Die Schandmaske
Nach dem gleichnamigen Roman von Minette Walters
Hörspielbearbeitung und Regie: Walter Adler
SDR 1997
110 Minuten




Mathilda Gillespie: Ingrid Andrée
Sergeant Cooper: Otto Sander
Dr. Sarah Blakeney: Corinna Kirchhoff
Jack Blakeney: Rufus Beck
Ruth Lascelles: Katharina Zapatka
Joanna Lascelles: Donata Höffer
Duncan Orloff: Peter Schiff
Violett Orloff: Elisabeth Schwarz
Dr. Cameron: Klaus Weiss
Reverend Matthews: Wolfgang Höper



Die Tote liegt in der Badewanne. Seit zwei Tagen schon. Die Tote heißt Mathilda Gillespie, ist 65 Jahre alt. Und sie ist die am meisten gehasste Person der kleinen Ortschaft Fontwell bei London. Mathilda hat sich wegen ihrer schweren Krankheit das Leben genommen. So möchte es die Polizei. So möchten es die erbschaftsgierigen Angehörigen. Aber warum trägt die Tote dieses monströse Gebilde aus Leder und rostigem Eisen auf dem Kopf? Die Schandmaske! Erfunden in finsterer mittelalterlicher Zeit, um zänkische Frauen zum Schweigen zu bringen. Dr. Sarah Blakeney, seit einem Jahr ihre Hausärztin, glaubt nicht daran, dass Mathilda Gillespie Suizid begangen hat. Der Tod von Mathilda Gillespie bringt nicht nur die Dorfbewohner, sondern auch die Verwandten und die Polizei in Aufruhr: Zur allgemeinen Überraschung stellt sich nämlich jetzt auch noch heraus, dass Mathilda, kurz vor dem Tod, ihre Hausärztin Dr. Sarah Blakeney als Alleinerbin des beträchtlichen Vermögens eingesetzt hat! Jetzt ist die Ärztin die Hauptverdächtige. Und bis Mathildas Tod aufgeklärt ist, werden noch zahlreiche Beziehungen auf den Prüfstand gestellt. Und sämtliche Charaktere aufs Peinlichste durchleuchtet.

Minette Walters, geboren 1949 in Bishoph’s Stortford, lebt als Kriminalschriftstellerin in Dorset/England. 1992 landete sie mit ihrem Krimidebüt »Im Eishaus« auf Anhieb einen Bestseller. In den Folgejahren erhielten ihre Bücher viele Auszeichnungen, sie zählt inzwischen zu den beliebtesten und meistgelesenen Krimiautorinnen weltweit. Der Kriminalroman »Die Schandmaske« wurde mit dem Golden Dagger ausgezeichnet.


Bemerkungen:

In "Die Schandmaske" zieht Minette Walters ein düsteres Bild eines sonst so beschaulichen englischen Dörfchens. Nach dem Mord (oder Selbstmord?) einer alten, nicht sonderlich beliebten Frau, bröckeln die biederen Fassaden und von Minute zu Minute öffnen sich immer mehr Abgründe. Walters jongliert mit einer Vielzahl von Personen, die nahezu allesamt verdächtig sind und einer entsprechenden Menge an möglichen Motiven. Das macht es für das Hörspiel schwierig, denn um hier alle diesbezüglichen Aspekte des Buches zu bringen, benötigt man den Großteil der Spielzeit. Allerdings sorgt dieser starke Fokus auf den Plot nicht dafür, dass es besonderes temporeich zugeht und man von einem spektakulären Dialog in den nächsten gerät. Eher das Gegenteil ist der Fall, es ermüdet fast, da man sich etwas zu sehr in der Figurenvielzahl verzettelt.

Die Umsetzung trägt das Bild eines guten alten englischen Krimis. Das Flair einer Agatha-Christie-Geschichte umweht die Inszenierung, auch wenn der Inhalt doch deutlich herber und moderner ist. Die Szenerie der beschaulichen Vorstadtkulisse wird gut eingefangen. Unterbrochen wird die chronologische Schilderung von den Rückblenden in Tagebuchform durch das Opfer selbst. Ingrid Andrée spricht die Figur der kantigen Mathilda sehr glaubwürdig.

Überhaupt ist das Sprecherensemble beachtlich. Otto Sander gibt "seinem" Seargent eine besondere Farbe. Er füllt diese Rolle sehr interessant und agiert angehm an gängigen Stimmklischees vorbei. In weiteren Rollen machen insbesondere Rufus Beck, Katharina Zapatka und Peter Schiff mit sehr guten Leistungen auf sich aufmerksam.


"Die Schandmaske" ist für Freunde des guten alten englischen Krimis sicherlich empfehlenswert - man sollte allerdings beachten, das die Abgründe etwas tiefer sind, als man es in dieser Krimispezies gewohnt ist. Ein Manko dieser Produktion ist, dass man hier etwas zuviel Stoff untergebracht hat und der Plot sich so ein wenig im Geflecht der Motive und Figuren verliert.

Meine Wertung: + + +
 
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