| Don Quijote von der Mancha nach Miguel de Cervantes Hörspiel in 6 Teilen Aus dem Spanischen von Susanne Lange Bearbeitung, Komposition, Regie: Klaus Buhlert DLF/hR 2010 ca. 345 Min. ![]() Mit Rufus Beck, Thomas Thieme und Anna Thalbach Alonso Quijano, ein kleiner Landadliger, begeistert sich dermaßen für Ritterbücher, dass er beschließt, selbst ein tapferer Ritter zu werden, Abenteuer zu bestehen, gegen Unrecht zu kämpfen und die Schwachen zu beschützen. Er nennt sich fortan Don Quijote, seinen alten Klepper Rosinante, ein Bauernmädchen Dulcinea del Tuboso, die Gebieterin seines Herzens. Die ganze Welt erscheint ihm im verzauberten Licht seines Spleens. Eine ordinäre Schenke wird zur Ritterburg, aus frivolen Dirnen werden Edelfräuleins, im Wirt sieht er einen tapferen Ritter, der ihm selbst den Ritterschlag versetzen muss. Todesmutig legt er sich mit vermeintlichen Zauberern und Schurken an, zuletzt wird er von Viehtreibern fürchterlich verprügelt. Ein gutmütiger Bauer bringt ihn wieder zurück in sein Dorf. Der Barbier und der Pfarrer veranstalten in Don Quijotes Haus ein Autodafé, dem nahezu alle Ritterromane zum Opfer fallen. Doch der eingebildete Ritter wird keinesfalls geheilt. Im Gegenteil: Er erwählt sich den Bauern Sancho Panza zu seinem Schildknappen. Der lange dünne Ritter von der traurigen Gestalt auf seinem alten Klepper und der kleine dicke Sancho auf seinem Esel bestehen zusammen unsterbliche Abenteuer: Don Quijote kämpft gegen die Windmühlen, die ihm als Riesen erscheinen, besteht einen Kampf mit einigen Schläuchen roten Weines und vieles andere mehr. Immer erleidet der tapfere Ritter allerlei Unbill, Prügel und Spott … und Sancho Panza, dem sein Herr für treue Dienste ein Eiland versprochen hat, steht ihm wacker zur Seite. Wiederum sind es am Ende der Barbier und der Dorfpfarrer, die den Don Quijote überlisten und im Käfig auf einem Ochsenkarren in seine Heimat zurückbringen. |
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| Miguel
de Cervantes wurde 1547 bei Madrid als viertes Kind einer
verarmten Adelsfamilie (Hidalgo) geboren. Er studierte Theologie,
verpflichtete sich mit 22 Jahren als Soldat im spanischen Heer und nahm
an der Seeschlacht von Lepanto (1571) gegen die Türken teil.
Er trug eine schwere Verwundung an der linken Hand davon, die ihm den
Namen "el manco" (der Einarmige) einbrachte. Bei einem weiteren
Kriegszug wurde er zusammen mit seinem Bruder 1575 auf der
Rückreise nach Spanien von Piraten gefangengenommen und nach
Algerien verschleppt. Wiederholt versuchte er aus der grausamen
Gefangenschaft zu fliehen, kam aber erst nach fünf Jahren
durch die Vermittlung des Trinitarierordens frei und kehrte
völlig mittellos nach Spanien zurück. Sein Wunsch,
als Dichter leben zu können, erfüllte sich nicht und
so verdingte er sich von 1580 - 1583 wieder als Soldat, u.a. bei dem
König von Portugal. Später wurde er Agent, Kaufmann
und erhielt schließlich in Sevilla einen Beamtenposten. Nach
misslungenen Geschäften landete er wiederholt in Schuldhaft,
während der er an seinem großen Roman "Don Quijote"
zu schreiben begann. 1605 veröffentlichte er den ersten Band,
mit dem er schnell berühmt wurde, allerdings nur für
kurze Zeit auch wohlhabend. Ein Jahr nach Veröffentlichung
seines zweiten Bandes starb Cervantes 1616 vereinsamt und verarmt in
Madrid. Bemerkungen: Der "Don Quichote" teilt das Schicksal mit vielen anderen großen Werken: Jeder kennt irgendwie die Geschichte, gelesen hat den Romah aber so gut wie niemand. Ein Buch, das in jede gute Sammlung gehört, dort aber bitte auch schön im Regal bleibt. Vielleicht begrüßen gerade einige derjenigen, die bislang nicht zum Lesen kamen, die Hörspielfassung, um die Geschichte etwas einfacher serviert zu bekommen. Wer an dieser Stelle nickt, den werde ich etwas enttäuschen müssen, denn hier hat man die Rechnung ohne Klaus Buhlert gemacht. Der Berliner Hörspielmacher mit dem Händchen für Großprojekte macht aus dem "Don Quichote" mehr, als die Übertragung des Plots in ein erzählendes Hörspiel. Er versucht, das hörbar zu machen, was de Cervantes niedergeschrieben hat - sowohl inhaltlich, als auch formal. Buhlert übernimmt hier keine klassische Rollenverteilung, sondern lässt die Geschichte von zwei Schauspieler erzählen. Dabei gibt es zwar die Grundfestlegungen auf die Rolle, was aber nicht daran hindert, auch Texte, die über die eigentliche Rolle hinausgehen zu übernehmen. Das ist etwas ungewöhnlich und hinterlässt einen befremdlichen Eindruck, denn nicht jeder Hörer wird auf Anhieb die Intension Buhlerts, der das Werk als ständige Disput zwischen den beiden Figuren, Don Quichote und Sancho Pansa, begreift, nachvollziehen können. Insofern erklärt sich auch die überschaubare Besetzung, die allerdings mit drei hochkarätigen Sprechern aufwartet. Rufus Beck spricht den Don Quichote und kann hier sein Talent seiner wandlungsfähigen Stimme einsetzen, ohne dass er sich in Albernheiten ergäbe. Daneben agiert Thomas Thieme, der sich nahezu als Idealbesetzung des Sancho Pansa erweist, was mir im Vorfeld nur bedingt möglich erschien. Sämtliche Frauenrollen übernimmt Anna Thalbach, deren sehr eindringliche, aber leichte Stimme diese Bandbreite gut abdeckt. Der Text bleibt im Fokus der Inszenierung. Nur wenige Geräusche und etwas mehr Musik untermalen das Stück. Gerade die letztere Komponente verbreitet viel spanisches Flair, indem man mit Gitarren und anderen regionaltypischen Instrumenten ein wenig Flamencomusik unterlegt. Das schafft eine gute, permanente Verbindung zum Handlungsort, wenngleich man hier die historische Genauigkeit ein wenig außer Betracht lässt. Mit "Don Quichote" gelingt Klaus Buhlert eine Hörspielproduktion, die sich sehr nahe am Werk orientiert, aber mit vielen adäquaten Einfällen eine eigenständige Fassung schafft. Er verfolgt konsequent sein Verständnis des Stückes. Er will nicht die Geschichte dem Hörer erschließen, sondern das Werk an sich. Das gelingt, wird aber vermutlich einige Hörer auf der Strecke lassen. Meine Wertung: + + + |
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