Friedrich Schiller - Dramen
Autor: Friedrich Schiller
Produktion: DAV 2009
Dauer: 571 Min.

Große Gefühle und schicksalhafte Begegnungen. Ob Maria Stuart, Don Carlos oder Luise Miller - Schillers dramatische Figuren bleiben unvergessen. Zum 250. Geburtstag des Dichters erscheinen die bedeutendsten Bühnenklassiker als hochwertige Hörspieledition, von den frühen bürgerlichen
Trauerspielen, über die großen Geschichtstragödien, bis zum letzten dramatischen Entwurf, der leider unvollendet blieb. Großartig inszenierte Radio-Hörspiele auf 10 CDs, mit Schauspiellegenden wie Gert Westphal, Christiane Hörbiger u. v. a.

Friedrich von Schiller wurde 1759 in Marbach geboren. Auf Befehl des Herzogs Karl Eugen musste der junge Schiller 1773 in die 'Militär-Pflanzschule' eintreten, wo er ab 1775 Medizin studierte; später wurde er Regimentsmedicus in Stuttgart, das er 1782 nach Arrest und Schreibverbot wegen seines Stückes 'Die Räuber' jedoch fluchtartig verließ. 1789 wurde er zum Professor der Geschichte und Philosophie in Jena ernannt, 1799 ließ er sich endgültig in Weimar nieder. Schiller starb am 9.5.1805 in Weimar.


Die Edition enthält die Hörspiele:

Kabale und Liebe

Hörspielbearbeitung und Regie: Paul Hoffmann
Musik: Peter Zwetkoff
SWF 1955
89 Min.

Major Ferdinand von Walter, der Sohn des Präsidenten, liebt Luise, die Tochter des Stadtmusikanten Miller. Über alle Standesunterschiede hinweg ist er fest entschlossen, sie zu ehelichen. Durch fein gesponnene Intrigen, vor allem die seines eigenen Vaters, zweifelt Ferdinand jedoch an der Treue seiner Geliebten. Aus Verzweiflung geht er mit Luise in den Tod.

Präsident von Walter: Gert Westphal
Ferdinand, sein Sohn: Jürgen Goslar
Hofmarschall von Kalb: Ludwig Cremer
Lady Milford: Irmgard Först
Wurm: Heinz Reincke
Miller, Stadtmusikant: Hans Mahnke
Millers Frau: Käthe Lindenberg
Luise: Elfriede Kuzmany
Sophie: Eva Luck
Kammerdiener: Kurt Ebbinghaus

Meine Wertung: + + + +
 



Maria Stuart

Hörspielbearbeitung und Regie: Gert Westphal
ORF 1981
100 Min.

Wie Friedrich Schlegel berichtet, soll Goethe vor der Urauführung des Stückes in Weimar gesagt haben: "Mich soll nur wundern, was das Publikum sagen wird, wenn die beiden Huren zusammenkommen und sich ihre Aventuren vorwerfen". Goethes Skepsis war fehl am Platz - schon die Weimarer Uraufführung war ein großer "Sukzess", wie Schiller befriedigt konstatierte, und der Erfolg ist dem Stück bis heute treu geblieben. Nicht zuletzt dank der von Goethe erwähnten Kernszene des fünfaktigen Trauerspiels, der Begegnung der beiden Königinnen, die sich als Rivalinnen um die Gunst des gemeinsamen Geliebten schneidende Kränkungen an den Kopf werfen - eine der aufregendsten Szenen der dramatischen Weltliteratur, in der sich Erotik, Politik, Religion und scharfsinnigste Enthüllungspsychologie durchdringen. Die Historie hinter dem menschlichen Drama. Elisabeth, Königin von England, hält Maria, Königin von Schottland, gefangen, die, als Mörderin ihres Gatten aus Schottland vertrieben, bei ihr Schutz gesucht hatte, und verurteilt sie schließlich zum Tode.

