Die Süße des Lebens

nach dem gleichnamigen Kriminalroman von Paulus Hochgatterer

Hörspielbearbeitung und Regie: Steffen Moratz
SWR 2007
109 Min.


Kommissar Ludwig Kovacs: Franz Nagel
Mauritz: Oliver Stern
Sabine Wieck: Sascha Icks
Florian Lipp: Christian Brey
Joseph Baur: Bernhard Schütz
Joachim Fux: Helmut Vogel
Björn Gasselik: Mirco Kreibich
Daniel Gasselik: Jonas Baeck
Dr. Raffael Hörn: Andreas Schlager
Luise Maywald: Sabine Waibel
Ernst Maywald: Thomas Höhne
Sebastian Wilfert: Friedrich von Bülow
Luise Maywald: Sabine Waibel
Katharina Maywald: Julika Eisinger
Töllmann/Victor Groh: Klaus Spürkel
Ayman Amro, Nicole Boguth, Christine Davis, Susana Fernandes-Genebra, Felix Goeser, Gertraud Heise, Thomas Höhne, Mandy Rudski, Andreas Szerda, Mitwirkende von Salt-o-vocale Baden Baden

Ich weiß, wenn ich lange genug hier in der Kälte stehe, nur mit dem Umhang und meinen Gedanken, wird alles wieder normal werden, und wenn dieser alte Mann mit der durchgeschnittenen Kehle und dem zermanschten Kopf tief in der Erde liegt und das Loch zugeschüttet ist, wird alles vorüber sein.

Waren Sie schon einmal in Furth am See? Das nette österreichische Provinzstädtchen liegt irgendwo zwischen Gmunden und Zell und wirkt gerade in der Vorweihnachtszeit besonders idyllisch. Doch schon bald entpuppt es sich als wahres Mördernest. Zum Glück ist es nur erfunden, denn dort leben hauptsächlich Psychopathen. Ein prügelnder Familienvater, ein selbstmordgefährdeter Postbote, ein schizophrener Benediktinerpater und eine teufelsaustreibende Wöchnerin gehören zum Tagesgeschäft von Psychiater Horn, während Kriminalkommissar Kovacs mit dem nackten Grauen konfrontiert wird: In einer kalten Dezembernacht liegt ein alter Mann tot im Schnee. Sein Kopf ist zermalmt. Seine kleine Enkelin Katharina findet ihn – und hört auf zu sprechen. Die einzige Zeugin kann nicht befragt werden. Wie kann man ein siebenjähriges Mädchen wieder zum Reden bringen? Und was hat der gestörte Junge damit zu tun, der, als Darth Vader verkleidet, mit Messer und Hammer »Star Wars« spielt? Raffael Horn wird eingeschaltet, der als Psychiater die Verhältnisse in Furth am See kennt wie niemand sonst. Gegen seinen Willen wird er in die Aufklärung eines Falls hineingezogen, der eine Dimension entwickelt, die zunächst keiner ahnt. Was das Verbrechen angeht, bastelt jeder an seiner eigenen Wahrheit, denn das Motiv liegt ebenso im Dunkeln wie die Art der Tatwaffe. Aus mehreren Perspektiven wird nun beleuchtet, wie eine Kleinstadt mehr und mehr aus den Fugen gerät. Unter ihrer Oberfläche scheint das beunruhigende Psychogramm einer zerstörten Gesellschaft auf, vor der man fliehen möchte. Sie hat ein Geheimnis, das wir nicht kennen wollen. Aber wir haben leider keine Chance. Furth am See ist überall.


Paulus Hochgatterer
geboren 1951 in Amstetten/Niederösterreich, lebt als Schriftsteller und Kinderpsychiater in Wien. Er erhielt für seine Romane und Erzählungen diverse Preise und Auszeichnungen, u. a. das Elias-Canetti-Stipendium der Stadt Wien. »Die Süße des Lebens« wurde 2007 mit dem Deutschen Krimipreis (2. Platz) bedacht.


Bemerkungen:

Paulus Hochgatterers Bestseller wurde von Stefan Moratz gut in ein Hörspielformat transportiert. Trotz der notwendigen Verdichtungen bleiben formale Elemente, wie die Erzählung aus verschiedenen Perspektiven und in unterschiedlichen Stilen, erhalten. Das bringt es aber auch mit sich, dass die Geschichte nicht mit großen Schritten voranschreiten kann, da diese individuellen Betrachtungen einen gewisssen Raum einnehmen. Durch diese einzelnen Sichtweisen gibt es allerdings keine wirklichen Wiederholungen, so dass sich insoweit keine Langeweile einschleicht.

Der Krimi überrascht mit einem bitterbösen Finale, für das es allerdings vorher im Verlauf kaum Ankerpunkte gibt. Trotzdem packt das Motiv den Hörer, ähnlich wie die brutale Tat selbst, zumal es die Schwarz-Weiß-Betrachtungen schlagartig kippt.

Die Umsetzung ist sehr stimmig und bringt glaubhaft die Kulisse der österreichischen Provinz rüber. Natürlich nutzt man einige Klischees, übertreibt allerdings dabei nicht, sondern orientiert sich schon an der Ernsthaftigkeit des Stückes selbst.

Auch wenn das Sprecherensemble nur wenige bekannte Namen enthält, ist die Besetzung - insbesondere im Hinblick auf die regionale Verwurzeltheit des Falles - sehr gelungen. Das Ensemble um Franz Nagel und Andreas Schlager liefert hier eine überzeugende Performance ab.


Ein schöner, langer Krimi mit viel Flair - Sowohl das Verbrechen selbst, als auch die Lösung und das Motiv hinter der Tat sorgen her für Spannung. Interessant, wenn auch vielleicht nicht jedermanns Geschmack, sind die verschiedenen Blickwinkel. 


Meine Wertung: + + +
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