| Dillingers
Fluchtplan Von Mike Markart. Regie: Alice Elstner Musik: Christoph Teiler ORF 2008 54 Min. Mit Rudolf Wessely und Rupert Henning Der Mann hat tatsächlich ein gravierendes Problem. Er darf nicht schlafen. Denn jedes Mal, wenn er einschläft, findet er sich im Kopf eines anderen wieder. Und er kann diesen anderen nur verlassen, wenn es ihm gelingt, ihn zu töten. Durch Einflüsterungen, durch Manipulationen oder indem er seinen Träger in gefährliche Situationen manövriert. Auf diese Weise sah sich unser Mann schon genötigt, Jesus Christus, Ayrton Senna und Herbert von Karajan um die Ecke zu bringen. Zudem hat er es immer eilig. Denn während er in fremden Köpfen wohnt, schläft sein eigener Körper schutz- und wehrlos zu Hause im Bett. Dieses Mal - und davon handelt Mike Markarts Geschichte - wacht der Ich-Erzähler im Kopf von John Herbert Dillinger auf. Einem gefürchteten Gangster aus Chicago, den das FBI dereinst als Staatsfeind Nummer eins bezeichnete. Dummerweise sitzt Dillinger gerade. Im Gefängnis. Gut bewacht und fest verriegelt. Keine Möglichkeit also, ihn in ein Gefecht zu verwickeln, ihn zu einem leichtsinnigen Bankraub zu verführen oder ihn von einem rivalisierenden Gangsterboss liquidieren zu lassen. Dillinger muss also fliehen. Aber wie? Unser Mann ist zur Tatenlosigkeit gezwungen. Das Schlimmste, was ihm und seinem zu Hause schlafenden Körper widerfahren kann ... Bemerkungen: Eigentlich ist "Dillingers Fluchtplan" ein ideales Hörspiel, da dieses Medium der Idee sehr entgegen kommt. Allerdings nutzt man meines Erachtens diese Möglichkeit zu wenig. Gleich zu Anfang lässt man den Hörer den orginellen Gedanken gewahr werden und erzählt aus der Ich-Perspektive des Protagonisten. Das ist recht interessant, soweit er die erste Begegnung mit Dillinger schildert, sogar nochmals mehr, als er von seinen bisherigen "Gastgebern" erzählt. Hieraus hätte man vermutlich eine gute und interessante Geschichte basteln können, wenn man hier die eine oder andere Episode etwas ausführlicher dargestellt hätte. Stattdessen nutzt man die restliche Spielzeit, um eine recht uninteressante, da zu geraffte Geschichte um Dillingers weiteren kriminellen Weg zu erzählen. Die Geschichte wird hauptsächlich von Rudolf Wessely getragen, der über weite Strecken überzeugen kann, dem es aber auch nicht gelingt, die inhaltlich etwas dünnen Sequenzen so zu präsentieren, dass das Hörinteresse oben bleibt. Schade, aber hier wäre deutlich mehr drin gewesen. Gerade weil die Idee im Hörspiel eine ideale Steilvorlage bietet, enttäuscht es umso mehr, wenn man zu wenig daraus macht. Insofern bleibt "Dillingers Fluchtplan" hinter den Erwartungen zurück und reiht sich in die Strecke der soliden, aber eher durchschnittlichen Hörspiele ein. Meine Wertung: + + |
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