Die Palette

Nach dem gleichnamigen Roman von Hubert Fichte
Hörspielbearbeitung und Regie: Susanne Amatosero

NDR 2010
90 Min. 


Mit Tim Grobe und Schüler und Schülerinnen der "Schule für Schauspiel Hamburg"

Regisseurin Susanne Amatosero, im Hintergrund Schüler und Schülerinnen der "Schule für Schauspiel Hamburg", Bild: NDR/Fritz Meffert
Regisseurin Susanne Amatosero, im Hintergrund Schüler und Schülerinnen der "Schule für Schauspiel Hamburg"

Schüler und Schülerinnen der "Schule für Schauspiel Hamburg" als Chor der Palette, Bild: NDR/Fritz Meffert
Schüler und Schülerinnen der "Schule für Schauspiel Hamburg" als Chor der Palette

Tim Grobe als Dschingis Khan und Doktor, Bild: NDR/Fritz Meffert
Tim Grobe

Tim Grobe mit José Barros Moncada und Marcel Lindemann, beide Schüler der "Schule für Schauspiel Hamburg", ein Teil des Chores der Palette, Bild: NDR/Fritz Meffert
Tim Grobe mit José Barros Moncada und Marcel Lindemann, beide Schüler der "Schule für Schauspiel Hamburg", ein Teil des Chores der Palette

Bilder: NDR/Fritz Meffert

Schauplatz des 1968 veröffentlichten Romans von Hubert Fichte ist das ehemalige Hamburger Szenelokal "Die Palette": Treffpunkt für Lebenskünstler und Beatniks, Gauner, Homosexuelle, Prostituierte, Zuhälter und Drogensüchtige. Zentrale Figur des Romans ist der etwa dreißigjährige Jäcki. Drei Jahre lang ist er Stammgast in der heißen und engen Kellerkneipe in der Hamburger Neustadt. Jäcki lernt die Gäste näher kennen und wird zum Dokumentar unzähliger Geschichten, denn "jeder Besuch in der Palette ist wie ein Roman".

Jäcki ist eine Kunstfigur Fichtes, der selbst Stammgast in der Palette war. Mit Jäcki erkundet er die Möglichkeiten seines eigenen Ichs."„Ich schreibe auf", heißt es im Roman, "was ich über die Palette weiß und führe Jäcki rum." Das Lokal wurde 1964 geschlossen. Zwei Jahre später liest Hubert Fichte aus seinem gerade fertiggestellten Buch im Hamburger Star Club und wird berühmt.


Hubert Fichte, geboren am 21.3.1935 in Perleberg/Westprignitz, wuchs in Hamburg und Oberbayern auf. Mit 16 Jahren verließ er die Oberschule, versuchte sich auf Hamburger Nachkriegsbühnen als Schauspieler und war zwei Jahre Schafhirte in der Provence. Seit 1963 freier Schriftsteller. Aus Reisen und anthropologischen Studien u.a. in Bahia, Haiti und Trinidad gingen zahlreiche Rundfunkarbeiten, Features und Hörspiele hervor. Zu seinen bekanntesten Werken zählen: "Das Waisenhaus" (1965), "Versuch über die Pubertät" (1974), "Xango" (1976), "Wolli Indienfahrer" (1978) und "Die Geschichte der Empfindlichkeit" (1987). Er starb am 8.3.1986 in Hamburg.


Bemerkungen:

Von diesem berühmten Werk hätte ich mir etwas mehr versprochen, als diese Hörspielfassung bieten konnte. Es liegt allerdings nicht daran, dass der Inhalt nicht stimmte, vielmehr ist es die etwas starre Inszenierung, die - wie es die Mode (und vermutlich das Budget) befiehlt, mal wieder als inszenierte Lesung daherkommt. Sicherlich schafft man mit den Zwischensequenzen eine recht lockere Atmosphäre, besonders ansprechend ist das jedoch nicht. Als positives Argument kann man die Werktreue anführen, der in diesem Format doch eher Rechnung getragen wird, als wenn man die Vorlage in ein echtes Hörspielformat umgesetzt hätte, die Frage ist dann allerdings, ob man dann nicht tatsächlich auf dramatische Elemente ganz verzichten sollte.

Immerhin wird durch die Einbindung der vielen Stimmen im Chor, das Stück origineller, als es mit dem aktuellen Standard, den Stoff durch zwei bis fünf Schauspieler einfach vorlesen zu lassen, wohl geworden wäre.


Inhaltlich - nicht nur für Hamburger und/oder die Zeitzeugen - sehr interessant, in der Umsetzung schwankt es zwischen spröde und "hätte schlimmer kommen können". Positiv ist zudem, dass man neben Tim Grobe vielen jungen Schauspielern Gelegenheit gibt, sich in einem solchen Projekt zu beweisen. Sie danken es mit hörenswerten Leistungen. Nicht der erwartet große Wurf, sogar etwas spröde, aber das Hörspiel baut auf einer soliden Grundlage: Dem Roman von Hubert Fichte. Insofern kann man hier durchaus ein Ohr riskieren.

Meine Wertung: +

 
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