Dies und das und das

Von Nadja Einzmann

Drei Dutzend Frauen und Männer um die Dreissig erzählen von ihren Kindheitserinnerungen, befragt von einer Autorin auf der Suche nach «roher, ungebügelter Wirklichkeit». Nadja Einzmanns Forschungsprojekt, obwohl zu einem sattsam bekannten Thema, zeitigt ungewöhnliche Resultate: hinter den üblichen, mithin erwartbaren Antworten zur eigenen Kindheit tritt ein wahres Gespinst erinnerter Ich-Legenden zutage. Und weil Nadja Einzmann die Interviews verdichtet und von der ersten Person in die dritte Person Einzahl umwandelt, dem ihr Erzählten dadurch die Unmittelbarkeit nimmt, wird offenbar, wie praktisch Kindheitserinnerungen sind, wenn es darum geht, Ich-Behauptungen zu unterfüttern. Längst nicht alles, was man sich und anderen in scheinbarer Offenheit erzählt, ist also frei von Manipulationen. So, wie das Gedächtnis sowieso ziemlich opportunistisch ist und mit der Gegenwart häufig sehr viel mehr zu tun hat als mit der Vergangenheit. Was aber nicht heisst, dass in der Erinnerung an «Dies und das und das» dann nicht doch da und dort die Tragik des Weiterwirkens von Kindheitsmustern im Erwachsenenleben aufscheinen würde.

Mit Klaus Brömmelmeier, Lara Körte, Vincent Leittersdorf und Katharina Schmalenberg

Musik: Philipp Schaufelberger

Hörspielbearbeitung und Regie: Franziska Hirsbrunner

DRS 2007

52 Min.

Nadja Einzmann wurde 1974 in Baden bei Karlsruhe geboren, hat unter anderem in Frankfurt am Main studiert und lebt heute auch dort. Sie schreibt Gedichte, Erzählungen und Romane und hat u.a. «Da kann ich nicht nein sagen. Geschichten von der Liebe» (2001, S. Fischer) und «Dies und das und das», Prosa (2006, S. Fischer) veröffentlicht. Philipp Schaufelberger, geboren 1970 in Göttingen, studierte erst klassische Gitarre und bildete sich dann an der Jazzschule Luzern weiter. Er spielt in verschiedensten Formationen im Bereich Jazz und verwandter Formen u.a. mit Harald Haerter, Dewey Redman, Michael Brecker, Arthur Blythe, Eric Truffaz, Daniel Mouthon. Mitglied in Lucas Nigglis «Zoom» und im «Pierre Favre Ensemble».

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