Maria Stuart: Christiane Hörbiger
Elisabeth: Sonja Sutter
Robert Dudley: Karl Michael Vogler
George Talbot: Paul Hoffmann
Wilhelm Cecil: Will Quadflieg
Wilhelm Davidson: Friedrich Schwardtmann
Amias Paulet: Aljoscha Sebald
Mortimer: Axel Radler
Graf Aubespine: Gerhard Becker
Hanna Kennedy: Heidemarie Hatheyer

Meine Wertung: + + + + +
 

Don Carlos

Hörspielbearbeitung und Regie: Leopold Lindtberg
Musik: Rolf Unkel
SWR 1959
141 Min.

Don Carlos, Sohn Philipps II. von Spanien und Thronfolger, steht unter dem Verdacht, ein Verhältnis mit seiner Stiefmutter Elisabeth von Valois zu haben. Durch einen Plan des Marquis von Posa gelingt es zunächst, Don Carlos von dem Verdacht zu befreien und ihn stattdessen für die Revolution Flanderns gegen die Herrschaft Spaniens zu gewinnen. Schiller entwickelt sein »dramatisches Gedicht« im Vorfeld der Französischen Revolution. Sein politisches Anliegen dominiert die intrigenreiche Geschichte: Marquis Posa kommt aus den vom Glaubenskrieg zerstörten flandrischen Provinzen Spaniens an den Hof zurück und versucht, seinen Jugendfreund Don Carlos in die Freiheitsbestrebungen der unterdrückten Provinzen einzubinden. Doch »das kühne Traumbild eines neuen Staates« wird nicht entstehen ­ Hofintrigen führen zur Erschießung des Marquis und zur Übergabe des Kronprinzen an die Inquisition.


Phillipp II: Ewald Balser
Elisabeth von Valois: Eva Zilcher
Don Carlos: Wolfgang Stendar
Marquise von Posa: Gerd Brüdern
Herzog von Alba: Heinz Moog
Graf von Lerma: Walter Holten
Dominga: Ernst Fritz Fürbringer
Grossinquisitor: Kurt Horwitz
Prinzessin von Eboli: Gisela Mattishent
Herzogin von Olivarez: Elsa Pfeiffer
Marquisin von Mondekar: Uta Rücker
Merkado: Egon Clauder
Don Raimond von Taxis: Wolfgang Wendt
Offizier: Dieter Eppler
Peter von Hamme, Helmut Wieland, Fred Goebel, Karl Grytzmann, Hans Fromann, Bodo Knuth, Wolfgang Schwalm, Elfie Heilig, Ingeborg Schubert, Charlotte Kunze, Ingrid Fernolt, Irma Schwab

Meine Wertung: + + + + +
 

Wilhelm Tell

Hörspielbearbeitung: Gerhard W. Menzel
Regie: Carl Nagel
DRA 1950
80 Min.

Österreichische Vögte bedrücken das Schweizer Land; einer der schlimmsten ist Geßler, der ein grausames Regiment führt. Auf dem Marktplatz zu Altdorf hat er eine Stange mit seinem Hut aufstellen lassen. Er will den Stolz der freien Schweizer brechen, die bei Todesstrafe den Hut grüßen müssen. Tell, der mit seinen Freunden schon lange die Befreiung des Vaterlandes plant, geht ohne Gruß vorüber. Jetzt soll er verhaftet werden. Von dem Lärm herbeigerufen, erscheint Geßler - und denkt sich eine teuflische Strafe aus: Wilhelm Tell, der Meisterschütze, soll einen Apfel vom Kopf seines Sohnes schießen. Gelingt ihm das, ist er frei. Vergebens bittet Tell um Gnade. Der Schuss gelingt, doch Geßler will wissen, wofür der zweite Pfeil bestimmt war. Als Tell zugibt, der sei für den Vogt gedacht gewesen, falls dem Kind nur das geringste geschehen wäre, lässt Geßler ihn verhaften. Das Schiff, mit dem er nach Küsnacht gebracht werden soll, gerät in einen Sturm und Tell kann entfliehen. In Küsnacht lauert er dem Vogt auf.

