Die träumenden Knaben
Von Oskar Kokoschka
Bearbeitung, Komposition und Regie Klaus Buhlert
Produktion DLR/BR/ORF 1997
Eigentlich sollte Kokoschka im Auftrag der Wiener Werkstätten 1907/1908 ein Kinderbuch gestalten, doch „nur im ersten Blatt hielt ich mich an die Aufgabe. Die anderen Blätter entstanden dann mit meinen Versen als freie Bilddichtung ... eine Art Bericht ... über meinen damaligen Seelenzustand.“ Die so entstandenen Lithografien zeigen seltsam traumversunkene Figuren in exotischen Märchenlandschaften, die den Einfluss des Wiener Jugendstils deutlich erkennen lassen. Das Buch ist Kokoschkas frühem Vorbild Gustav Klimt gewidmet. Ganz im Sinne des Wiener Secessionismus sollte versucht werden, Visuelles mit Literarischem im Sinne eines Gesamtkunstwerks zu verknüpfen.
Inspiriert von den acht Farblithografien und ausgehend von Kokoschkas expressiver Lyrik sowie einigen Briefberichten, spannt Klaus Buhlert einen Bogen zwischen dem Jugendbild des Malers und seiner Alterssicht.
Oskar Kokoschka (1886-1980) war in den 20er Jahren Professor an der Kunstakademie in Dresden. Vor den Nationalsozialisten, die sein Werk mit dem Bann der „entarteten Kunst“ belegten, floh er nach Prag, wo er Olda Palkovská kennenlernte. Mit ihr ging er nach England und heiratete sie 1941 in einem Luftschutzkeller in London. Ab 1946 besaß er die britische Staatsbürgerschaft, lebte aber von 1953 an in der Schweiz, wo auch seine ersten großen Nachkriegsausstellungen stattfanden. Erst 1975 nahm er wieder die österreichische Staatsbürgerschaft an. Oskar Kokoschka zählt zu den bekanntesten Künstlern des Expressionismus.