigt, erzählt vom Schicksal einer klugen, mutigen und wissbegierigen Frau, die gegen ihr Zeitalter aufbegehrt. Aeskulapius, ein Pädagoge aus Byzanz, erkennt Johannas außerordentliche Intelligenz und weist sie in die Lehren der Philosophie und Logik ein. Vom fränkischen Ingelheim geht sie, als Benediktiner-Mönch verkleidet, in das berühmte Kloster Fulda. Dort erlernt sie die Kunst des Heilens und wird zum Priester geweiht. In Rom gelangt sie als Leibarzt des Papstes Sergius binnen kurzer Zeit zu großer Berühmtheit. Und schließlich ist sie es selbst, die die Geschicke der katholischen Kirche lenkt: als Papst Johannes Anglicus. Mythos oder Wahrheit? Eine Frau auf dem heiligen Stuhl in Rom? Ob die bis ins 17. Jahrhundert populäre Frauengestalt tatsächlich aus den Annalen des Vatikans getilgt wurde, bleibt bis heute ungeklärt.


Donna W. Cross, 1974 in New York City geboren, war in der Verlagsbranche tätig, lehrte "Creative Writing" und publizierte Sachbücher sowie Ratgeber. Mit ihrem 1996 publiziertem Roman gelang der Schriftstellerin einer der größten internationalen Bestseller des letzten Jahrzehnts.


Bemerkungen:

Mit "Die Päpstin" hat der mdr sich einer sehr erfolgreichen Vorlage angenommen. Diese erzählt das komplette Leben der Johanna von Ingelheim, die es schafft, sich als Mann auszugeben und bis in das Amt des Papstes zu gelangen. Dafür gönnt man sich gerade mal gut 150 Minuten Spielzeit - was nicht nur auf den ersten Blick wenig erscheint.

Denn tatsächlich ist das kaum ausreichend, um alle Aspekte des Buches angemessen zu berücksichtigen. Man löst dies, in dem man ganze Passagen nur mit wenigen Erzählersätzen zusammenfasst. Das wäre kein großer Beinbruch, würde nicht hier und da die Hinführung zum Spannungselement erhoben werden. Als Beispiel sei hier die Bedrohung des Kaisers gegenüber dem Papst genannt, die sehr spannend geschildert wird - die Lösung des Konfliktes wird dann aber nur kurz durch den Erzähler erwähnt.

Damit gelingt es, zwar viel in das Skript hineinzupacken, es wirkt dadurch aber hier und da etwas oberflächlich. Inhaltlich kann diese Produktion an so glänzende Umsetzungen historischer Themen wie "Die Säulen der Erde" oder "Der Name der Rose" nicht konkurrieren, auch wenn die Geschichte an sich sicherlich interessant und tiefgründig genug ist, um hier mithalten zu können.

Die technische Seite der Umsetzung überzeugt jedoch in allen Belangen. Ein exzellentes Sprecherensemble schafft es, den Figuren Leben einzuhauchen und mit durchweg guten Leistungen zu überzeugen. Das gilt insbesondere für Angelica Domröse, auch wenn sie von der Stimmfarbe eigentlich nicht zu dieser "Hosenrolle" passt.
Die Kulissen leben von den guten und stimmigen Kompositionen Steffen Schleiermachers. Sie hauchen dem Hörspiel die nötige historische Atmosphäre ein.


Eine gute Vorlage, eine gute technische Produktion - einzig die Hörspielumsetzung als Skript hängt ein wenig der Qualität hinterher. Dennoch reicht es für ein "noch" gutes Hörspiel, da auch viele positive Aspekte vorhanden sind.

Meine Wertung: + + +
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