Herrmann Geßler: Wolf Kaiser
Werner Freiherr von Attinghausen: Ludwig Anschütz
Ulrich von Rudenz: Walter Stickan
Wilhelm Tell: Maximilian Larsen
Walter Fürst: Hans Gerlach
Pfarrer Rößelmann: Josef Peter Dornseif
Werner Stauffacher: Hans Finohr
Arnold von Melchtal: Martin Flörchinger
Konrad Baumgarten: Oswald Foerderer
Arnold von Sewa: Fritz Werth
Gertrud, Stauffachers Frau: Rita Mosch
Armgard: Ilse Anspach
Berta: Elfriede Née
Rudolf der Harras: Johannes Curth
Frießhart: Robert Neugebauer
Willi Arnhold, Helmut Bütow, Curt Walter Franke, Carl de Giorgi, Georg Hädicke, Thankmar Herzig, Rolf Kästner, Gerhard Murche, Alfred Otto, Heinz-Werner Pätzold, Curt Paulu, Werner Schoch, Walter Max Schwarz, Kurt Singotta, Hans-Robert Wille
 
Meine Wertung: + + +

Demetrius

Hörspielbearbeitung und Regie: Ludwig Berger
Musik: Boris Blacher
SFB 1955
76 Min.

Dieses letzte Werk Schillers ist Fragment geblieben. Nahezu vollendet sind nur der 1. und der 2. Akt. Vollendet und genau notiert war aber der Plan zum großen Historiendrama. Diese Entwürfe gehen in die Funkinszenierung ein, so daß das Drama - sozusagen in Prosaform - zum Abschluß geführt wird.
Es ist die Geschichte des Dimitrij bzw. des falschen Dimitrij. Der auch von Puschkin verewigte Boris Godunow hatte den echten Dimitrij, einen Sohn Iwan des Schrecklichen, 1591 als Kind ermorden lassen, um sich selber auf den russischen Thron setzen zu können. Doch taucht nach etlichen Jahren in Polen, dem Erbfeind Rußlands, ein Jüngling auf, von dem gesagt wird, er sei der durch ein Wunder den Mördern entkommene rechtmäßige Thronnachfolger. Da dieser (falsche) Dimitrij bei Schiller selber an die Mär glaubt, zieht er voller Überzeugung mit den Polen gegen den Moskauer Thronräuber in den Krieg. Hier bricht das Fragment ab. Nach dem Sieg verdichten sich die Zweifel an der Identität des Demetrius. Als auch der Mörder von damals nun eine eindeutige Aussage zum Tod des echten Thronnachfolgers gibt, sind Selbstbewußtsein und Macht des falschen gebrochen.

Demetrius: Peter Mosbacher
Marfa, seine Mutter: Miriam Ziegel-Horwitz
Marina: Edith Schneider
Olga: Eva Lissa
Fürst Sapièha: Ernst Schröder
Erzbischof von Gnesen: Martin Held
Odowalsky: Klaus Miedel
König Sigismund: Rudolf Fernau
Hiob: Erwin Kalser
Kastellan von Krakau: Hans Epskamp
Meischek: Wolf Harnisch
Bischof von Wermeland: Otz Tollen
Opalinsky: Hans-Joachim Schröder
Razin: Herbert Stass
Ilia: Gerhard Schäfer
Timoska und Hetman: Reinhold Bernt
Gleb und Chorstimme: Hans Otto Lengwinat
Igor und Chorstimme: Peter Weis
Petruschka und Chorstimme: Edgar Ott
Bielsky: Erik von Loewis
Xenia: Ursula Lyn
Alexia: Helen Stuhmann
Fischerknabe: Fritz Mathies
Pförtnerin: Elisabeth Horn-Haprech
1. Sprecher: Carl Raddatz

Meine Wertung: + + + +

Die Verschwörung des Fiesco zu Genua

Hörspielbearbeitung und Regie: Wilhelm Semmelroth
Musik: Bernd Alois Zimmermann
WDR 1955
83 Min.

