Die Unterrichtsstunde
von Eugène Ionesco

aus dem französischen von Erica de Bary

Regie: Reinhart Spoerri
DRS 1958
42 Min.




Professor: Kurt Beck
Schülerin: Anneliese Betschart
Dienstmädchen: Traute Carlsen


Eine Schülerin meldet sich bei einem Professor, der Privatunterricht erteilt. Sie will bei ihm Stunden nehmen und wird auch angenommen. Die erste Lektion wird gleich erteilt. Nur seltsam, dass des Professors Dienstmädchen dauernd hereinkommt und den Unterricht mit den unwichtigsten Angelegenheiten stört. Erst ein harscher Verweis beendet die unliebsamen Unterbrüche. Jetzt ist die Bahn frei für Arithmetik und für die vergleichende Philologie. Der Professor, ganz feu sacré, steigert sich zunehmend in Rage. Denn er empfindet auch den kleinsten Fehler als Vergehen, ja als Verbrechen. Schliesslich kann er nicht mehr an sich halten und bringt seine Schülerin um. – Doch schon läutet es an der Tür, und die nächste Schülerin wünscht bei ihm Unterricht zu nehmen.

Eugène Ionesco, geboren 1909 in Slatina (Rumänien), verbrachte einen Teil seiner Kindheit in Frankreich und die Jugend in Rumänien, wo er im Anschluss an die Schulzeit französische Sprache und Literatur studierte. Von 1938 an lebte er in Paris. Mit der Uraufführung des Theaterstückes «Die kahle Sängerin» («La cantatrice chauve») 1950 begann Ionescos Aufstieg zu einem der führenden Repräsentanten des absurden Theaters und zu einem der bedeutendsten Dramatiker französischer Sprache überhaupt.
Er starb 1994 in Paris.


Dieses Hörspiel nach einem Theaterstück von Eugène Ionesco bringt reichlich viel Skurrilität mit sich. Was sich zu Anfang als reine Satire auf die Anspruchslosigkeit des Lehrbetriebes darstellt, in der es genügt simple Rechenaufgaben zu lösen, um eine Aufnahmeprüfung zu bestehen, wächst sich immer mehr zu einer absurden und nahezu wahnsinnigen Hörstück über das Wissen und dessen Macht aus. Das Stück steigert sich mehr und mehr, je weiter sich die Ebenen von Professor und Studentin voneinander entfernen, bis es schließlich zum Äußersten kommt und aus der Macht des Wissen pure Gewalt entsteht.

Der Wechsel vom Leichten und Seichten in die dramatische Zuspitzung, befremdet den Hörer zunächst erheblich und macht den das Stück im Übergang etwas zu schwergängig. Kaum is diese Klippe genommen, ist man dann aber auch schon mitten im Finale, das in seiner Drastigkeit dann nochmal überrascht.

Die Inszenierung lebt allein vom erstklassigen Spiel der Akteure. Insbesondere Kurt Beck kann hier, auch Dank der Rolle, die viel an Möglichkeiten bietet, sein Können beweisen. Er prägt ganz eindeutig dieses Stück. Anneliese Betschart und Traute Carlsen müssen dahinter etwas zurückbleiben, obwohl ihre Leistung ebenfalls sehr gut ist.


Ein sehr hintergründiges Stück, dass beschwingt anfängt, dann aber sich etwas sperrig darstellt und erst zum gelungenen Finale wieder hörbarer wird. Originell, rasant, zuweilen komisch - aber sicherlich nichts für jeden Geschmack.

Meine Wertung: + + +
Zur Startseite