Machtspiele im Genua des Jahres 1547: Der junge Gianettino Doria, Neffe des greisen Dogen Andreas Doria und dessen einziger Erbe, will die Herrschaft übernehmen und sich zum Herzog von Genua machen. Zu seinen Gegnern zählt Verrina, ein Mann von sechzig Jahren, der einer republikanischen Verschwörung angehört. Verrinas junger Freund Fiesco, 23 Jahre alt, soll der Anführer dieser Verschwörung sein und sie zum Sieg führen. Aber Fiesco, Graf von Lavagna, hofft insgeheim, diese republikanische Verschwörung zum eigenen Vorteil nutzen zu können: Er will selbst Herzog von Genua werden. Verinna durchschaut Fiescos Spiel früh: "Den Tyrannen wird Fiesco stürzen, das ist gewiss. Aber Fiesco wird Genuas gefährlichster Tyrann werden, das ist gewisser!"

Andreas Doria: Albert Florath
Gianettino Doria: Wolfgang Wahl
Fiesco: Will Quadflieg
Verrina: Hermann Schomberg
Bourgognino: Hansjörg Felmy
Calcagno: Karl Maria Schley
Sacco: Kurt Meister
Lomellino: Alf Marholm
Muley Hassan: René Deltgen
Leonore: Elisabeth Opitz
Julia Imperiali: Edith Lechtape

Meine Wertung: + + + +

Bemerkungen:
Solche Box-Veröffentlichung haben ja immer den leichten Geruch der Verramschung an sich,  wenn sie, wie hier, optisch etwas gewöhnungsbedürftig daherkommen: In einer viel zu breiten Box klappern zehn CDs in verklebten(!) grünen Papierhüllen. Dazu gibt es ein gerade mal vierseitiges Booklet, das nur Angaben zu den Mitwirkenen bzw. zu den für die Produktion verantwortlichen dichtgedrängt wiedergibt. Inhalte und Hintergrundinformationen? Fehlanzeige!

Auch die Hörspiele an sich sind etwas lieblos auf die CD gebannt worden, deutliche Qualitätsschwankungen deuten an, dass man hier beim Mastering zu sehr mit der groben Kelle gearbeitet hat.

Das ist schade und wird dem Inhalt nicht gerecht. Immerhin schafft man hier sechs sehr hörenswerte Produktionen zu kombinieren, die zum großen Teil wirklich erstklassig inszeniert sind.

Es beginnt mit der Hoffmann-Fassung von "Kabale und Liebe", in der insbesondere Gert Westphal und Heinz Mahnke sehr überzeugen. Ähnlich exponiert sind auch die Leistungen von Sonja Sutter und Christiane Hörbiger in "Maria Stuart".

Die Sprecher überzeugen hier in nahezu allen Produktionen - einzig die Tell-Fassung ließ in der ein oder anderen Besetzung ein bisschen Luft nach oben.

Alle sechs Produktionen kommen recht nüchtern in der Umsetzung daher. Geräusche und Musik tauchen meist nur sporadisch auf, klassische Untermalungen fehlen gänzlich. Man reduziert alle Fassungen auf das Wesentliche - Das Werk Schillers und die Interpretation der Schauspieler.
Das mag zum einen den meist recht frühen Produktionsjahren geschuldet sein, wird aber den Bearbeitungen mehr als gerecht, da man so den Fokus nicht verschiebt.

Allen Umsetzungen gemein ist auch der geringe Abstand zur Vorlage. Einzig die Bearbeitung "Demetrius" hat man über das Fragment hinaus weiterbearbeitet. Hierbei hat man viel Gespür für eine werkgerechte Fortführung an den Tag gelegt.

Natürlich fließt da heute die Sprache Schillers nicht so glatt ins Ohr, aber in diese großartigen Geschichten, zumal sie in diesen sehr guten Umsetzungen dargestellt sind, findet auch man sich dennoch sehr gut ein.


Auch wem die Schulzeit den Dichter verleidet haben mag, sollte hier ruhig mal ein Ohr riskieren. Mich selbst haben diese zum Teil großartigen Inszenierungen richtig in den Bann gezogen. Etwas schade ist nur die etwas lieblose Art, wie diese Hörspiele auf den Markt geworfen werden. Sowohl optisch - als auch klanglich, hätte man hier etwas zulegen dürfen. Daher fällt die Gesamtwertung einen Punkt geringer aus, als es der Durchschnitt der Einzelhörspiele hergeben würde.

 

Meine Wertung: + + +

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